Infos und Anregungen zu "Im Ruhestand die Welt bereisen"

Schlagwort: Rente

3. Entnahme-Strategien für den Ruhestand

Inhalt
Ruhestandseintritt
Rente oder Einmalzahlung
Entnahme-Strategien
Entnahme-Rate
Variable Entnahme
Höhere(!) Aktien-Quote im Alter (Glidepath)
Was andere so tun
Meine persönliche Finanzgestaltung

Ruhestandseintritt

Die Entscheidung für den eigenen Zeitpunkt des Eintritts in den Ruhestand hängt neben dem vorhandenen finanziellen Potential von vielen Faktoren ab wie familiäre Lebensumstände, Zufriedenheit mit dem Arbeitsplatz, erzwungener Arbeitsplatzverlust, Wünsche und Planungen für Aktivitäten und Lebensstiel im Ruhestand, Gesundheitszustand und Restlebenserwartung.

Finanz-Aspekte um den Ruhestand

Viele glauben in jungen Jahren gerne bis ins hohe Alter arbeiten zu wollen aber in der Realität gehen ältere Arbeitnehmer dann doch vorzeitig in den Ruhestand, weil sie mehr Lust auf Ruhestand als auf Arbeit haben oder aus gesundheitlichen Gründen und haben damit einen höheren Vorsorgebedarf als geplant.

Die eigene Restlebenserwartung wird leicht unterschätzt. Es empfiehlt sich zur Sicherheit von der höheren Restlebenserwartung mit 10%-Wahrscheinlichkeit auszugehen.

Man kann seinen eigene Restlebenserwartung besser abschätzen als es Versicherungen können. Letztere poolen zwar das Langlebigkeitsrisiko über alle Versicherten , aber sie kennen wesentliche persönliche Faktoren wie Gene, Schicksal (in welches Land und soziales Umfeld man hineingeboren wurde), Gesundheitszustand und Lebensumstände nicht, sondern müssen pauschalierte Annahmen treffen und dürfen keinen Unterschied zwischen (durchschnittlich länger lebenden) Frauen und Männern machen.

Ob man früher oder später als zum regulären Beginn der gesetzlichen Altersrente in Ruhestand geht will wohlüberlegt sein. Geht man früher gibt es Abschläge von 0,3%/Mon von der Regelrente. Geht man später gibt es Zuschläge von 0,5%/Mon.

Weil die Abschläge entgegen häufiger Fehlannahme lebenslang gelten haben diese eine beträchtliche Auswirkung auf den Wert der Rente, welcher vielen erst klar wird wenn sie sich den zum Ausgleich solcher Abschläge zu zahlenden Ausgleichsbetrag erstmals ausrechnen lassen. Beispiel: 55-jährige Muster-Arbeitnehmerin mit 50 000€ Jahresbruttoeinkommen. Sie kann ihre gesetzliche Rente um mehr als 200€/Mon erhöhen und gleich­zeitig rund 13 700 Euro Steuern sparen, wenn sie über drei Jahre verteilt freiwillig 44 916 Euro in die Rentenkasse einzahlt.

Zusätzlich wird die Rente geschmälert weil durch die kürzere Beitragszeit weniger Rentenpunkt erworben werden. Siehe Freiwillige Einzahlungen in die DRV (Steuervorteile) und meinen Renten-Barwertrechner.

Auch bei vorzeitiger Inanspruchnahme von Zahlungen aus betrieblicher (bAV) oder privater Altersvorsorge (pAV) kommt es zu Abschlägen und es gilt Mindestversicherungszeiten, Mindesteintrittsalter und eventuelle Steuernachteile zu beachten. Hier empfiehlt sich die Hinzuziehung eines Rentenberaters.

Bei vorzeitigem Ruhestand ist der Zeitraum bis zum Renteneintritt zu finanzieren. Dabei gilt es u.a. folgende Aspekte zu beachten: Rentenansprüche, Abfindungen, ALG I, vollständig Selbstzahler für KV Beiträge. Gute Informationen dazu finden sich im Forum Der Privatier und seinem Buch Per Abfindung in den Ruhestand(*)

Meine persönliche Entscheidung für vorzeitigen Ruhestand und vorgezogene Altersrente mit Abschlägen beruhte wesentlich auf meiner Lust möglichst viel durch die Welt zu reisen (Scheiß Corona!), langweiligen technologische Entwicklungen in meinem Arbeitsfeld Softwareentwicklung, Verschlechterung des Arbeitsklimas im SW-Haus in welchem in über 30J arbeitete und dass ich meine Arbeitswut schlecht zügeln kann (mit dem Ergebnis einer schlechten und ungesunden Work/Life-Balance).

Rente oder Einmalzahlung

Bei vielen bAV und pAV kann man zwischen Rente oder Einmalzahlung entscheiden. Zwei Drittel der Deutschen entscheiden sich für eine Kapitalauszahlung obwohl bei Beachtung des Langlebigkeitsrisikos eine Rente häufig die rational bessere Entscheidung wäre. Für Singles die ihr komplettes Kapital möglichst verzehren wollen ist eine lebenslange Rente oft die bessere Lösung. Reichen die bereits vorhandenen Renten (für die Grundbedürfnisse) aus kann es optimal sein einen Großteil als Einmalzahlung zu beziehen. Will man etwas vererben oder oder plant größere Ausgaben, z.B. für ein Wohnmobil, ist die Einmalzahlung vielleicht die bessere Lösung. Das Risiko mit einer Rente zu sterben bevor sich die Einzahlung gelohnt hat existiert übrigens nur wenn man vorhatte etwas zu vererben.

Steht ein größerer Betrag aus externem Zufluss (z.B. durch Schenkung oder Erbe) oder Einmalzahlung zum Investieren zur Verfügung dann steht man vor der Entscheidung: investieren am Markt oder verrenten. Zur Entscheidung spielen das Langlebigkeitsriskio, anstehende hohe Ausgaben und das Vererbungsmotiv eine wesentliche Rolle. Je größer der bestehende Rentenanspruch ist, desto geringer ist die Notwendigkeit das Langlebigkeitsrisiko durch weitere Renten abzusichern. Solange die Rentenansprüche die Grundbedürfnisse noch nicht absichern sind weitere Renten erwägenswert.

Als Kompromiss bietet sich eine hybride Lösung aus Sofortrente und Auszahlplan an: Statt z.B. 100T€ vollständig in einen Auszahlplan oder eine Sofortrente zu investieren den Betrag aufteilen: Im Alter von 60J z.B. 30T€ in eine lebenslange Rente ab dem 85. Lebensjahr einzahlen und die restlichen 70T€ in einen Auszahlplan mit 30J Laufzeit. Am einfachsten legt man die 70T€ in einem Multi-Asset-ETF wie dem Arero (60% Aktien, 25% Anleihen, 15% Rohstoffe) an oder mit einer konservativen Allokation von 30% Aktien und 70% Anleihen. Damit kann man je nach Marktentwicklung eine Rente von 200€ bis 330€/Mon erwarten. Die Höhe der einzelnen Entnahmen lässt sich an die Marktentwicklung anpassen.

Zum Verrenten eines Betrags sind freiwillige Einzahlungen in die DRV eine interessante Alternative weil sie fairer als private Rentenversicherungen ist, siehe Freiwillige Einzahlungen in die DRV (Steuervorteile).

Entnahme-Strategien

In der Entnahmephase muss man abhängig von der Höhe lebenslanger Renten und den geplanten Konsumausgaben sein Vermögen teilweise oder ganz verzehren. Dabei gilt es das Pleiterisiko und das Lebensstandardrisiko zu beachten.

Ein Pleiterisiko besteht wenn die Ausgaben die Einnahmen überschreiten, dieses kann insbesondere durch das Renditereihenfolgerisiko (Sequence-of-Return-Risk) entstehen, siehe 0. Grundlagen zur Finanzgestaltung für den Ruhestand. Ein Lebensstandardrisiko besteht wenn man seine Entnahmerate nicht auf einen bestimmten Betrag fixiert sondern an die Marktvolatilität anpasst.

Aus einem vom Sequence-of-Return-Risik (SRR) gerissenen Loch wieder herauszukommen ist übrigens komplexer als ich zuerst dachte, weil man u.a. nicht bloß die fehlende Rendite durch Rücklagen oder Verzicht ausgleichen muss, sondern auch die entgangene Entwicklung des Portfolios (evtl. durch Nachschießen), siehe ungefähr hier Myth #2: Flexibility has to last only as long as the downturn bei Early Retirement Now: The Safe Withdrawal Rate Series – A Guide for First-Time Readers.

Übrigens hat sich das Sequence-of-Return-Risk nicht erledigt wenn man die ersten ca. 10J seiner Entnahmephase rum hat. Früh in einem Entnahmezeitraum schlechte Renditen wirken sich weiterhin negativer aus als spätere. Durch den sich verkürzenden Entnahmezeitraum werden aber die Folgen immer kleiner. Damit bleibt das SRR auch 10J nach dem Ruhestandseintritt beim vorzeitigen Ruhestand (FIRE) mit einem Entnahmezeitraum von vielleicht 60J kritischer als bei einem “normalen” Ruhestand mit vielleicht 30J. Siehe When Can We Stop Worrying about Sequence Risk?

Q&A mit Karsten Jeske von Early Retirement Now
– Teil 1: Sequence of return risk & safe withdrawal rates
– Teil 2: Rising Equity Glide Paths: Early Retirement Now
– Teil 3: Dividends & rental income: Cashflow in retirement

Sequence of return risk & safe withdrawal rates – Q&A with Karsten “Big ERN” Jeske,

Bei Renten kann man häufig entscheiden zwischen den Auszahlungsvarianten konstant, volldynamisch und teildynamisch. Die voll- und teildynamischen Varianten bieten einen gewissen Inflationsschutz, welchen ich aber nicht beurteilen kann.

Beim Gestalten eigener Finanz-Strategien kann es hilfreich sein sich problematischer (unbewusster) Verhaltensmechanismen für die Finanzgestaltung bewusst zu machen, siehe Verhaltens-Mechanismen von Anlegern (Behavorial Finance).

Ein Video von Finanzfluss dazu: ETF-Portfolio im Alter: Wieviel kann ich mir auszahlen?

Entnahme-Betrag

Zur generellen Planung der Konsumausgaben siehe Ausgaben-Budget Heimat (Excel). Für die speziellen Aspekte von Langzeitreisen siehe Budget-Planung Reisen (Excel).

Die Konsumausgaben können ich mit zunehmendem Alter oder sich ändernden Lebensumständen verändern. Manche gehen davon aus im hohen Alter geringere Ausgaben zu haben. Das kann so sein, muss aber nicht für jeden so sein. Solche Anpassungen lassen sich in meinem Excel-Arbeitsblatt zur Finanzplanung in der Spalte “Reduzierung” berücksichtigen.

Zur groben Berechnung der möglichen Entnahmen taugt die 4% Faustregel. Nach der 4%-Regel braucht man zur Finanzierung des Konsums im Ruhestand das 25-fache seiner jährlichen Ausgaben. Ich gehe bei solchen Schätzungen aber lieber von 3,5% aus.
Die 4 %-Regel: Wie viel Geld brauchst du, um nicht mehr arbeiten gehen zu müssen?
The Trinity Study And Portfolio Success Rates (Updated To 2018)
Vorsicht vor der 4% Regel

Für eine detaillierte Diskussion unterschiedlicher Szenarien siehe
4. Finanzierungs-Szenarien für den Ruhestand.

