[Artikel in Arbeit]

Throw it away! … Because you cannot lose a thing if it belongs to you(*)

[Meine Aussagen zum Investieren sind generell pro passives Investieren mit ETFs nach der Investmentphilosophie von Gerd Kommer gefärbt, weil das für meine persönliche Situation eine gute Lösung ist.  Bitte behaltet diesen Bias beim Lesen im Hinterkopf.)

Inhalt
Planungsszenarien
Fundament schaffen
Vorgehens-Schritte
Alternative Anlagestrategien
Grundannahmen
Umsetzung der Strategien
Überwachung, Rebalancing
Stresstest, Anpassung an Lebensumstände
Call to Action

Ich betrachte Renten und Investments ganzheitlich in einem Gesamtportfolio:

  • % Lebenslange Renten
    DRV, bAV, paV
  • % Investment-Portfolio
    • % Risikoarmer Teil
      Tagesgeld (Festgeld), Anleihen
    • % Risikobehafteter Teil
      Aktien, Immobilien, Rohstoffe
    • % Mythischer Teil
      Gold

Hier mein Modell zur Finanzgestaltung im Ruhestand.

Komponenten und Finanzflüsse zur Finanzgestaltung für den Ruhestand

Planungsszenarien

Ich sehe folgende prinzipielle Planungsszenarien:

  • Man hat bereits ein Vermögen welches hoch genug ist, um lebenslang auskömmlich im Rahmen seines Ausgabenbudgets zu leben.
    Dann sind Aktien eher zur Erhöhung der Sicherheit durch Diversifikation interessant oder zur Reduzierung von Klumpenrisiken oder zur Verbesserung der Liquidität. Renditeerwartungen sind hier nachrangig.
    Klumpenrisiken können z.B. sein: Alles in Deutschland, der EU und Euro zu halten (Cash, Bankeinlagen, Renten, Anleihen, Immobilien). Selbstgenutzte Immobilien bilden für Privatanleger oft einen zu großen Teil des Vermögens und sind somit ein Klumpenrisiko – bei entsprechend hohem Gesamtvermögen ist das aber kein Argument und sie sind zur Diversifikation geeignet. Generell sind Immobilien nicht häppchenweise verkaufbar.
  • Man hat lebenslange, halbwegs inflationsangepasste Renten welche die Grundbedürfnisse (Essen, Wohnen inkl. Nebenkosten, Krankenversicherung [auch auf Reisen], Kleidung, Kommunikation (Tel, Internet), Transport, Freizeit, Bildung) lebenslang abdecken. Dann kann man je nach Lebensplanung und eigenen Risikotoleranz all-in Aktien gehen oder eine sicherheitsorientierte Anlagestrategie wählen. Mein Favorit für dieses Szenario ist ein Portfolio mit 60% Aktien und einer dynamisch an die Marktentwicklung angepassten Entnahmerate, siehe Die genial einfache Vermögensstrategie(*), Kap 9.3.
  • Hat man keine(!) lebenslange Abdeckung der Grundbedürfnisse durch Renten, dann muss man möglichst sichere Entnahmen lebenslang aus einem volatilen Markt holen.
    Dazu muss die Asset-Allokation konservativer sein als mit Renten im Hintergrund oder die Anlagesumme muss sehr hoch sein. Denn jede Erhöhung des risikobehafteten Anteiles erhöht zwar die mögliche Rendite aber auch das Failure Risk. There ain‘t no free lunch.
    Selbst bei langem Anlagehorizont und konservativer Entnahmerate und unter Berücksichtigung des Renditereihenfolgerisikos (Sequence-of-Return-Risk) bleiben die Restrisiken Langlebigkeit und Failure Risk der Entnahmestrategie. Bei einer 4%-Entnahmestrategie mit 75% Aktien und 30J Entnahmezeitraum beträgt das Failure Risk ca. 2%, siehe The Trinity Study And Portfolio Success Rates (Updated To 2018). Der Mensch unterschätzt das Risiko aus kleinen Wahrscheinlichkeiten leicht! Risiko ist die Kombination von Eintrittswahrscheinlichkeit und Auswirkung(!).
    Oder man kalkuliert ein (bewusst oder unbewusst), zur Not dem persönlichen Umfeld oder der Allgemeinheit auf der Tasche zu liegen oder in nicht so sozialstaatlichen Ländern wie D in der Gosse zu landen.