Variable Entnahme

Prof. Weber beschreibt drei Entnahmestrategien aus einem Aktien-Depot, siehe Die genial einfache Vermögensstrategie(*) Kap 9, oder wissenschafltlicher When saving is not enough–wealth decumulationin retirement, Von diesen ist mir risikobehaftete Anlage mit variabler aber gedeckelter Entnahme am sympatischsten.

  1. Sichere Anlage – konstante Entnahme.
    Also alles in Tagesgeld oder Anleihen nichts in Aktien.
    Mit dem Nachteil des Kaufkraftverlustes durch Inflation und Negativzinsen.
    Konstanter Lebensstandard (Konsum) möglich.
    Geringster Konsum der 3 Strategien, aber sehr sicher.
    Wenn gewünscht mit 100% Verzehr.
  2. Risikobehaftete Anlage – konstante Entnahme.
    Inflationsgeschützt.
    Konstanter Lebensstandard (Konsum) möglich, aber Pleiterisiko
    Wahrscheinlich bleibt am Ende ungenutztes Kapital übrig.
  3. Risikobehaftete Anlage – variable Entnahme.
    Inflationsgeschützt. Kein Pleiterisiko.
    Entnahmen werden an die Markteinwicklung angepasst, können also auch mal unter denen von Strategie 2 liegen.
    Variabler Lebensstandard (Konsum) nötig.
    Höchster erwartbarer Konsum der 3 Strategien, bei einer 60/40-Allokation ca. 50% höher als Strategie 2
    Wenn gewünscht mit 100% Verzehr.

Bei sicherer Anlage ist zu bedenken, dass sich bei 3% Inflation die Kaufkraft bereits in ca. 24J halbiert, siehe Rechner für die persönliche Inflationsrate. Um wenigstens die Inflation auszugleichen ist ein Aktienanteil von mindestens 30% nötig – damit wäre die Anlage aber nicht mehr völlig sicher.

Entscheidet man sich für risikobehaftete Anlage sollte man wenigstens 30% Aktien halten um wenigstens den Kaufkraftverlust durch die individuelle Inflationsrate und eventuelle Negativzinsen auszugleichen. Hat man ausreichend Sicherheit durch lebenslange Renten ist ein Aktienanteil von 60% auch im Ruhestand erwägenswert.

Die variable Entnahme berechnet sich so, dass das nach der jeweiligen Entnahme verbleibende Entsparvermögen am Ende der Entsparphase (angenommene Restlebenserwartung) aufgebraucht sein wird. Dabei kann man jährlich oder in größeren Zyklen entnehmen, z.B. alle 5J. Das verbleibende Vermögen bleibt während des gesamten Entsparzeitraums entsprechend der Strategie des Investmentportfolios angelegt. Will man etwas vererben kann man so rechnen dass dieser Betrag am Ende übrig bleibt.

Variable Entnahme (hier alle 5J)

Laut dem zu Webers Buch gehörenden Simulationsrechner auf Behavorial Finance lassen sich mit variabler Entnahme aus einem Portfolio mit derselben Anlagesumme 725T€ wie im Arero-Szenario (siehe 4. Finanzierungs-Szenarien für den Ruhestand) und ähnlicher Allokation (60% Aktien, 40% Anleihen, aber kein Rohstoffanteil) statt 2.000€/Mon durchschnittlich 2.900€/Mon entnehmen. Mit 5% Wahrscheinlichkeit nur 570€ aber im günstigsten Fall sogar 6.400€ (Konsumschwankung 64%).

Simulation von Entnahmen auf Behavorial Finance

Durch deckeln der variablen Entnahme auf einen Betrag welcher unter der entsprechend der Marktentwicklung möglichen Entnahmerate liegt lässt sich das Lebensstandardrisiko deutlich reduzieren.

Deckelt man im vorgenannten Beispiel die Entnahme auf max. 2.500€/Mon reduziert sich die Konsumschwankung auf 13% mit einer 5% Wahrscheinlichkeit nur 1.800€ entnehmen zu können.

Höhere(!) Aktien-Quote im Alter (rising equity Glidepath)

Wer mehr Rendite im Alter braucht (weil sonst die Einnahmen den gewünschten Konsum nicht decken) oder einfach nur mehr Rendite wünscht kann die Aktienquote in Alter erhöhen aber vor dem Ruhestand reduzieren.

Auf Early Retirement Now (ERN) gibt es zu sicheren Entnahmeraten die sehr umfangreiche und detailliert Artikelserie The Safe Withdrawal Rate Series. Viele Artikel sind besonders interessant für geplant lange Entnahmezeiträume von ca. 60J beim vorzeitigen Ruhestand (FIRE).

Laut ERN liefert Michael Kitces Glidepath Methode das beste Rendite/Risiko/Aufwand Ergebnis. Infos zu Glidepath:
– Kitces The Portfolio Size Effect And Using A Bond Tent To Navigate The Retirement Danger Zone
– Kitces Should Equity Exposure Decrease In Retirement, Or Is A Rising Equity Glidepath Actually Better?
– Wissenschaftliche Darstellung von Pfau, Kitces Reducing Retirement Risk with a Rising Equity Glide-Path.

Mit Glidepath reduziert man über einen Zeitraum von ca. 10J vor dem Ruhestandseintritt den Aktienanteil auf z.B. 30% (um das Sequence-of-Return-Risiko zu Beginn der Ruhestandsphase zu dämpfen) und erhöht den Aktienanteil während des Ruhestands wieder auf z.B. 80%.

Glidepath nach Michael Kitces

Podcast mir Early Retirement Now: Rising Equity Glide Paths

Was andere so tun

Hier der 2021 Status von Darrow Kirkpatrick von Can I Retire Yet:
Catching Up With Darrow Kirkpatrick

Meine persönliche Finanzgestaltung

Ich selbst habe meine Finanzen für den Ruhestand so gestaltet, dass meine Grundbedürfnisse durch lebenslange, halbwegs inflationsangepasste Renten komfortabel abgedeckt sind, siehe safety-first Ansatz in 3. Entnahme-Strategien für den Ruhestand. Dazu war es nötig, zusätzlich zu meinen erarbeiteten Rentenanwartschaften, freiwillig etwas in die DRV einzuzahlen und bei einer meiner bAVs die Auszahlung als Rente zu wählen.  In meinem Fall lohnten sich die Einzahlungen in die DRV auch steuerlich: Je 10T€ Einzahlung ergaben sich ca. 3T€ Steuervorteil.

Safety-First Strategie

Meine “Strategie” hat sich eher zufällig so ergeben, weil ich 38J in Angestelltenverhältnissen arbeitete und mich in jüngeren Jahren nicht motivieren konnte was über Finanzen und Investieren zu lernen – es hat mich einfach nicht interessiert – Finanzen sollten dringend ein Schulfach sein! Ich würde mich jedoch mit heutigem Wissen auch bewusst für den Safety-First-Ansatz entscheiden – aber auch von Anfang an ordentlich in Aktien investieren.

Ich plane mein Vermögen möglichst komplett zu verzehren, weil ich niemanden zum vererben habe und auch keine philanthropische Ader.

Risikobehaftete Anlagen wie Aktien sind für mich eher zur Diversifikation für mehr Sicherheit interessant, weil sonst mein ganzes Einkommen und Vermögen (Renten, Cash, Bankeinlagen, Immobilie) ein Klumpenrisiko darstellt da es komplett in Deutschland/Europa/Euro steckt – bin übrigens kein Euroskeptiker! Mögliche Renditen sind für mich nachrangig.

In Anlehnung an Strategie 3 Risikobehaftete Anlage – variable Entnahme in Webers Buch Die genial einfache Vermögensstrategie(*) entnehme ich alle 5J (vielleicht ändere ich das auf jährlich) einen an die Marktentwicklung angepassten Betrag – so gerechnet, dass am Ende meiner Restlebenserwartung kein Kapital im Depot übrig bleibt.

Ein besonderer Aspekt bei mir ist, dass ich freiwillig in der GKV bin, siehe Älter als 55J von PKV in GKV wechseln. Das hat den Nachteil, dass ich fast 20% KV/PV-Beitrag auf alle Kapitalerträge wie Mieteinnahmen und Erträge aus Investments zahlen muss – jedoch nicht auf Entnahmen vom Cash-Anteil.

Sollte ich in Zukunft einen größeren Zufluss an Mitteln haben (Erbschaft, Immobilien-Verkauf) kann ich mir vorstellen, den größten Teil davon in den nachhaltigen(?) Arero stecken. Haupt Beweggründe dafür sind die Einfachheit, mich wenig damit beschäftigen zu müssen und dass ich leider schon mit 63J merke wie ich immer schusseliger werde.

Hier ein anderer Ansatz einer jungen Frau: Why I Own 100% US Stocks.

4. Finanzierungs-Szenarien für den Ruhestand

Dieser Post diskutiert alternative Finanzierungs-Szenarien zu 2. Anlagestrategien für den Ruhestand. Damit möchte ich ein Gefühl für die Gestaltungsmöglichkeiten vermitteln.

[Vorsicht! mit meinen Zahlen. Plant und rechnet lieber selbst – damit versteht man die Zusammenhänge auch viel besser. Aber mein Modellbild gefällt mir gut. Kritik und Ergänzungen sind sehr willkommen.]

Zum Simulieren konkreter auf einzelne Jahre heruntergebrochener Finanzplanungen siehe Finanzplan für den Ruhestand (Excel).

Zum mit eigenen Asset-Allokationen “spielen” siehe Asset-Allokation (Excel).

Häufig wird bei der Ruhestandplanung von der Vorsorgelücke (aus sicherheitsorientierter Renten-Sicht) gesprochen oder von „… dann sind da noch die Renten“ (aus risikoorientierter Sicht) statt beides gleichberechtigt nebeneinander zu betrachten. Ich betrachte Renten und Anlagen zusammen in einem Gesamtportfolio:

  • % Lebenslange Renten
    DRV, bAV, paV
  • % Investment-Portfolio
    • % Risikoarmer Teil
      Tagesgeld (Festgeld), Anleihen
    • % Risikobehafteter Teil
      Aktien, Immobilien, Rohstoffe
    • % Mythischer Teil 😊
      Gold

Unabhängig vom Szenario sollte man immer eine Notreserve zurücklegen, für unerwartete Ereignisse wie eine ungeplante Rückwanderung aus dem Ausland, Etwa in Höhe des geplanten Ausgabenbudgets für 6 Mon, aber mindestens 10T€. Siehe 0. Grundlagen zur Finanzgestaltung für den Ruhestand “Risiken” und Vorsorge für Notfälle. Dieses Geld packt man außer im Notfall nicht an. Es braucht keinerlei Rendite zu bringen. Die aktuellen Negativzinsen auf dem Tagesgeldkonto sind der Preis für dessen Sicherheit. Am besten legt man es nicht auf die Bank mit dem Girokonto, siehe Kontenmodell für lange Auslandsaufenthalte.

Weil viele das tun habe ich auch etwas Gold ergänzt, unabhängig davon ob das finanziell sinnvoll ist. Gold ist ein risikobehafteter Vermögensanteil aber ich würde es nicht in das Rebalancing von risikobehafteten/risikoarmem Anteil einbeziehen sondern zähle es zum Bereich Notreserve.

Modell “Komponenten und Finanzflüsse im Ruhestand” mit Notreserve

Das Depot ist grün gefärbt, denn “Grün ist die Hoffnung” 🙂

Annahmen für alle Szenarien

  • Ausgabenbudget 3.000€ (Netto nach Steuern und KV)
    Davon 2.000€/Mon für Grundbedürfnisse.
  • Restlebenserwartung 30J.
  • Möglichst 100% Kapitalverzehr.
  • Inflation 2,5%
  • Rentenerhöhung 2%
  • Rendite auf Anleihen 0%
    Rendite auf Aktien 3% bis 4%
    je nach Szenario.

Alle Szenarien sind so gestaltet, daß sie dieses Budget finanzieren können – aber mit unterschiedlicher Sicherheit.

Der Einfachheit halber gehen alle Szenarien von konstanter Depot-Entnahme über den gesamten Anlagehorizont (Restlebenserwartung) aus.

Alternativ ließen sich die Entnahmen variabel an die Marktentwicklung anpassen und dabei zur Reduzierung des Lebensstandardrisikos auf einen Höchstbetrag deckeln. Alternativ zum gleichbleibenden risikobehafteten Anteil in den hier diskutierten Szenarien könnte man die Aktienquote im Alter erhöhen. Z.B. vor dem Ruhestandseintritt die Aktienquote auf z.B: 30% reduzieren um gegen das Sequence-of-Return-Risk zu puffern und im Ruhestand auf z.B. 80% erhöhen (Glidepath-Methode). Siehe 3. Entnahme-Strategien für den Ruhestand.

Ich habe folgende Rechner verwendet:

Die Barwerte von Renten (ihren Wert in heutigem Geld) habe ich mit folgendem Excel-Sheet und der Barwert-Funktion (BW, englisch PV) berechnet, siehe Grobe “Bierdeckel” Finanzplanung.

Bevor ich erstmals den Barwert einer Rente berechnet hatte unterschätzte ich deren Wert deutlich. Mit z.B. nur 800€/Mon Rente zusätzlich sähe die Asset-Allokation für das Szenario “Risiko-Orientiert” bereits so aus:

Asset-Allokation mit Renten-Barwert

Die DRV zahlt übrigens auch die Hälfte des GKV-Beitrags der Rente (bei PKV als Zuschuß) und beinhaltet die rudimentäre gesetzliche Erwerbsminderungsrente.

Steuern

Steuern sind grob berücksichtigt:

  • Habe die Abgeltungssteuer von 25% bei Berechnung der Depotanlagesumme auf Basis der gewünschten Entnahmen berücksichtigt. Im Ruhestand kann der persönliche Steuersatz niedriger sein und es sich lohnen beim FA eine Günstigerprüfung zu beantragen. Siehe auch Welchen Einfluss haben Steuern auf die sichere Entnahmerate?
  • Abgeltungssteuer bei Arero: 25€/J auf je 10T€ in Arero bei Wertsteigerung 5%.
    [Warum kommt der Rechner von JustETF zu einem höheren Wert 92€?]
  • ESt auf DRV-Rente: 182€/Mon bei 2.400€ Brutto und Renteneintrittsjahr 2020

Die Abgeltungssteuer auf die Vorabpauschale wird von der Bank jährlich im Januar des Folgejahres vom Verrechnungskonto abgebucht und an das FA abgeführt. Es kann also zu Abbuchungen kommen, auch wenn man keine Anteile verkauft hat. Dazu sollte man für ein ausreichendes Guthaben auf dem Verrechnungskonto sorgen. Siehe Steuern auf Renten, Kapitalerträge, Mieteinnahmen.

Nicht berücksichtigt sind:

  • Sequence-of-Returns Risk
  • Einzelwert-Investments, aktiv gemanagte Fonds, Dividendenstrategien
  • Haushaltseinkommen (Paar, Kinder)
  • Arbeitseinkommen
  • Unternehmensbeteiligungen
  • Fremdfinanzierte Immobilien

Strategie “Sicherheits-orientiert”

Im sicherheitsorientierten Szenario kann das Depot prinzipiell volles Risiko gehen (100% Aktien) weil die Grundbedürfnisse lebenslang durch Renten abgedeckt sind.

Statt mit hohem Risiko auf hohe Renditechance zu setzen könnten im sicherheitsorientierten Ansatz Aktien rein als Mittel für höhere Sicherheit durch Diversifikation dienen – zum Mindern des Klumpenrisikos „alles in Deutschland/Euro (Renten, TG, Immobilien)“. Oder man könnte eine ausgewogenen 60/40 Asset-Allokation und variable Entnahmen.

Diese Strategie verursacht kaum Managementaufwand. Das ist wichtig falls man keine Lust oder Fähigkeit (mehr) dafür hat. Ließe sich mit 2 Daueraufträgen automatisieren.

Beispiel ETF: A2PKXG Vanguard FTSE All-World ETF (thesaurierend). Der ist mit 0,22% TER kostengünstig und hoch diversifiziert. Für eine 60/40 Allokation könnte man z.B. den Vanguard LifeStrategy® 60% ETF nehmen mit 0,25 TER.
Siehe auch ARERO oder LifeStrategy bei absolutem passiven Anleger.

Die ersten 50T€ könnte man in die ausschüttende Version A1JX52 Vanguard FTSE All-World ETF legen um die 801€ Steuerfreibetrag mitzunehmen. Andererseits lässt sich die Steuerschuld mit mit Thesaurierern weit in die Zukunft verschieben, siehe Kommentare unter Thesaurierung extrem.

Bin für den risikobehafteten Anteil von 4% Rendite ausgegangen.

Durch die regelmäßigen Entnahmen sinkt der risikobehaftete Anteil mit zunehmendem Alter, was bei dieser sicherheitsorientierten Strategie gewünscht ist. Ein Rebalancing ist nicht zwingend nötig – man könnte aber natürlich zwischen dem Tagesgeld und den Aktien rebalancen.

Asset-Allokation “Sicherheits-Orientiert”

Von Vanguard gibt es auch eine nachhaltige Version des ETF, vgl.
Kommer Sozial verantwortlich investieren mit ETFs – macht das Sinn?,
Finanzwesir Nachhaltig anlegen.

Durch das relativ lange Aufladungsintervall von 5J hat man gefühlt Ruhe (nur eine Illusion?) vor der Volatilität des Depots, bei allerdings geringer Renditechance weil man ja kürzer investiert ist als bei kürzerem Aufladungsintervall. Ich verstehe auch (noch) nicht ob ein langes Aufladungsintervall steuerliche Nachteile gegenüber jährlicher Entnahme bringt, siehe Steuern auf Renten, Kapitalerträge, Mieteinnahmen. Der Moneyman geht in seinem Auszahlplan von 10J Aufladungsintervall aus.

Wie hoch waren eigentlich die Beiträge des Rentners in die DRV um auf 2.000€ Nettorente zu kommen? Irgendwie kam ich auf 450T€ nur AN-Anteil. [Stimmt das? Kann jemand von euch das ausrechnen?]

Strategie “Risiko-Orientiert”

Im risikoorientierten Szenario sollte man eine konservativere 60/40 Allokation als beim sicherheitsorientierten Ansatz wählen weil ja keine Renten für Grundbedürfnisse vorhanden sind. Durch kürzeres Aufladungsintervall von 1J höhere Renditechance weil länger im Markt investiert.
Bin für den risikobehafteten Anteil von 3,5% Rendite ausgegangen.

Man muß selbst rebalancen, z.B. 1-mal jährlich.

Asset-Allokation “Risiko-Orientiert”

In einem Szenario ganz ohne DRV-Rente sind zusätzliche Ausgaben für die KV von ca. 200€/Mon einzuplanen weil man dann komplett Selbstzahler für die KV ist. Der Aspekt KV ist ein wesentlicher Punkt bei vorzeitigem Ruhestand für die Überbrückungszeit zwischen Eintritt in den Ruhestand (z.B.55J) und der Regelaltersrente (z.B. 66J). Wertvolle Infos dazu finden sich im Forum Der Privatier und in seinem Buch Per Abfindung in den Ruhestand(*).

Bei Anlage des risikoarmen Anteils als Tagesgeld ist wegen der Grenze der Einlagensicherung eine Verteilerei von je max 100T€ auf unterschiedliche Banken nötig. Mindestens 2 Banken sollte man zwar sowieso haben, siehe Kontenmodell für lange Auslandsaufenthalte, aber mit risikoarmem Anteil vollständig in TG sind wir schnell bei 4 oder 5 Banken.
Deshalb bietet es sich in diesem Szenario an wenigsten 200T€ des risikoarmen Anteils in Anleihen zu investieren, z.B.: DBX0AD Xtrackers Eurozone Government Bond 1-3 ETF mit 015% TER.

Man könnte die Anlagen auf mehrere ETFs verteilen. Der Finanzwesir(*) beschreibt vier Musterportfolios:

  • Die Ein-ETF-Lösung.
    Mein Favorit – Einfach und diversifiziert genug.
  • Zwei ETFs: Industrieländer plus Schwellenländer.
  • Drei ETFs, gewichtet nach Bruttoinlandsprodukt (BIP): Industrieländer, Europa, Schwellenländer.
  • Vier ETFs: Die Regio-Lösung mit den vier Wirtschaftsräumen Nordamerika, Europa, Pazifikraum

Weil keine lebenslang sicheren Einkünfte vorhanden sind bleiben die Restrisiken Langlebigkeit und ein Failure Risk. Bei einer 4%-Entnahmestrategie mit 75% Aktien und 30J Entnahmezeitraum beträgt das Failure Risk ca. 2%, siehe The Trinity Study And Portfolio Success Rates (Updated To 2018).
Vorsicht: Menschen unterschätzen das Risiko aus kleinen Wahrscheinlichkeiten leicht. Risiko ist die Kombination von Eintrittswahrscheinlichkeit und Auswirkung.

Vielleicht wäre es in diesem Szenario sinnvoll einen Anteil Inflationsindexierte Staatsanleihen zu erwägen.

Bei Szenarien ohne Renten für Grundbedürfnisse frage ich mich generell, wie man möglichst sichere Entnahmen lebenslang aus einem volatilen Markt holen kann.
Müßte man zur Sicherheit vielleicht besser eine noch risikoärmere Allokation wählen und/oder einen höheren Betrag investieren?
Oder hat man vielleicht noch Land oder Immobilien in der Hinterhand die nicht in die Planung einbezogen waren. Letztere müßten natürlich einen höheren Verkaufswert haben als die zukünftige Miete.
Oder man plant ein (bewußt oder unbewußt) zur Not dem persönlichen Umfeld oder der Allgemeinheit auf der Tasche zu liegen.

Vielleicht sind solche Strategien auch nur was für Reiche – das fängt für mich so bei 2,5 Mio € Gesamtvermögen an. Ab einem gewissen Vermögen geht es ja nur noch um Vermögenssicherung – vielleicht dynastisch über Generationen hinweg.

Strategie “Arero”

Das Szenario Arero ist attraktiv weil damit risikoarmer und risikobehafteter Anteil extrem einfach in einem einzigen ETF vereint sind. Der Arero ist ein Multi-Asset-ETF mit fixer Allokation von 60% Aktien, 25% Anleihen, 15% Rohstoffen. Er hat ein relativ hohes Fondsvolumen und seine Kosten von 0,5% TER sind fair.