Das sehr interessante Papier The Yin and Yang of Retirement Income Philosophies beschreibt zwei grundsätzliche Strategien zur Finanzplanung für den Ruhestand:

  1. Probability-Based
  2. Safety-First

Hier noch ein paar wissenschaftlichere Artikel: The Financial Planning Association (FPA) divides retirement income strategies into three categories: systematic withdrawals, time-based segmentation and essential-versus-discretionary income.

Part 1: Time Segmentation as the Compromise Solution for Retirement Income
Part 2: How to Make Time Segmentation Work in Practice: Three Options for Extending a Bond Ladder
Part 3: Is Time Segmentation a Superior Strategy?

Fundament schaffen

Für eine solides Fundament seiner Finanzen sollte man:

  • Existentielle Risiken absichern
    Krankenversicherung, Privathaftpflicht, (Berufsunfähigkeitsversicherung), (Gebäudeversicherung), siehe Wichtige Versicherungen.
  • Schulden tilgen.
  • Eine Notreserve von etwa 6 Monatsausgaben oder mindestens 10T€ aufbauen. Auf einem Konto auf das man jederzeit (von einem Tag auf den anderen) Zugriff hat, z.B. Tagesgeldkonto. Am besten nicht auf der Bank mit dem Girokonto. Siehe Kontenmodell.
  • Erwartbare hohe Sonderausgaben der nächsten Jahre auf ein Tagesgeldkonto legen, z.B. für den Kauf eines neuen Autos.

Den oft erwähnten Notgroschen für eine neue Waschmaschine oder eine Autoreparatur etc. braucht man m.E. nicht. Dieses Geld kann stattdessen Rendite bringen. Solche Ausgaben lassen sich mit etwas Flexibilität je nach Einkommenssituation und Selbstdisziplin bei anderen Ausgaben oder zur Not über den Dispokredit abdecken. Größere Ausgaben wie für ein neues Auto lassen sich planen. Falls man einen solchen Notgroschen beiseite legt, dann ist dessen Rendite der Dispozins. Es gibt gute Argumente die sogar gegen eine Notreserve sprechen The Emergency Fund: It’s Still Useless!.

Wer noch keinerlei Erfahrung mit Aktien hat, kann parallel einen kleinen ETF Sparplan zum Ausprobieren einrichten, z.B. 25€/Mon in den Vanguard A1JX52. ETF. Damit kann man erfahren wie ein Depot eröffnet wird, wie man Aktien oder Anleihen kauft und ein Gefühl für das Investieren in Aktien und die Schwankungen des Marktes bekommen. Aber wer in der Vermögensaufbauphase noch nicht an der Börse war wird vor/im Ruhestand kein Vermögen mehr mit Aktien aufbauen können – es fehlt schlicht an Zeit und ganz wesentlich an Erfahrung mit der Volatilität des Marktes. Zur Diversifikation in Aktien für mehr Sicherheit ist es aber nie zu spät. Der Finanzwesir beschreibt das schön in Kann Leser P. die Rentenlücke schließen? Alles hat seine Zeit im Leben und wer zwei Jahre vor der Rente die Börse für sich entdeckt, sieht nur noch die Rücklichter des Renditezugs.

Vorgehens-Schritte

Folgende Schritte zur Gestaltung des persönlichen Gesamtportfolios bieten sich an:

  • Ausgabenbudget bestimmen
  • Verzehren oder Vererben klären
  • Anlagehorizont festlegen (Restlebenserwartung)
  • Zwischen Vermögenssicherung/-Verzehr oder
    weiterem Vermögensaufbau entscheiden
  • Persönliche Risikotoleranz und Risikotragfähigkeit bestimmen
  • Asset-Allokation festlegen
    Unter Berücksichtigung von: Ausgabenbuget, zu vererbender Anteil, Anlagehorizont, Steuern, Risikotoleranz, vorhandenes finanzielles Potential, verbleibendes Spar- und Investitionspotential.
  • Konkrete Finanzprodukte auswählen
  • Regelmäßig rebalancen
  • Regelmäßig Risikotoleranz prüfen

Ausgaben-Budget

Grundlage der Gestaltung ist die Ermittlung/Planung der Ausgaben, siehe Ausgaben-Budget, siehe Ausgaben budgetieren – Heimat (Excel). Die Ausgaben lassen sich klassifizieren in:

  • Ausgaben für Grundbedürfnisse
    (Essen, Wohnen inkl. Nebenkosten, Krankenversicherung [auch auf Reisen], Kleidung, Kommunikation (Tel, Internet), Transport, Freizeit, Bildung)
    Siehe auch Harz 4 Regelsatz.
  • gewünschte Ausgaben
    Für das schöne Leben.
  • erhoffte Ausgaben
    z.B. zum Weitergeben an andere (Nachkommen, Organisationen).