Über den Rohstoffanteil läßt sich natürlich streiten, vgl. Kommer, Rohstoff-Investments – sind sie sinnvoll?

Bin von 3% Rendite ausgegangen.

Der Arero rebalanced automatisch 2x jährlich und sorgt dabei auch für eine Aktienquote von mindestens 51% um die Abgeltungssteuer zu minimieren.

Asset-Allokation “Arero”

Es gibt auch eine nachhaltige Version des Arero und alternative, ähnliche Mulit-Asset-ETFs mit geringerem Rohstoffanteil, siehe Podcast: Multi-Asset-ETFs – Der Finanzwesir rockt.

Die fixe Allokation des Arero gefällt nicht jedem. Den risikoarmen Teil seines Gesamtportfolios kann man durch die Höhe des Tagesgeldanteils erhöhen – allerdings muss man dann selber manuell rebalancen. Der Arero lässt sich mit ein paar Index-ETF nachbauen: mit eigener Allokation von Aktien, Anleihen, Rohstoffen, Immobilien(?) und zu etwas geringeren Kosten – auch damit muß dann aber selber rebalancen.

Interessante Alternativen zum Arero sind die Multi-Assent Funds
Vanguard LifeStrategy,
Xtrackers Portfolio Strategy
– Lyxor Portfolio Strategy

Strategie “Immobilien”

Das Thema Immobilien zur Altersvorsorge ist bei vielen stark emotional besetzt. Die Entscheidung für ein Haus oder eine Eigentumswohnung ist wesentlich eine Lifestyle-Entscheidung – unabhängig von finanziellen Überlegungen, siehe Zendpot Kaufen oder Mieten – Ist die Miete rausgeworfenes Geld? Der Immographs Online Rechner “kaufen vs Mieten” zeigt schön wie sehr es bei der Beurteilung auf eigene Annahmen ankommt.

Die Immobilien-Strategie baut auf ein Eigenheim (Haus, ETW) und eine vermietete Immobilie. Für das Eigenheim habe ich eine Ersparnis gegenüber zur Miete wohnen von 400€/Mon angenommen.
Für die vermietete Immobilie bin ich um auf eine Nettomietrendite von 800€/Mon zu kommen von einem Wert von 300T€ bei einer Rendite von ca. 2% ausgegangen. Habe das mit dem Online Rendite-Rechner für Wohnungen von Stiftung Warentest gegen gerechnet.

Asset-Allokation “Immobilien”

Mit einer höheren Investition in mehr Wohneinheiten ließe sich eine höhere Mietrendite erzielen. Bin bei diesem Szenario mit dem Wert der Immobilien im Rahmen des Anlagevolumens der anderen Szenarien geblieben. In diesen Grenzen zeigt sich ein deutliches Klumpenrisiko im risikobehafteten Teil durch den hohen Anteil von Immobilien – die vielleicht sogar noch alle in der selben Gegend liegen.

Freiwillige Einzahlungen in die DRV (inkl. Steuervorteile)

Eine Möglichkeit seine Ansprüche auf lebenslange Rentenzahlungen zu erhöhen sind freiwillige Einzahlungen in die DRV, siehe Mythen und Fakten zur gesetzlichen Rentenversicherung (DRV), 1. Anlageinstrumente zur Finanzgestaltung.

Freiwillige Einzahlungen in die DRV bieten sich an wenn die erarbeiteten Anwartschaften nicht zur lebenslangen Absicherung der Grundbedürfnisse ausreichen oder wenn man in seiner Finanzstrategie generell ein sicheres Einkommen risikobehafteten Depotentnahmen (Marktrisiko) oder Auszahlplänen (Langlebigkeitsrisiko) vorzieht, siehe 2. Anlagestrategien für den Ruhestand und Finanzen?Erkärt!: Aktien-ETF mit Entnahmestrategie oder gesetzliche Rente – was ist vorteilhafter?

Die staatliche deutsche Rentenversicherung (DRV) hat die beste Bonität, die man sich vorstellen kann. Sie wird vermutlich auch zukünftig einen zumindest teilweisen Inflationsausgleich erbringen.

In der DRV Versicherte (Angestellte und Selbstständige) können ab einem Alter von 50J nachträglich Rentenpunkte zukaufen und so einen oder mehrere Einmalbeträge in eine lebenslange Rente umzuwandeln, Finanztip: Freiwillige Beiträge für die Rente können sich auszahlen.

Die Höhe der möglichen Einzahlungen ist begrenzt auf den maximalen Abschlag der bei vorgezogener Altersrente fällig wäre. Diesen kann und muss man sich vor freiwilligen Einzahlungen von der DRV berechnen lassen: V0210 – Antrag auf Auskunft über die Höhe der Beitragszahlung zum Ausgleich einer Rentenminderung bei vorzeitiger Inanspruchnahme einer Rente wegen Alters.

Der Kauf von Rentenpunkten verpflichtet nicht dazu, früher in den Ruhestand zu gehen! Man kann weiterhin bis zur Regelaltersgrenze oder darüber hinaus weiter arbeiten.

Beispiel: 55-jährige Muster-Arbeitnehmerin mit 50 000€ Jahresbruttoeinkommen. Sie kann ihre gesetzliche Rente um mehr als 200€/Mon erhöhen und gleich­zeitig rund 13 700 Euro Steuern sparen, wenn sie über drei Jahre verteilt zusätzlich 44 916 Euro in die Rentenkasse einzahlt.

Die zu zahlenden Beträge erscheinen hoch wenn man sich noch nie den Wert einer Rentenversicherung vergegenwärtigt hat, siehe 3. (Entnahme) Szenarien für den Ruhestand, Barwert. Ich finde die Konditionen der DRV attraktiver und sicherer als dies von privaten Rentenversicherung, siehe Gesetzliche Rentenversicherung – So lohnend sind freiwillige Beiträge oder So holen Sie mehr aus der gesetzlichen Rente.

In meinem Fall lohnten sich die Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung (DRV) auch steuerlich: Je 10T€ Einzahlung ergaben sich ca. 3T€ Steuervorteil.

Es kann steuerlich vorteilhaft sein wenn der AG statt dem AN die Beiträge zahlt: Der Privatier: Ausgleichszahlung des Arbeitgebers zur Vermeidung von Rentenabschlägen.

Links

Hier einige Artikel zur freiwilligen Einzahlungen in die DRV:

Freiheitsmaschine: Freiwillige Renteneinzahlungen für lupenreine Kapitalisten
Hat die gesetzliche Rente eine Rendite?
Der Einfluss von steuer- und sozialrechtlichen Regelungen auf individuelle Erträge aus der gesetzlichen und betrieblichen Altersvorsorge

0. Grundlagen zur Finanzgestaltung für den Ruhestand

[Artikel in Arbeit]

The Position of Fuck-You 😊
You get up two-and-half million dollars, any asshole in the world knows what to do. You get a house with a 25-year roof, an indestructible economy shitbox car and you put the rest into the system at 3 to 5 percent and you pay your taxes. That’s your base. Get me? That’s your fortress of fucking solitude. That puts you, for the rest of your life, at a level of ‘Fuck You.’”

Vermögensaufbau-Phase

Generell kommt der größte Teil des Vermögenszuwachses eines Privatanlegers in der Vermögensaufbauphase aus der erfolgreichen Bildung und Nutzung der eigenen Fähigkeiten (Humankapital) zur Generierung von Arbeitseinkommen und/oder aus unternehmerischer Tätigkeit – nicht aus nebenberuflichem Investieren. Reich wird man durch Konzentration (vieles auf eine Karte setzen, hohes Risiko eingehen). Vermögend wird/bleibt man durch Diversifikation.

Die eigenen Fähigkeiten (Humankapital) sind wesentlicher Aspekt bei der Vermögensbildung.
Humankapital: Investiere in dich selbst!
Für eine Überrendite im Leben
Die eigene Arbeitskraft schützen und verteidigen
Lohnarbeit: Klumpenrisiko und versiegende Quelle

Ruhestands-Phase

In dieser Artikelserie geht es um die Lebensphase Ruhestand. Es geht nicht um den Vermögensaufbau. Der Schwerpunkt der Finanzgestaltung für den Ruhestand liegt auf Vermögenssicherung und Vermögensnutzung, in einem Spektrum zwischen (dynastischem) Weitergeben von Vermögen bis zum möglichst vollständigen Verzehr – damit am Ende des Lebens nicht zu viel Vermögen ungenutzt übrigbleibt (mit Null Euro sterben). Letzteres hat den nicht zu verkennenden psychologischen Aspekt einer Haltungsumstellung von langen Jahren des Sparens auf Entnehmen oder Verzehren.

Wer in der Vermögensaufbauphase noch nicht an der Börse war wird vor/im Ruhestand kein Vermögen mehr mit Aktien aufbauen können – es fehlt an Zeit und ganz wesentlich an Erfahrung mit der Volatilität des Marktes. Zur Diversifikation mit Aktien für mehr Sicherheit ist es aber nie zu spät. Der Finanzwesir beschreibt das schön in Kann Leser P. die Rentenlücke schließen? Alles hat seine Zeit im Leben und wer zwei Jahre vor der Rente die Börse für sich entdeckt, sieht nur noch die Rücklichter des Renditezugs.

Sich im Alter bei Bedarf auf zusätzliche Einkünfte aus Arbeit zu verlassen, halte ich für risikoreich (Krankheit, nachlassende Fähigkeiten, nachlassendes Interesse). Solche Einkünfte können aber natürlich ein schönes Zubrot sein und die Beschäftigung kann einfach nur Spaß machen oder fit halten.

Zeit spielt beim Vermögensaufbau eine immense Rolle. Aber auch im Ruhestand kann man noch viel Jahre vor sich haben und unter Beachtung des Sequence-of-Return-Risk (s.u.) kann es sinnvoll sein, den Aktienanteil sogar zu erhöhen. Also Vorsicht mit der generellen „100 minus Alter“ Regel – es kommt vielmehr ganz auf individuelle Aspekte an wie Ausgabenbuget, zu vererbender Anteil, Anlagehorizont, Steuern, Risikotoleranz, vorhandenes finanzielles Potential, verbleibendes Spar- und Investitionspotential, siehe 2. Anlagestrategien für den Ruhestand.

Erfolgreich Investieren an der Börse für Rendite funktioniert nur langfristig mit einem Anlagehorizont von 15+J. Das setzt der Finanzgestaltung für den Ruhestand Grenzen: Der gesamte Anlagehorizont kann zwar durchaus 30+J betragen, aber je nach Ausgabenbudget und Renten muss man Entnehmen, z.B. alle 5J die Ausgaben für 5J, siehe 3. (Entnahme) Szenarien den Ruhestand.

Das Lebenszyklus-Modell kann zur Veranschaulichung von Vermögen, Einkommen und Konsum über die unterschiedlichen Lebensphasen hilfreich sein.

Lebenszyklus-Modell nach Prof. Weber Die genial einfache Vermögensstrategie(*).

Finanzgestaltung, Gesamtportfolio

Ziel einer guten Finanzgestaltung sollte es nicht sein so viel Geld wie möglich für unbekannte und unvorhersehbare Ausgaben zu einem späteren Zeitpunkt zu horten, sondern sein Geld während des gesamten Lebens klug zu verwenden, siehe Was macht uns glücklich? Für mich reicht es ein gutes deutsches Durchschnittseinkommen zu erzielen. In vielen Reiseländern ist dieses wegen in vielen (nicht allen) Bereichen geringerer Kosten noch viel wertvoller, siehe Länder-Vergleiche.