Das Ausgaben-Budget kann sich mit zunehmendem Alter oder sich ändernden Lebensumständen verändern, siehe Finanzplan für den Ruhestand (Excel). Manche gehen davon aus im hohen Alter geringere Ausgaben zu haben, das kann, muss aber nicht für jeden so sein.
Das Budget kann je nach hauptsächlichem Aufenthaltsort (Heimat, Kurzreise, Langzeitreise, ausgewandert) unterschiedlich sein, siehe Budget-Planung Heimat->Reisen(Excel).

Vererben oder verzehren

Wer etwas vererben möchte sollte ausrechnen wie viel er sich leisten kann und erwägen es mit warmen Händen zu tun, nicht zuletzt aus steuerlichen Gründen.

Zum Finanziellen Potential teilt Kommer(*) die Haushalte in 3 Klassen auf:

  • A-Haushalte ohne oder mit nur geringem Nettovermögen.
  • B-Haushalte mit mittlerem bis hohem Nettovermögen.
  • C-Haushalte mit sehr hohem Nettovermögen.
    Pro-Kopf-Nettovermögen von mehr als 2,5  Mio Euro.

Für A-Haushalte haben kaum eine realistische Perspektive etwas zu vererben. C-Haushalte brauchen sich die Frage „Reicht mein Geld im Ruhestand“ nicht zu stellen.

Anlagehorizont

Der Anlagehorizont ergibt sich auch persönlichen Restlebenserwartung im aktuellen Alter. Die eigene Restlebenserwartung hängt von vielen Faktoren ab, u.a. Gene, Geschlecht, Schicksal (in welches Land und soziales Umfeld man hineingeboren wurde), Gesundheitszustand, Lebensumstände, Zufall (schon morgen kann durch einen Unfall alles ganz anders sein). Hier ein Rechner zur Restlebenserwartung Wie alt werde ich? Zur Sicherheit sollte man nicht von der mittleren statistischen Restlebenserwartung ausgehen, diese erreicht man mit 50% Wahrscheinlichkeit, sondern wenigstens von der mit 10% Wahrscheinlichkeit. Beispiel:  Mittlere statistische Restlebensdauer eines 60-jährigen Mannes: 22J (Lebensalter 82), mit 10% Wahrscheinlichkeit: 32J (Lebensalter 92).

Vermögens-Sicherung, -Verzehr, -Aufbau

Braucht/will man überhaupt Rendite aus seinen Investments, oder geht es rein um Vermögenssicherung/-Verzehr oder auch im Ruhestand weiter um Vermögensaufbau. Wenn man genug hat (die o.g. C-Haushalte), braucht man sich die Börse gar nicht anzutun oder kann das recht gelassen tun.

Risikotoleranz und Risikotragfähigkeit

Die Anlageklassen habe eine unterschiedliche Volatilität (Standardmaß für die Risikohöhe). Hier die Vergangenheitswerte USA 1928 bis 2018, siehe Die genial einfache Vermögensstrategie: So gelingt die finanzielle Unabhängigkeit(*):

  • Bankeinlagen: ca. 3%
  • Anleihen: ca. 7,7%
  • Aktien: ca. 20%

Risikotoleranz bedeutet salopp gesagt wie gut man mit seinem durch die gewählte Asset-Allokation bestimmten Ausgesetztsein in die Marktvolatilität schlafen kann .

Riskotragfähigkeit beschreibt das eigene finanzielle Potential um die Auswirkungen von möglichen Verlusten auszugleichen: Humankapital, vorhandene Geldmittel, Renten, Immobilien, (Acker)-Land) sowie das verbleibende Sparpotential und Investitionspotential. So kann z.B. der finanzielle Spielraum durch die Finanzierung eines Eigenheimes reduziert sein.

Hier ein Szenario um ein Gefühl für das Risiko zu bekommen: Asset-Allokation 60% risikobehaftete Aktien mit Renditeerwartung 5,2% und 40 % risikoarme Anleihen mit Renditeerwartung 0%. Daraus ergibt sich bei einer langfristigen Anlage eine erwartete Rendite von 3,12 % nach Inflation, vor Kosten und Steuern (0,6 x 5,2 % + 0,4 x 0,0 % = 3,12 %). Entsprechend der Faustregel, wonach der sich der Wert des Aktienanteils in einer Krise halbieren kann, müsste man temporäre Rückschläge von 30 % verkraften (60 / 2 + 40 = 70).

Für manchen mag das zu viel Risiko sein für zu wenig Renditechance . Daher ist es verständlich, wenn auch nicht besonders klug, aus Verunsicherung einfach nichts zu tun. Mancher mag Alternativen erst gar nicht hören sich auf seine Grundeinstellungen zurückziehen oder auf versteinerten Ansichten oder mythischen Annahmen zu Finanzen beharren. Dann gibt es noch diejenigen die sich nie recht um ihre Finanzen gekümmert haben und die Dinge einfach laufen lassen, so wie ich selbst lange Zeit. Mancher überlässt seinem Lebenspartner die Kontrolle (vielleicht sogar ohne Ehevertrag) oder verlässt sich auf Bank- oder Versicherungsberater. Mancher verliert sind im Detail oder neigt zu sinnloser Optimiererei. Andere spielen süchtig mit Aktien oder Währungen. Mancher mag sich für schlauer als die anderen (institutionellen) Investoren und den Markt halten. Was man aus den Möglichkeiten macht muss jeder selbst entscheiden.

Erfahrungsgemäß ist eine Aktienquote oberhalb von 70 % für viele nervlich in Krisenphasen schwer zu ertragen. Das größte Risiko sind schwache Nerven, nicht die Börse!

Will man wenigstens die Kaufkraft seiner Anlagen erhalten dann sollte der Aktienanteil mind. 30% sein bei z.B. 2% individueller Inflationsrate und -0,5% Negativzinsen auf Tagesgeld (0,3 x 7% Aktienrendite bei 0% Anleihenrendite = 2,1%).

Rendite ist die Belohnung für das Tragen von Risiko. Das bedeutet: Nur wer bereit ist, Risiken in einem gewissen Ausmaß einzugehen, kann aktuell eine Rendite erzielen, die höher ist als Null. Die Erwartung ganz ohne Risiko eine positive Nettorendite zu bekommen ist unrealistisch.

Zur Beurteilung der eigenen Risikotoleranz kann man sich folgende Fragen stellen:

  • Wie wirkt sich die wahrgenommene Volatilität des Marktes auf deinen Schlaf aus?
  • Hat Du Bedenken das Ende deines Vermögens zu überleben?
  • Würde ein Markteinbruch deinen Lebensstandard stark beeinträchtigen?
  • Wie gut kämst Du mt einer Reduzierung deines Lebensstandards zurecht?
  • Wäre einen höhere Renditeerwartung es wert ein größeres Risiko einzugehen – mit der möglichen Folge von Einschränkungen des Lebensstandards.

Wer eher zu einem probability-based Ansatz tendiert dem erscheinen Renten eher uninteressant weil sie kein Renditepotential bergen und einen bestimmten Lebensstandard “einfrieren”. Dabei wird das Pleiterisiko eher gering bewertet. 90% Wahrscheinlichkeit für Erfolg werden als gut genug empfunden.

Wer eher zu einem safety-first Ansatz tendiert möchte wenigsten für seine Grundbedürfnisse gesorgt haben und hält volatile Finanzinstrument für ungeeignet zur Altersvorsorge. Er verlässt sich dabei vielleicht zu stark darauf, dass sich die Dinge halbwegs wie geplant entwickeln und unterschätzt Unwägbarkeiten wie wirtschaftliche, fiskalische, rechtliche oder politische Entwicklungen oder die Unsicherheit bzgl. seiner Lebenserwartung und Gesundheit. Auch muss er für die gewünschte Sicherheit bei Auszahlplänen deutlich längere Laufzeiten als die erwartete Restlebensdauer einplanen. 10% Wahrscheinlichkeit für Mißerfolg werden als unakzeptabel empfunden.

Finanzwesir: Ohne Risikomanagement kein Erfolg an der Börse

Asset-Allokation

Zum Festlegen der Asset-Allokation sind zu beachten: Ausgabenbudget, Anlagehorizont, Steuern, zu vererbender Anteil, persönliche Risikotoleranz und Risikotragfähigkeit. Zum mit Asset-Allokationen „spielen“ siehe Asset-Allokation (Excel).

Für konkrete Finanzinstrumente siehe 1. Anlageinstrumente zur Finanzgestaltung. Bei der Wahl von Index-ETF ist der zugrunde liegende Index wesentlich, weniger der ETF-Anbieter. Zum Vergleich der Gesamtkosten von Index-ETF ist die Trackingdifferenz besser geeignet als der TER, siehe justetf: Trackingdifferenz besser als der TER, Finanzwesir: Auf der Jagd nach dem perfekten ETF.