Häufig wird bei der Ruhestandsplanung von der Vorsorgelücke (aus sicherheitsorientierter Renten-Sicht) gesprochen oder von „… dann sind da noch die Renten“ (aus risikoorientierter Sicht) statt beides gleichberechtigt nebeneinander zu betrachten. Ich betrachte Renten und Investments ganzheitlich in einem Gesamtportfolio:

  • % Lebenslange Renten
    DRV, bAV, paV
  • % Investment-Portfolio
    • % Risikoarmer Teil
      Tagesgeld (Festgeld), Anleihen
    • % Risikobehafteter Teil
      Aktien, Immobilien, Rohstoffe
    • % Mythischer Teil
      Gold

Aspekte zur Gestaltung des Gesamtportfolios

Wesentliche Aspekte zur Gestaltung des Gesamtportfolios sind:

Finanzwesir Überblick:
Was Anleger wissen sollten. Geldanlage-Basiswissen für Do-it-yourself-Anleger.
Es geht, man muss nur wissen wie. Und es ist gar nicht so kompliziert, wie alle immer sagen.
Wird mein Geld zum Leben reichen?
Schöner Podcast mit Thomas Mayer [seine politischen Einordnungen teile ich nicht]

Ausgaben-Budget

Ein Überblick über seine persönlichen (geplanten) Ausgaben ist für jede Finanzplanung essenziell. Siehe Ausgaben budgetieren – Heimat (Excel). Die Ausgaben lassen sich klassifizieren in:

  • Ausgaben für Grundbedürfnisse
    (Essen, Wohnen inkl. Nebenkosten, Krankenversicherung [auch auf Reisen], Kleidung, Kommunikation (Tel, Internet), Transport, Freizeit, Bildung)
    Siehe auch Harz 4 Regelsatz.
  • gewünschte Ausgaben
    Für das schöne Leben.
  • erhoffte Ausgaben
    z.B. zum Weitergeben an andere (Nachkommen, Organisationen).

Dieses Budget kann sich mit zunehmendem Alter oder sich ändernden Lebensumständen verändern. Manche gehen davon aus im hohen Alter geringere Ausgaben zu haben. Das kann so sein, muss aber nicht für jeden so sein. Siehe Finanzen? Erklärt! Finanzielle Unabhängigkeit – die Lifestyle-Inflation wird oft unterschätzt

Renditeerwartung oder Vermögenssicherung?

Was ist das wesentliche persönliche Anlageziel im Ruhestand? Wird eine Rendite aus dem Investmentportfolio gewünscht, oder hat man bereits ausreichend sicheres Einkommen aus lebenslangen, risikoarmen Anlagen oder sonstigem Vermögen „Genug ist genug“ und es geht nur mehr darum sein Vermögen risikoarm durch Diversifikation zu sichern und zu nutzen? Siehe Vermögen sichern.

Anlagehorizont

Die Basis für den Anlagehorizont ist die Restlebenserwartung im aktuellen Alter. Die eigene Restlebenserwartung hängt von vielen Faktoren ab, u.a. Gene, Geschlecht, Schicksal (in welches Land und soziales Umfeld man hineingeboren wurde), Gesundheitszustand, Lebensumstände, Zufall (schon morgen kann durch einen Unfall alles ganz anders sein). Hier ein Rechner zur Restlebenserwartung Wie alt werde ich? Zur Sicherheit sollte man nicht von der mittleren statistischen Restlebenserwartung ausgehen, diese erreicht man mit 50% Wahrscheinlichkeit, sondern wenigstens von der mit 10% Wahrscheinlichkeit. Beispiel:  Mittlere statistische Restlebensdauer eines 60-jährigen Mannes: 22J (Lebensalter 82), mit 10% Wahrscheinlichkeit: 32J (Lebensalter 92).

Wie werde ich 100?„Täglich eine Handvoll Nüsse“.

Vermögen weitergeben oder verzehren?

Vielen sind im Alter folgende Aspekte besonders wichtig:

  • Kontrolle behalten.
  • Das eigene Vermächtnis finden.
    In Erinnerung bleiben.
    Etwas weitergeben.

Diese Punkte sind Alten oft (bewusst oder unbewusst) extrem wichtig. Was Jüngeren (Nachkommen) offensichtlich sinnvoll und dringend erscheint ist für Alte häufig völlig unwichtig und es kommt zu typischen Kommunikationsproblemen und Konflikten wie z.B. trotz objektiv großer Einschränkungen weiter Auto fahren zu wollen oder nicht aus dem zu großen Haus in komfortables, praktisches, betreutes Wohnen zu ziehen. Siehe How to Say It to Seniors: Closing the Communication Gap with Our Elders (*). Dieses Buch beschreibt die Probmeaktik unterschiedlicher Sichten sehr schön (wenn auch etwas episch) und gibt praktische Tipps für das Kommunikationsverhalten Jüngerer. Wer etwas vererben möchte sollte ausrechnen wie viel er sich leisten kann und erwägen es mit warmen Händen zu tun, nicht zuletzt aus steuerlichen Gründen.

Risiken

Die wesentlichen Risiken bei der Finanzplanung sind:

  • Langlebigkeits-Risiko
  • Mortalitäts-Risiko
  • Krankheit, Pflegebedürftigkeit
  • Marktvolatilität
  • Inflation
  • Renditereihenfolgerisiko (Sequence-of-Return-Risk)
  • Zinsänderungs-Risiko, Wechselkurs-Risiko, Ausfall-Risiko
  • Fiskalische und rechtliche Änderungen
  • Notfälle
  • Trennung, Ehe-Scheidung
  • (Welt-System-Crash)

Die menschliche Risikowahrnehmung ist sehr subjektiv (empfundene Bedrohlichkeit, Nutzenabwägungen etc.) und leicht durch Neuigkeit eines Risikos, Medien-Hype etc. beeinflussbar, siehe Wahrnehmung und Bewertung von Risiken.

Langlebigkeits-Risiko

Man überlebt den geplanten Anlagehorizont des Investmentportfolios und dessen Ertrag fehlt nun.
Will man sein Langlebigkeitsrisiko ohne Renten absichern sollte man auch die Konsequenzen einer längeren Restlebensdauer als der geplanten (z.B. 30J bei einem 65-jährigen Mann) bedenken. Das erfordert entweder ein höheres Vermögen oder geringere Ausgaben. Sonst kalkuliert man wohl ein (bewusst oder unbewusst) zur Not dem persönlichen Umfeld oder der Allgemeinheit auf der Tasche zu liegen oder in nicht so sozialstaatlichen Ländern wie Deutschland in der Goss zu landen. Siehe 3. (Entnahme) Szenarien zur Anlagestrategie für den Ruhestand.

Mortalitäts-Risiko

Man stirbt vor dem Ende des geplante Anlagehorizonts und es bleibt ungeplant Vermögen zurück. Hierzu sollte man sich die mögliche Vererbbarkeit seiner Anlagetypen (insbes. Renten vs. Auszahlpläne) ansehen und generell testamentarisch festlegen was mit dem Restvermögen geschehen soll, damit es den eigenen Vorstellungen entsprechen eingesetzt wird. Siehe Vorsorge für Notfälle.

Krankheits-Risiko (Krankheit, Demenz, Unfall)

Das Krankheitskosten-Risiko gehört zu den existenzgefährdenden Risiken. Die Kosten für Krankheiten sollten in einer Krankenversicherung mit anderen Beitragszahlern gepoolt werden – außer vielleicht bei wirklich Reichen. In Deutschland besteht Krankenversicherungspflicht und wo die deutsche KV nicht gilt ist eine Auslands(Reise)KV unverzichtbar, siehe Wer glaubt mit monatlichen Rücklagen in Höhe typischer KV-Beiträge selbst vorsorgen zu können verkennt die Leistungen von KVs durch Verteilen hoher Risiken auf viele. Meines Erachtens bräuchte man für rein eigene Vorsorge mehr als ein paar Millionen € Gesamtvermögen. Siehe Lange Auslandsaufenthalte 4. Krankenversicherung.
Kostenmäßig kann es einen großen Unterschied machen, wie man in Deutschland krankenversichert ist: Privat krankenversichert (PKV), pflichtversichert in der GKV oder freiwillig versichert in der GKV, siehe PKV, GKV, KVdR, freiwillig in GKV

Eigenanteile (Selbstbehalt, Zuzahlungen, Kosten von extra Leistungen) sollte man bedenken, mit der Erwartung weiterer unerwarteter Kosten sollte man sich aber auch nicht verrückt machen – in solchen Fällen kommt sowieso die ganze Planung durcheinander, siehe Vorsorge für Notfälle.

Man sollte eine Patientenverfügung und eine Vorsorgevollmacht verfasst haben, siehe Vorsorge für Notfälle.

Das Risiko pflegebedürftig zu werden ist höher als ich dachte. Statistisches Bundesamt: Bei 70- bis 74-Jährigen ca. 8%, bei ab 90-Jährigen76 %. Aber man sollte auch nicht davon ausgesehen sicher pflegebedürftig zu werden. Die gesetzliche Pflegeversicherung zahlt nur einen Teil der tatsächlichen Pflegekosten, die eigene Zuzahlung kann leicht 2.000€/Mon betragen, dabei beträgt das Schonvermögen nur 5.000€. Ab 100T€ Bruttoeinkommen haben Kinder eine Zuschusspflicht zu den Pflegekosten der Eltern. Zuletzt zahlt das Sozialamt – dieses kann übrigens Schenkungen innerhalb der letzten 10J zurückfordern.

Marktvolatilität

Zur Marktvolatilität kennen wir nur die Vergangenheit und keiner kann die Zukunft sicher vorhersagen. Hierzu muss man ein der eigenen Risikotoleranz entsprechendes Verhältnis zwischen risikoarmen und risikobehafteten Anteilen im Gesamtportfolio finden. Z.B.: muss man bei einer 50/50-Aufteilung imn Falle eines Einbruchs des Aktienanteils um 50% einen Verlust von 25% des Gesamtportfolios hinnehmen. Hat man seine Grundbedürfnisse über lebenslang sichere (inflationsindexierte) Einkünfte wie Renten abgedeckt kann man im Investmentportfolio ein höheres Risiko eingehen, als wenn man auch seine Grundbedürfnisse über Investitionen abdecken muss, siehe 3. (Entnahme) Szenarien zur Anlagestrategie für den Ruhestand.

In der Entnahmephase ist etwas Markttiming nicht völlig vermeidbar. Mindestens bei der Entscheidung zum Start der Entnahmephase und im Falle von Entnahmestrategien mit einem n-Jahre Intervall evtl. bei den Entnahmeterminen, siehe 4. Finanzierungs-Szenarien für den Ruhestand.

Inflation

Die langfristige Auswirkung auch moderater Inflation sollte man nicht unterschätzen. Das aktuelle Inflationsziel der EZB als Puffer gegen Deflation ist 2% symmetrisch und nicht mehr nur „close but below 2%“. Die normale (geplante) Inflation sollte man nicht mit einer unkontrollierten Hyperinflation mit extrem hoher Inflationsrate verwirren.

Video Playlist von Kommer: Inflation aus der Sicht eines Privatanlegers.
Finanztip “Aktien, Gold, Rohstoffe, oder Immobilien gegen Inflation?”