Alternative Anlagestrategien

Die Auswahl von Finanzinstrumenten ist bestimmt durch die prinzipielle Anlagestrategie:

  • Aktive Einzelwert-Investments
    Selbst in einzelne Aktien investieren oder via
    aktiv gemanagter Fonds oder Vermögensverwalter
  • Passive Einzelwert-Investments
    Dividenden Strategien, Value Investing
  • Passives investieren in Index-ETFs
  • Investieren in Mietimmobilien

Wissenschaftlich/Theoretisch scheint mir für Privatanleger (selbst semiprofessionelle) der Index-ETF-Ansatz überlegen zu sein. Aber wer die nötige Expertise für Einzelwertinvestments hat soll das natürlich gerne tun. Am wichtigsten ist, dass man sich mit seiner Strategie wohlfühlt und bei Marktkorrekturen nicht in Panik gerät.

Irgendwie ist mir aber die verbreitete Stimmung pro Index-ETFs suspekt – fühlt sich manchmal an wie “laut vor Angst im Wald pfeifen”. Das kann aber auch an meiner Informationsblase liegen. Deswegen versuche ich mich in fundierteren Quellen als bloß Blogs und Foren tiefer zu informieren,.

Beim passiven investieren in Index-ETFs gibt es folgende Möglichkeiten von einfachst bis komplex:

  • Weltportfolio (weltweite Index-ETF auf Aktien und Anleihen)
    1 weltweiter Aktien-ETF (evtl. nachhaltig).
    1 Anleihen-ETF kurz laufender europäischer Staatsanleihen bester Bonität.
    Einfach, diversifiziert genug, kostengünstig.
  • Marktportfolio (weltweite Index-ETF auf Aktien, Anleihen und Rohstoffe)
    Noch diversifizierter als Weltportfolio.
    Noch einfacher als Weltporfolio – nur 1 ETF für alles bei Wahl eines Mischfonds wie dem Arero.
  • Weltportfolio mit Aufsplittung des risikobehafteten Teils in mehrere ETF
    Z.B. für gezielteren Anteil von Emerging Markets.
    Für etwas Kostensenkung.
  • Weltportfolio mit Beimischung von Rohstoffen, Immobilien-Aktien, Gold
    jeweils max. 5 bis 10 %
  • Weltportfolio mit Factor-Investing
    Siehe 1. Anlageinstrumente zur Finanzgestaltung

Das Weltportfolio wurde durch Gedr Kommers Standardwerk Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs(*) bekannt.

Es setzt auf breite Diversifikation im risikobehafteten Teil durch Investition in weltweite Index-ETF. Das Risiko lässt sich durch den Anteil risikoarmer Anleihen-ETF höchster Bonität oder Tagesgeld (Festgeld) steuern.

Man kann die Anlagen auf mehrere ETFs verteilen. Der Finanzwesir(*) beschreibt vier Musterportfolios:

  • Die Ein-ETF-Lösung.
    Mein Favorit – Einfach und diversifiziert genug.
  • Zwei ETFs: Industrieländer plus Schwellenländer.
  • Drei ETFs, gewichtet nach Bruttoinlandsprodukt (BIP): Industrieländer, Europa, Schwellenländer.
  • Vier ETFs: Die Regio-Lösung mit den vier Wirtschaftsräumen Nordamerika, Europa, Pazifikraum

Das Marktportfolio(*) wurde durch Martin Webers Arero ETF bekannt.

Es setzt auf breiteste Diversifikation im risikobehafteten Teil durch Investition in alle risikobehafteten Teile des Marktes, in die sich leicht investieren lässt. Sammlerobjekte z.B. sind risikobehaftet, aber man kann nicht leicht in sie investieren. Ein Beispiel für die Umsetzung des Marktportfolio-Ansatzes ist der Beispiel Arero ETF mit einer Asset-Allokation von 60% Aktien, 25% Anleihen und 15% Rohstoffen. Die Sinnhaftigekeit eines Rohstoffanteils ist auch unter Wissenschaftlern umstritten.

Auch beim Arero lässt sich das Risiko l durch den Anteil risikoarmer Anleihen-ETF höchster Bonität oder Tagesgeld (Festgeld) steuern – aber man verliert damit an der attraktiven Einfachheit diese ETF weil man wie beim Weltportfolio selbst rebalancen muss.