Video von Finanzfluss, u.a. mit erwartete vs. unerwartete Inflation:

Um ein Gefühl für das Inflationsrisiko zu bekommen: Bei 3% Inflationsrate halbiert sich die Kaufkraft in 24J. Bei Planungen kann man die Inflation zur Vereinfachung weglassen wenn man ausnahmslos mit inflationsbereinigten Zahlen rechnet, vgl. Kommer, Souverän investieren vor und im Ruhestand(*) “4.2. Berechnen ohne Berücksichtigung von Unsicherheiten”. Weil es um das Erhalten der individuellen Kaufkraft geht, hier der Rechner für die persönliche Inflationsrate des statistischen Bundesamtes. Siehe auch:
Deutsche Fondsanlage-Kunden suchen vor allem sichere Anlagen und Inflationsschutz

Preis-Kaleidoskop des statistischen Bundesamtes

Die gesetzliche Deutsche Rentenversicherung (DRV) funktioniert nach dem Umlageverfahren. Sie bietet einen gewissen Inflationsschutz, indem sie an die Wirtschaftsleistung gekoppelt ist – die Rente wächst mit den Bruttolöhnen/Gehältern der Einzahler. Diese Koppelung wird aber begrenzt durch den Nachhaltigkeitsfaktor (ist aktuell ausgesetzt) – verschiebt sich das Verhältnis zwischen Rentnern und Beitragszahlern in Richtung der Rentner (Vergleich Vorjahr mit dem Vorvorjahr) führt dies dazu, dass die Rentenanpassung geringer als das Lohnwachstum ausfällt. Direkte Rentenminderungen sind ausgeschlossen. Bei groben Planungen mit DRV-Renten kann man die Inflation ignorieren wenn man gleichzeitig Rentenerhöhungen ignoriert, weil sich beides in etwa ausgleicht.
Für eine Rente mit Niveau
Rente in der Krise? Keine Spur!
Rechengrößen der Sozialversicherung und sonstige Werte

Bei bAV und pAV kann man sogenannte dynamische Renten wählen – wie weit das wirklich etwas gegen Inflation schützt kann ich beurteilen [kann dazu jemand was erläutern?].

Immobilien, Aktien, Gold und anderer Edelmetalle, Rohstoffe und Sammlerobjekte bieten einen( gewissen) Inflationsschutz. Bankeinlagen, Anleihen und kapitalbildende Lebensversicherungen bieten keinen Inflationsschutz. Es gibt inflationsindexierte Anleihen-ETFs (TIPS). Deren Inflationsschutz bekommt man aber natürlich nicht kostenlos. Siehe Das Konzept der „Sachwertanlage“: Fakten und Fantasien.

Will man wenigstens die Kaufkraft seiner Anlagen erhalten dann sollte der Aktienanteil mind. 30% sein, bei z.B. 2% individueller Inflationsrate und -0,5% Negativzinsen auf Tagesgeld (0,3 x 7% Aktienrendite bei 0% Anleihenrendite = 2,1%).

Übrigens sind die Entnahmen der 4% Regel inflationsangepasst. Bei manchen Rechnern kann man das konfigurieren, Rechner FourPercentRule.com.

Renditereihenfolgerisiko (Sequence-of-Return-Risk)

Sehr wichtig für (Bald)-Ruheständler ist das Sequence-of-Return-Risk (Renditereihenfolgerisiko) weil bei einem Depot aus dem laufend nur entnommen wird die Reihenfolge von periodischen Renditen eine große Auswirkung auf Wertentwicklung hat. Hier muss man statt der Durchschnittsrendite beachten zu welchem Zeitpunkt schlechtere Renditen als der Durchschnitt auftreten. Treten diese früh in der Entnahmephase auf, dann kann das die möglichen Entnahmen stark reduzieren. So hatte ein Depot auf den MSCI World ab 1995 bei 8% Entnahmerate beim historischen Verlauf nach 15J noch einen Wert von 234T€. Bbei günstigerer Verteilung der selben Jahresrenditen (also bessere Renditen früher) hätte es einen Wert von sogar 270T€ (trotz der relativ hohen Entnahmerate). Aber bei ungünstiger Verteilung (also schlechtere Renditen früher) wäre es nach 9J bereits völlig aufgebraucht. Wenn das jetzt etwas schwer verständlich ist, siehe Das Sequence-of-Returns-Risiko – Entnahmestrategien, Sequence of Return Risk – die ersten 5 Jahre sind entscheidend, Das Sequence-of-Returns-Risiko – Entnahmestrategien.

Übrigens hat sich das Sequence-of-Return-Risk nicht erledigt wenn man die ersten ca. 10J seiner Entnahmephase rum hat. Früh in einem Entnahmezeitraum schlechte Renditen wirken sich weiterhin negativer aus als spätere. Durch den sich verkürzenden Entnahmezeitraum werden aber die Folgen immer kleiner. Damit bleibt das SRR auch 10J nach dem Ruhestandseintritt beim vorzeitigen Ruhestand (FIRE) mit einem Entnahmezeitraum von vielleicht 60J kritischer als bei einem “normalen” Ruhestand mit vielleicht 30J. Siehe When Can We Stop Worrying about Sequence Risk?

Aus einem vom Sequence-of-Return-Risk gerissenen Loch wieder herauszukommen ist übrigens komplexer als ich zuerst dachte, weil man u.a. nicht bloß die fehlende Rendite durch Rücklagen oder Verzicht ausgleichen muss, sondern auch die entgangene Entwicklung des Portfolios (evtl. durch Nachschießen), siehe ungefähr hier Myth #2: Flexibility has to last only as long as the downturn bei Early Retirement Now: The Safe Withdrawal Rate Series – A Guide for First-Time Readers.

Zinsänderungs-Risiko, Wechselkurs-Risiko, Ausfall-Risiko

Die wesentlichen Risikoquellen von Anleihen sind Fremdwährungsrisiko, Ausfallrisiko und Zinsänderungsrisiko (Laufzeitenrisiko). Das Zinsänderungsrisiko von Anleihen ist das Risiko, welches sich aus dem inversen Zusammenhang von Zinsänderungen und dem Kurs von Anleihen ergibt: Steigen die Marktzinsen, fallen die Kurse von Anleihen, vgl. Kommer: Das Zinsänderungsrisiko bei Anleihen,  Finanzwesir: Welchen Anleihen-ETF soll ich wählen?.

Das Ausfallrisiko kann man minimieren, indem man sich auf Anleihen höchster Bonität beschränkt.

Mit Anleihen in der Heimatwährung hat man kein Wechselkursrisiko (Währungsrisiko).

Für Privatanleger besteht einem global diversifizierten Aktienportfolio kein relevantes Wechselkursrisiko (Währungsrisiko) für welches sich eine Absicherung (Hedging) lohnen würde: Mit Anleihen in der Heimatwährung hat man kein Wechselkursrisiko. In einem global diversifizierten Aktienportfolio besteht für die meisten Privatanleger kein relevantes Wechselkursrisiko für welches sich eine Absicherung (Hedging) lohnen würde. Ein Welt-ETF hat ein gewisses Wechselkurs-risiko aber auch eine Wechselkurs-chance. Die Fondswährung eines ETF ist rein kosmetisch und stellt weder Risiko noch Chance dar.
Kommer: Währungs­absicherung: Wann sinnvoll, wann nicht?
Finanzfluss: Währungsrisiken bei ETFs
Finanzwesir: Wie wichtig ist die Währungsabsicherung bei einem weltweit anlegenden Indexfonds?

Als ich zuerst von Anleihen mit negativen Zinsen hörte wunderte ich mich, warum jemand sowas kaufen würde. Gute Anleihen habe ein geringeres Risiko als Bankguthaben. Bei Bankguthaben muss man zur Sicherheit Anlagesummen >100T€ auf mehrere Banken verteilen, um unter der Grenze der Einlagensicherung zu bleiben. Auch Bankguthaben haben ein Ausfallrisiko, selbst wenn sie unterhalb der Einlagensicherungsgrenze liegen: Das unterschätzte Risiko von Bankguthaben.

Wo wir gerade von Zinsen reden. Die Zinsen auf Bankeinlagen waren auch in der Vergangenheit nicht wirklich attraktiv wenn man die Nettozinsen betrachtet, also Bruttozinsen abzüglich Inflation und Kosten, vgl. Nullzinsen und Anlagenotstand – real oder nur konstruiert?

Finanztip Realzinsen

Fiskalische und rechtliche Änderungen

Jede Finanzplanung ist dem Risiko unerwarteter fiskalischer oder rechtlicher Änderungen ausgesetzt – man denke nur an die Einführung von KV-Beiträgen auf Auszahlungen aus Direktversicherungen. Sogar rückwirkend für Altverträge!. Gegen negative Auswirkungen solcher Änderungen kann man wohl nicht viel tun, außer sich nicht zu sehr auf bestehende Regelungen zu verlassen. Aber was sich vorhersehen lässt sollte man zumindest bedenken z.B. bei den Steuern auf das Investitionsportfolio den evtl. höheren persönlichen Steuersatz ansetzen statt der 25% Abgeltungssteuer weil diese vielleicht abgelöst wird – sie wurde ja nur eingeführt um, unter den damals gültigen internationalen Bedingungen, möglichst einfach Steuerflucht zu begrenzen.

Siehe:
Steuern auf Renten, Kapitalerträge, Mieteinnahmen
Die Steuer auf Renten ist in D gar nicht sooo hoch!
Null Steuer auf Rente in Thailand
Lange Auslandsaufenthalte 3. Steuerliche Aspekte
Frugalisten: Steuern auf Kapitalerträge und wie man sie minimiert – Entnahmestrategien

Notfälle

Notfälle bergen das Risiko einen aus der Bahn zu werfen. Hierfür gibt es natürlich keine 100%ige Absicherung. Die Kosten für existenzbedrohende Risiken sollte man wo möglich mit andere in einer Versicherung poolen. Man kann seine Finanzplanung konservativ auslegen, Szenarien durchspielen und sollte sich Rückfallpläne überlegen, z.B. bei Auswanderung auch an eine mögliche Rückwanderung planen.
Vorsicht! der Mensch neigt generell zur Unterschätzung niedriger Wahrscheinlichkeiten.

Trennung, Ehe-Scheidung

Die Scheidungsrate in Deutschland ist zwar von 52% im Jahr 2005 auf 34% gesunken, aber für jeden einzelnen Fall ließe sich durch einen Ehevertrag viel Stress, Streit, Schmerz und finanzielles Durcheinander vermeiden.

Welt-System-Crash

Man kann sich viele mehr oder weniger weitreichende, teils objektiv begründbare, Katastrophen vorstellen. Stichworte: Klimawandel, weltweite Pandemien (eine haben wir ja gerade und weitere sind sicher), Finanzkrise, Systemkrise, Staatsbankrott, Hyperinflation (oft mit „normalen“ erwarteten, gewollten Inflationssteigerungen verworren), TARGET2-Salden, Schuldenberg, Euro-Skeptizismus, Machtkampf USA und China, umlagefinanzierte Renten seien Schneeballsystem, Steuererhöhungen die alles auffressen, Zusammenbruch des Fiat-Geldsystms, der Sozialismus wird alles zerstören, die Aliens kommen / sind schon da – die Russen waren ja schon da und die Chinesen sind am Kommen :-). Nur was machen wir bzgl. unserer Finanzplanung aus all diesen Katastrophenszenarien? Die Ansichten von Crash-Propheten helfen uns nicht weiter – denen geht es hauptsächlich um eigenen Gewinn und Aufmerksamkeit. Siehe Welt-System-Crash – Welcher kommt wann? Was tun? Siehe Welt-System-Crash – Welcher kommt wann? Was tun?.