Es gibt eine nachhaltige Version des Arero und alternative, ähnliche Mulit-Asset-ETFs z.B. con Comstage und xtrackers mit geringerem Rohstoffanteil, siehe Podcast: Multi-Asset-ETFs – Der Finanzwesir rockt.

Für Privatanleger besteht einem global diversifizierten Aktienportfolio kein relevantes Wechselkursrisiko (Währungsrisiko) für welches sich eine Absicherung (Hedging) lohnen würde: Mit Anleihen in der Heimatwährung hat man kein Wechselkursrisiko. In einem global diversifizierten Aktienportfolio besteht für die meisten Privatanleger kein relevantes Wechselkursrisiko für welches sich eine Absicherung (Hedging) lohnen würde. Ein Welt-ETF hat ein gewisses Wechselkurs-risiko aber auch eine Wechselkurs-chance. Die Fondswährung eines ETF ist rein kosmetisch und stellt weder Risiko noch Chance dar.
Kommer: Währungs­absicherung: Wann sinnvoll, wann nicht?
Finanzfluss: Währungsrisiken bei ETFs
Finanzwesir: Wie wichtig ist die Währungsabsicherung bei einem weltweit anlegenden Indexfonds?

Man sollte seine eigenen Strategien gut verstehen – es gibt ja wirklich solche die leicht zu verstehen sind und wenig Betreuungsaufwand verlangen. Aber nicht wenige scheinen mir ernsthafte Schwierigkeiten beim Abwägen konkurrierender Aspekte oder dem Einschätzen von Risiken zu haben. Sie sehen nur einzelne Aspekte wie mietfrei Wohnen, Nullzinsen, kurzfristige Aktiengewinne, regelmäßige automatische Einkünfte aus Dividenden oder irgendein gerade besonders wahrgenommenes Risiko statt rational abzuwägen.

Zum Abwägen kann es hilfreich sein ein Bild zu malen auf dem man die wesentlichen Aspekte gleichzeitig sieht oder eine einfache Ziel/Lösungsmatrix (siehe Länder-Vergleiche) zu entwerfen.

Ein Review mit einem guten Finanzberater kann ich jedem nur wärmstens empfehlen. Finanzberater ist jedoch ist im Unterschied zu Rentenberater und Versicherungsberater kein gesetzlich geschützter Beruf und damit ist es nicht so einfach einen guten zu finden. Ich war mit meiner telefonischen Beratung durch Moneyman24 sehr zufrieden. Eine Beratung kann nicht nur vor Fehleinscheidungen schützen sondern oder unbedachte Aspekte und Möglichkeiten aufzeigen sondern auch zur Beruhigung beitragen eine richtigen Weg einzuschlagen. In Webers Buch gibt es ein ganzes lesenswertes Kapitel Anlageberatung(*) dazu.

In volatilen (Finanz)Märkten gibt es keine vorhersehbar immer überlegene Strategie – gut genug ist also völlig ausreichend, siehe Die perfekte Geldanlage? Vergiss es! Wichtiger als die gewählte Strategie sind die Fähigkeit zur Impulskontrolle und Risikotoleranz.

Grundannahmen

Für welche Strategie man sich letztlich entscheidet hängt von den eigenen Grundannahmen ab. Diese sind nicht zuletzt stark geprägt vom Staat in dem man aufgewachsen ist: Amerikaner z.B. tun sich viel leichter mit risikobehafteten Investments als Deutsche. Ich teile die Grundannahmen der Investmentphilosophie von Gerd Kommer Capital.

Es kann hilfreich sein sich problematischer (unbewusster) Verhaltensmechanismen für die Finanzgestaltung bewusst zu machen, siehe Verhaltens-Mechanismen von Anlegern (Behavorial Finance).

Hier ein schöner Artikel vom Finanzwesir zur Börsenpsychologie.

Vor/Im Ruhestand geht es meist um Vermögenssicherung und Vermögensnutzung, nicht um Vermögensaufbau, siehe 0. Grundlagen zur Finanzgestaltung für den Ruhestand.

Es gibt keine Rendite ohne Risiko. Es ist illusorisch anzunehmen es gäbe eine völlig sichere Anlage mit guter Rendite.

Glaubt man an die Informationseffizienz der Kapitalmärkte oder meint man durch eigene Erkenntnisse den Markt schlagen zu können. Informationseffizienz der Kapitalmärkte bedeutet, dass jegliche Information aufgrund derer man einen Vorteil ziehen zu könnte im Markt bereits berücksichtigt (eingepreist) ist – bevor man von ihr auch nur erfährt,

Zur Bewertung von aktivem vs passivem Investieren gibt es unterschiedliche Ansichten. Aktives Investieren (mittels Einzelwert-Investments, aktiv gemanagter Fonds oder durch Vermögensverwalter) versucht durch gezieltes Markt Timing oder bewusste Auswahl bestimmter Wertpapiere eine besonders attraktive Rendite-Risiko-Kombination zu erzielen. Passives Investieren in Index-ETF folgt einfach automatisch einem Index. Ich teile die Ansicht, dass der passive Ansatz überlegen ist. Natürlich schlagen einzelne Investoren immer wieder den Index, nur lässt sich das nicht sicher vorhersagen. Siehe auch Finanzwesir Ich investiere mein Geld passiv.

Es gibt keine verlässlichen Vorhersagen. Alle kennen nur die Historie, niemand kann zukünftige Entwicklungen sicher vorhersagen oder eine Person/Organisation finde die dies kann.

Markttiming bringt keinen Vorteil. In der Entnahmephase lässt sich etwas Markttiming aber nicht vermeiden. Mindestens bei der Entscheidung zum Start der Entnahmephase und im Falle von Entnahmestrategien mit einem n-Jahre Intervall evtl. bei den Entnahmeterminen, siehe 4. Finazierungs-Szenarien für den Ruhestand.

(Globale) Diversifikation senkt das Risiko ohne die Renditeerwartung zu reduzieren.

Investieren an der Börse für Rendite funktioniert nur langfristig mit einem Anlagehorizont von mindestens 10J besser 15J. Das setzt der Finanzgestaltung für den Ruhestand Grenzen: Der gesamte Anlagehorizont kann zwar durchaus 30J betragen, aber je nach Ausgabenbudget und Renten muss man Entnehmen, z.B. alle 5J die Ausgaben für 5J, siehe 3. (Entnahme) Szenarien den Ruhestand.
Zur Diversifikation mit Aktien für mehr Sicherheit ist es aber nie zu spät.

Die Nebenkosten des Investierens wirken sich erheblich auf das Endvermögen aus (Hin und her macht die Taschen leer). Deshalb gilt es bei ETFs auf geringe Gesamtkosten zu achten (über die Trackingdifferenz, s.o.). Bei einem Buy-and-Hold Ansatz sind die Transaktionskosten vernachlässigbar.

Man kann eine Buy-and-Hold (kaufen und halten) Strategie verfolgen oder aufgrund eigener Erkenntnisse kurz- und mittelfristig umschichten.

Der risikoarme Anteil braucht keine Rendite zu bringen. Aufgabe des risikoarmen Anteils des Portfolios ist ausdrücklich nicht dessen Rendite zu erhöhen, sondern rein als Sicherheitsanker zu dienen. Die schlechten Nettozinsen aufs Tagesgeld oder Anleihen kann man als Kosten für die Sicherheit betrachten. Für mehr Rendite des Portfolios kann man ja in den risikobehafteten Anteil umschichten.

Immobilien sind in einem breiten Weltindex bereits mit ca. 5% enthalten. Da sie jedoch eine relativ niedrige Korrelation zum restlichen Aktienmarkt aufweisen ist es erwägenswert sie im risikobehafteten Teil des Portfolios etwas überzugewichten.

Mein Post 3. (Entnahme) Szenarien den Ruhestand diskutiert alternative Szenarien um ein Gefühl für die Gestaltungsmöglichkeiten zu vermitteln

Umsetzung der Strategien

Direktbanken sind kostengünstiger als Filialbanken. Es lohnt jedoch nicht permanent zum günstigsten Broker zu springen. Einmal einen zuverlässigen mit fairen Kosten auszuwählen ist ausreichend.

Mit Auslandsdepots lassen sich Steuern kaum vermeiden, aber ins Folgejahr verschieben, siehe Zehn Gründe für ein Auslandsdepot … (und fünf dagegen). Siehe Lange Auslandsaufenthalte 3. Steuerliche Aspekte

Bei der Umsetzung ist die persönliche Asset-Allokation ist sehr wichtig. Die Wahl des einem ETF zugrunde liegenden Index ist wichtiger als der die herausgebende Fondsgesellschaft. Die Gesamtkosten eines ETF sind wesentlich für das erreichbare Endvermögen. Die Transaktionskosten (auch für Sparpläne) sind bei Buy-and-Hold vernachlässigbar. Der mit Abstand wichtigste Faktor beim Anlegen bist Du selbst, deine Fähigkeit zur Impulskontrolle und deine Risikotoleranz.