Crash-Prognosen blind zu folgen ist ein Verlustgeschäft. Schon das Warten auf einen Crash, um dann günstig einzusteigen, führt statistisch gesehen zu hohen entgangenen Gewinnen.

Risikotoleranz und Risikotragfähigkeit

Risikotoleranz bedeutet salopp gesagt wie gut man mit seinem durch die gewählte Asset-Allokation bestimmten Ausgesetztsein in die Marktvolatilität schlafen kann .

Hier ein Szenario um ein Gefühl für das Risiko zu bekommen: Asset-Allokation 60% risikobehaftete Aktien mit Renditeerwartung 5,2% und 40 % risikoarme Anleihen mit Renditeerwartung 0%. Daraus ergibt sich bei einer langfristigen Anlage eine erwartete Rendite von 3,12 % nach Inflation, vor Kosten und Steuern (0,6 x 5,2 % + 0,4 x 0,0 % = 3,12 %). Entsprechend der Faustregel, wonach der sich der Wert des Aktienanteils in einer Krise halbieren kann, müsste man temporäre Rückschläge von 30 % verkraften (60 / 2 + 40 = 70).

Riskotragfähigkeit beschreibt das eigene finanzielle Potential um die Auswirkungen von möglichen Verlusten auszugleichen: Humankapital, vorhandene Geldmittel, Renten, Immobilien, (Acker)-Land) sowie das verbleibende Sparpotential und Investitionspotential. So kann z.B. der finanzielle Spielraum durch die Finanzierung eines Eigenheimes reduziert sein.

Siehe Tool zur Beurteilung der eigenen Risikotoleranz

Grundhaltungen/Glaubenssätze

Wohl jeder hat tief verwurzelte Grundhaltungen (Glaubenssätze) zum Leben und so auch zu Finanzen. Viele davon sind nachvollziehbar, auch wenn andere sie nicht teilen und die Welt ganz anders sehen. Einige beruhen jedoch Mythen oder Missinformation und können zu Entscheidungen entgegen der eigenen Interessen führen. Manche Grundhaltungen verführen zu einer dramatisierenden Weltsicht, die mitnichten der Realität entspricht. Zu einer offeneren, neugierigeren und entspannteren Einstellung, in der das eigene Teilen von Ansichten, Urteilen und Entscheiden möglichst auf soliden Fakten basiert können die Publikationen von Hans Rosling beitragen. Er räumt per Statistiken mit unseren Vorurteilen auf siehe sein Buch Factfulness(*), beispielhafter Vortrag.

Aus der Forschung zur Behavorial Finance sind die für die Finanzgestaltung u.a. die problematischen Eigenschaften Selbstüberschätzung und Zeitinkonsistenz gut belegt. Siehe auch 13 Denkfehler im Umgang mit Geld – und wie Du sie vermeidest.

Selbstüberschätzung (Overconfidence Bias): Wir überschätzen unsere Fähigkeiten generell und speziell im Vergleich zu anderen. Wir unterschätzen die Wahrscheinlichkeit, dass unser vermeintliches Wissen falsch sein könnte. Selbstüberschätzung kann zu übermäßig häufigem Ändern der Anlagestrategie führen – “Hin und her macht die Taschen leer”.

Zeitinkonsistenzen: Viele bevorzugen kurzfristige Erfolge auch wenn rein rational längerfristige Strategien besser wären. Solchen Personen kann z.B. der Zwangsspareffekt bei der Finanzierung von Immobilien helfen oder die Selbstverpflichtung eines Sparplans gegenüber aktiven Einzelanlagen.

Für weitereMechanismen siehe Verhaltens-Mechanismen von Anlegern (Behavorial Finance).

Hier interessante lange Listen Kognitiver Verzerrungen in Wikipedia (DE) und Wikipedia (EN) – die englische Liste ist umfangreicher.

Quelle: The Cognitive Bias Codex – 180+ biases, designed by John Manoogian III

Ein prima Buch: Hörensagen: Die Kunst der Wahrheitsfindung in einer faktenfeindlichen Welt.

Hier exemplarisch ein paar Glaubenssätze:

Auffällig und gegen die eigenen Interessen ist die prinzipiell kritische Grundhaltung der Deutschen zu Aktien „Aktien sind zu risikoreich, siehe 1. Anlageinstrumente zur Finanzgestaltung für den Ruhestand – Aktien.

Die Rente ist unsicher und ich bekomme sowieso nicht das was mir eigentlich zusteht”, siehe Mythen und Fakten zur gesetzlichen Rentenversicherung (DRV)

Ich verdiene zu wenig zum Investieren. Aktien sind nur was für Reiche”. Mit einem Aktien-ETF-Sparplan von 50€/Mon kann in 40J bei 5% inflationsangepasster Rendite ein Vermögen von 70T€ erwarten. Bei 200€/Mon in diesen Sparplan, statt sie mit Tabak zu verrauchen, kommt man schon auf 280T€. Wenn ein Finanzprodukt nur was für Reiche ist, dann sind das eher Immobilien oder (Acker)-Land, siehe 1. Anlageinstrumente zur Finanzgestaltung für den Ruhestand – Immobilien.

Vorsicht! mit Meinungen, insbesondere “alternativen Fakten”. Es ist eben nicht so, dass jede Meinung mit wissenschaftlichen Erkenntnissen gleichwertig ist. Siehe ieles kann man eben nicht einfach so oder so sehen – False Balance.

Arbeitsplatzsicherheit

Die Sicherheit Sicherheit des Arbeitseinkommens ist ein Aspekt der Risikotragfähigkeit. Sie ist eher in der Vermögensaufbauphase wichtig. In jungen Jahren oder wenn man eine Familie zu versorgen hat ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung erwägenswert, siehe Wichtige Versicherungen.

Arbeitsplatzsicherheit lässt sich nicht durch Auswahl eines „guten“ Unternehmens erreichen (außer der Entscheidung für eine Beamtenlaufbahn). Egal ob ein Unternehmen groß oder klein ist und wie gut auch immer es aktuell geführt ist: Dinge können sich ändern. Die einzige Sicherheit ist das eigene Humankapital, also eine gute Ausbildung, vielfältige Erfahrungen sammeln, permanent lernen und lernfähig bleiben und meiner Meinung nach sollte man auch nicht allzu lange im selben Unternehmen bleiben, sondern immer so nach spätestens 5J wechseln. Je unsicherer die Einkommenssituation desto flexibler muss der Finanzplan sein, das ist z.B. bei der Entscheidung für die Finanzierung einer Immobilie wesentlich.

Absehbare hohe Ausgaben

Absehbare hohe Ausgaben wie für eine neues Auto lassen sich mit einem eigenen Tagesgeld-Konto planen und darin ansparen. Das erscheint mir übersichtlicher als sie mit irgendeinem Anteil im Ausgabenbudget anzunehmen.

Know-How, eigene Fähigkeiten, Interesse für Finanzielles

Das eigene Interesse für Finanzielles hat große Auswirkungen auf jede Finanzplanung. Abhängig davon wählt man zwischen komplexen, interessanten, aufwendigen Lösungen und einfachen die sich leicht automatisieren lassen.

Interesse vorausgesetzt kann jeder ausreichendes oder auch tiefes und breites finanzielles Know-How aufbauen. Auch bei wenig Interesse kommt man um solides Grundwissen nicht herum. Dieses sollte m.E. auch in den Schulen vermittelt werden. Dieser Blog versucht etwas dazu beizutragen. Jeder sollte wenigstens so viel Know-How haben um seine eigenen Finanzen zu verstehen. Bei wenig Interesse oder Know-How entscheidet man sich halt für einfache Lösungen wie den Arero-ETF, siehe 3. (Entnahme) Szenarien zur Anlagestrategie für den Ruhestand-Arero.

Einfachheit der Umsetzung

Einfachheit der Umsetzung in wesentlich, wenn es an Know-How oder Interesse an Finanziellem mangelt oder man mit einem Nachlassen der eigenen Fähigkeiten rechnet.

Mit zunehmendem Alter können sich Möglichkeiten und Perspektiven verschieben: Fähigkeit oder Lust zum Arbeiten können nachlassen. Die geistige Fähigkeit zum Managen der eigenen Finanzen kann nachlassen. Vielleicht lässt generell die Flexibilität nach oder die Bereitschaft seine Lebensumstände sich ändernden finanziellen Möglichkeiten anzupassen sinkt und man möchte ein verlässlicheres Einkommen als in jüngeren Jahren. Andererseits kann manchem das Finanzmanagement aber auch gerade im Alter einfach Spaß machen – ein schönes Hobby sein welches den Geist wach hält.

[ *) Dieser Post enthält Affiliate Links. Das kostet dich nichts, bringt mir aber etwas Einkünfte.]

Finanz-Rechner

Persönlicher Inflationsrechner des statistischen Bundesamtes.
Inflationsrechner mit historischen Daten.

Tools von Behavorial Finance:
Entspar-Simulation
Beurteilung der eigenen Risikotoleranz

Der Pivatier: Abfindungsrechner

FIRE Rechner
Crowdsourced Financial Independence and Retire Early Simulator (cFIREsim)
FiCalc
Finanzfluss: Finanzielle Freiheit Rechner
Frugalisten: Wann kann ich in Rente gehen?
FourPercentRule
Coast FIRE Calculator – Coasting to FI

Finanzfluss: Entnahmeplan-Rechner
ETF-Auszahlplanrechner
ETF Steuerrechner

Heydorn Onlinerechner für private Finanzen
Rechner für Nettorente (GdB, Steuer, KV)
Rechner für Rente und weitere Einnahmen (Mieteinnahmen, Nebenjob)
Mehrere Einkommen
Steuerrechner, Einkommensteuer (Rente, Zinserträge, Gewerbe)

Online-Rechner für Ihre individuelle Finanzplanung
zinsen-berechnen.de

Die Barwerte von Renten (ihren Wert in heutigem Geld) lassen sich mit folgendem Excel-Sheet und der Barwert-Funktion (BW, englisch PV) berechnen, siehe Grobe “Bierdeckel” Finanzplanung.

Bevor ich erstmals den Barwert einer Rente gerechnet hatte unterschätzte ich deren Wert deutlich. Mit z.B. nur 800€/Mon Rente zusätzlich sähe die Asset-Allokation für das Szenario “Risiko-Orientiert” bereits so aus:

Finanzplan-Rechner für den Ruhestand (Excel)

Vanguard
Retirement income calculator
Retirement Nest Egg Calculator

Can I Retiere Yet retirement calculators

Redditor-created Spreadsheets


Null Steuer auf Rente in Thailand

Weil Thailand die Steuer auf Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung (DRV-Renten) seit Jahren und auch aktuell nicht eintreibt lassen sich die Lebensumstände völlig legal so gestalten, dass man weder in TH noch in D Steuern auf die Rente zahlt.

Allerdings: Die Steuer auf Renten ist in D gar nicht sooo hoch

Beschränkte Steuerpflicht in D

Wer seinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Thailand hat ist in Deutschland beschränkt steuerpflichtig. Damit sind u.a. deutsche Mieteinnahmen, bestimmte Kapitalerträge und bestimmte Einnahmen aus Direktanlagen in Aktien oder Unternehmensanteile weiterhin in D steuerpflichtig – ohne Anrechnung wesentlicher Freibeträge!