Generell zur Auswahl von ETF siehe Finanzwesir: Auf der Jagd nach dem perfekten ETF. Zu den einmaligen Kaufkosten siehe Finanzwesir: 900 € in diese drei ETFs? Laut Kommer sind Unterschiede in den Kaufkosten erst ab ca. 0,2% beachtenswert.

Z.B. ist der Multi-Asset Fond Arero mit 0,5% TER teurer als der Vanguard All-World Aktien ETF A1JX52 mit 0,22% TER. Hier gilt es u.a. die geringeren Kosten des A1JX52 mit Tagesgeld als risikoarmem Anteil gegen die Bequemlichkeit des Arero abzuwägen: risikoarmer Anteil (via Anleihen, also keine Verteilerei auf TG-Banken nötig) und risikobehafteter Anteil in einem Produkt, automatisches Rebalancing..

Zu Umsetzung der Entnahme-Strategien in unterschiedlichen Vermögenskonstellationen siehe 4. Finanzierungs-Szenarien für den Ruhestand und Kontenmodell für lange Auslandsaufenthalte.

Das die früher häufig diskutierte Unterscheidung zwischen swappenden und replizierenden ETF hat sich mittlerweile ziemlich erledigt, weil heutzutage die meisten ETF replizieren.

Das früher häufig diskutierte Thema Steuereinfachheit hat sich für die meisten Fälle mit der Investmentsteuerform von 2018 erledigt.

Bei einem großen Anlagebetrag stellt sich die Frage “alles auf einmal investieren oder in Tranchen”. Theoretisch ist die Einmalanlage überlegen, man mag sich aber mit dem Investieren in Tranchen besser fühlen, siehe
Kommer Einstieg in den Aktien­markt: Einmal­anlage oder Phasen­investment?
Finanzwesir: Kalaschnikow – was letzte Preis? Wieder mal brilliant geschrieben u.a. über den Recency Bias (die Überbewertung aktueller Meldungen). Laut Finanzen?Erklärt 500.000 Euro investieren / All-In oder auf Raten? hat die Einmalanlage eine höhere Renditechance als Tranchen solange die Entnahmephase noch weit in der Zukunft liegt. Kurz vor der Entnahmephase sind jedoch (wegen des Sequence-of-Return-Risks) Tranchen viel besser.

Überwachung, Rebalancing

Mit der Web App Portfolio Performance kann man sein Investitionsportfolio komfortabel überwachen. “Ein Open Source Programm zur Berechnung der Performance eines Gesamtportfolios – über verschiedene Depots und Konten hinweg – anhand von True-Time Weighted Rate of Return und internem Zinsfuß.” Siehe Performance eines Portfolios überwachen.

Um die geplante Asset-Allokation bei schwankendem Markt einzuhalten, muss man diese regelmäßig wieder ins Lot bringen, ansonsten würde sich das Risikoprofil des Investmentportfolios ungeplant verschieben. Rebalancen bedeutet das geplante Verhältnis zwischen risikoarmen und risikobehafteten Teil wieder herzustellen:

  • Sind die Aktien gestiegen muss man die Aktienquote reduzieren und die Anleihenquote entsprechend erhöhen
  • Sind die Aktien gefallen muss man Anleihen verkaufen und dafür Aktien nachkaufen

Rebalancing lohnt erst bei Abweichungen von ca. +/-5% vom Plan. Für Selbstdisziplin und um Markttiming zu vermeiden, sollte man einen fixten Termin für das Rebalancing einhalten, z.B. Jährlich am Jahresende. An diesem Tag kann man gleichzeitig seine evtl. geplante Entnahme ausführen.

Stresstest, Anpassung an Lebensumstände

Man sollte regelmäßig sein Depot einem Stresstest unterwerfen sowie seine Risikotoleranz kritisch überprüfen und die Asset-Allokation ggf. entsprechend anpassen. Dafür ist der Termin des Rebalancing ein schlechter Zeitpunkt, denn beim Rebalancen geht es um das Einhalten der Planung – fängt man hier an alles in Frage zustellen dann wird es schwierig mit der Impulskontrolle.

Auch bei einer wesentlichen Änderung der Lebensumstände oder des Marktumfeldes kann einen Anpassung der Portfolios nötig werden.

Call to Action

Jetzt bleiben nur noch die eigene Entscheidung und Umsetzung. Viel Spaß damit!

Es gibt nichts Gutes außer man tut es.