Zur Besteuerung von Investments für beschränkt Steuerpflichtige ist zu unterscheiden zwischen Investments in Fonds und Direktanlagen in Aktien oder Unternehmensanteile. Zur Besteuerung von Investment und Kapitalerträgen siehe Lange Auslandsaufenthalte 3. Steuerliche Aspekte.

Ob eine Beantragung zur Abstandnahme vom Kapitalsteuerbezug oder auf nachträgliche Teilerstattung der Abgeltungssteuer mit TH funktioniert und im Zusammenhang mit dem in diesen Post beschriebenen Steuersparmodell für DRV-Renten sinnvoll ist weiß ich nicht.

Steuerfreiheit auf DRV-Renten

Nach Auslegung der Finanzverwaltung des Doppelbesteuerungs- abkommens (DBA) mit Thailand, Folie 8 (Artikel 18 Abs. 1 und 2 DBA) liegt das Besteuerungsrecht für Renten

  • bei DRV-Renten ausschließlich bei TH
  • bei bAV-Renten (ausg. aus Pensionskasse?) bei D
  • bei Renten aus privater Altersvorsorge (pAV) bei D

Das vorgenannte Steuersparmodell für TH wird durch Auskünfte des FA Neubrandenburg bestätigt, vgl. Bank, Rente und Steuern im Ausland, nicht unwichtig fürs Auswandern. Siehe auch: Wie Thailand reiche Ausländer anlocken will.

[??? Mir ist nicht klar, ob in dieser Konstellation die Steuer in D weiter reduzierbar wäre, indem man die unbeschränkte Steuerpflicht beantragt (damit Freibeträge wieder gelten) oder ob das der Anwendung des DBA widerspricht. Würde mich über einen klärenden Kommentar freuen!]

Häufig wird behauptet, das Abmelden aus D sei Voraussetzung für die Steuerfreiheit auf DRV-Renten in TH. Meines Erachtens ist nach § 8 AO Tz. 3 eine Abmeldung aus D unnötig, solange man seine dortige Wohnung nur für unregelmäßige kurze Aufenthalte nutzt, z.B. um Verwandte zu besuchen, als Heimaturlaub oder um Verwaltungsangelegenheiten zu erledigen (aber z.B. nicht bei Aufenthalt über 183 T oder 2 Mon am Stück). Das wird jedoch in vielen Foren anders gesehen.

Je nach Lebensumständen ist eine Abmeldung aus D nicht ausreichend. Folgende Merkmale können prinzipiell die unbeschränkte Steuerpflicht begründen, obwohl man sich aus D abgemeldet hat:

  • Überschreitung von 183 Übernachtungen in Deutschland.
  • Aufenthalt von mehr als 2 Mon am Stück in Deutschland.
  • Aufeinander folgende Aufenthalte in Deutschland, die nicht von mindestens 3 Wo Auslandsaufenthalt unterbrochen werden.
  • Ehepartner und / oder Kinder in Deutschland wohnhaft.
  • Laufende Miete oder Besitz einer Wohnung, die nicht langfristig (mindestens 6 Monate) (unter)vermietet wurde.

Faktisch ist der gewöhnliche Aufenthalt schwer zu verifizieren. Laut staatenlos.ch gab es in der Rechtsprechung bisher keinen Fall der Unterstellung eines Lebensmittelpunktes, sofern sich an die 3 essenziellen Faktoren (keine Wohnung, kein Aufenthalt über 183 T oder 2 Mon am Stück, kein verbliebener Ehepartner/Kinder) gehalten wurde.

Vorsicht! Renten nicht monatlich aus D überweisen lassen

Thailands einzigartiges Steuersystem versteuert nur Auslandseinkommen die im gleichen Jahr ins Land gebracht wurden. Um die Besteuerung von Auslandseinkommen in TH zu vermeiden braucht man also genügend Reserven um ein Jahr in Thailand ohne Überweisung aus D leben zu können. Für Rentner die sich monatlich ihre Rente nach Thailand überweisen (lassen) kann das problematisch werden weil hohe Nachforderungen der thailändischen Steuerbehörden kommen können. Deshalb sollte man seine Rente nicht direkt vom Rentenversicherer auf ein Konto in TH überweisen lassen, sondern seine jährlichen Ausgaben auf einem thailändischen Konto „zwischenspeichern“.

Die Steuer auf Renten ist in D gar nicht sooo hoch!

Die Steuer in Deutschland auf Renten ist gar nicht sooo hoch.

Beispiel: Ein alleinstehender Rentner zahlt bei Renteneintritt in 2020 ca. 63€ ESt pro Mon auf 1.700€ Bruttorente (das ist übrigens die Mindestrente für das thailändische Rentnervisum), siehe Heydorn Steuerrechner (Rente und Einkommen).
Das sind ca. 5,5% vom zu versteuernden Einkommen (um es mit dem Steuersatz im Erwerbsleben zu vergleichen) oder 3% vom Brutto (um es mit den gelobten 7% Pauschalsteuer auf ausländische Einkommen in Griechenland zu vergleichen).

Für die faktisch erreichbare höchste DRV-Rente von 2.500€ zahlt man ca. 2500€ (11,7%) ESt, bei zusätzlichen bAV-Renten und weiteren Einnahmen wie Mieteinahmen oder Kapitalerträgen kann natürlich entsprechend höhere ESt anfallen. Heydorn. Rechner für weitere Einnahmen (Mieteinnahmen, Nebenjob)

Die Steuer auf Renten wird übrigens nicht wie beim Gehalt bei der monatlichen Auszahlung einbehalten, sondern wird nach Vorliegen des Steuerbescheids fällig. Ab 400€ Steuer setzt das FA vierteljährliche Vorauszahlungen fest.

Liegen die steuerpflichtigen Jahreseinnahmen (Rente, Mieteinnahmen, Kapitalerträge, …) unter ca. 10T€ ist man in D steuerfrei und braucht man keine Steuererklärung abzugeben. Der steuerpflichtige Teil der DRV-Rente hängt vom Jahr des Renteneintritts ab, z.B. 80% bei Renteneintritt in 2020. Wer eine Steuererklärung einreichen muss

Die Rendite von Rentenbeiträgen in die DRV beträgt etwa 3%.

Freiberufler-Renten doppelt so hoch wie gesetzliche Renten. “Berufsständische Versorgungswerke zahlten Ende 2019 im Schnitt 2.135 Euro monatlich aus, die Rentenversicherung 954 Euro.”

Siehe auch Wann Rentner Einkommensteuer zahlen müssen.

Steuerliche Behandlung von Renten in OECD-Ländern:

Vergleich der Von Rentnern und Erwerbstätigen abgeführte Einkommensteuern und Sozialversicherungsbeiträge in den OECD-Ländern

Lange Auslandsaufenthalte 1. Generelle Aspekte

Finanzen

Man sollte immer eine sofort verfügbare Notreserve haben von etwa 6 Monatsausgaben oder mindestens 10T€, siehe Lange Auslandsaufenthalte 4. Krankenversicherung – Rückkehr und 2. Anlage-Strategien für den Ruhestand – Fundament. Auf einer deutschen Bank – wenn steuerlich nichts dagegen spricht, siehe Kontenmodell (für lange Auslandsaufenthalte) – Auswanderer.

Zur Generellen Finanzgestaltung für den Ruhestand siehe Finanzen.

Ab 50$/Tag lässt es sich in günstigen Ländern halbwegs bequem Langzeitreisen. Siehe How To Be World Travelers? $1500 Budget. Ich persönlich mag es etwas komfortabler.

Zu Steuern siehe Steuern auf Renten, Kapitalerträge, Mieteinnahmen und Die Steuer in D auf Renten ist gar nicht sooo hoch.

Die Kosten, um während des Auslandsaufenthalts weiter einen Wohnsitz in D zu behalten liegen m.E. bei mind. 300€/Mon für eine Kleinwohnung (mit Bad und Kochnische) als Alibi fürs Melderecht (mind. 23qm) oder um Sachen zu lagern. Für eine Wohnung in der man später vielleicht mal auf Dauer leben will ab 500€ – für meine Ansprüche ca. 800€. Vorsicht! Mit dem neuen Bundesmeldegesetz gibt es für Scheinanmeldungen (z.B. bei Freunden, Eltern) hohe Bußgelder! Siehe Lange Auslandsaufenthalte 2. Staatsbürgerschaft, Melderecht, Adressen.

Krankheitsrisiko

Das Risiko hoher Krankheitskosten sollte man mittels einer Krankenversicherung (KV) mit anderen Mitgliedern poolen. Vorsicht! der Mensch neigt generell zur Unterschätzung niedriger Wahrscheinlichkeiten.  Risiko ist die Kombination von  Eintrittswahrscheinlichkeit  und Auswirkung. Die GKV darf im außereuropäischen Ausland (bis auf wenige Sonderfälle) nicht leisten. Manche deutsche PKV-Tarife leisten für Urlaubsreisen von ein paar Wochen Dauer.
Wo die deutsche KV nicht gilt ist eine Auslands(Reise)KV unverzichtbar! Stattdessen 300€/Mon zurückzulegen ist zwar besser als nichts, deckt aber Kosten für eine Not/Erstversorgung im Reiseland oder einen Intensivrücktransport nicht sicher ab. Wer glaubt mit monatliche Rücklagen in Höhe typischer KV-Beiträge selbst vorsorgen zu können verkennt die Leistungen von KV durch verteilen hoher Risiken auf viele. Meines Erachtens braucht man für rein eigene Vorsorge mehr als ein paar Millionen € Gesamtvermögen.

Zur Kündigung einer GKV ist es nicht nötig sich aus D abzumelden oder seinen gewöhnlichen Aufenthaltsort außerhalb D nachzuweisen. Eine geeignete Auslands(Reise)KV alleine reicht hier völlig aus. Bei den PKV dagegen scheint eine Kündigung nur über das Abmelden aus D möglich zu sein.
In der GKV kostet eine Anwartschaft ca. 50€. Die PKV unterscheidet zwischen einer kleinen (kostet ca. 5-10% des Tarifs) und großen Anwartschaft (Eintrittsalter und Gesundheitszustand bleiben erhalten, kostet ca. 20-45% des Tarifs).
Bzgl. der KV ist nicht die Kündigung bei Ausreise das Problem, sondern was bei einer Rückwanderung passiert.

Siehe Lange Auslandsaufenthalte 4. Krankenversicherung.

Rückreise

Erfahrene Expats berichten, dass die meisten Langzeitreisenden und Auswanderer in ihr Heimatland zurückwandern, sobald sie sehr gebrechlich oder alt werden – wenn das ihnen denn möglich ist. Es gibt natürlich auch Fälle, in denen jemand gerade wegen einer Pflegebedürftigkeit nach Südostasien oder Osteuropa zieht.

Für eine Rückkehr aus dem Ausland nach D kann es viele Gründe geben: finanzielle, wirtschaftliche, emotionale, sprachliche, Erkrankungen, … Rückwanderung: Warum jeder Auswanderer eine Exit-Strategie benötigt. Für diesen Fall sollte man ausreichend Rücklagen haben um im Heimatland wieder auf die Beine zu kommen: z.B. genug für die Lebenshaltungskosten über 6 Mon auf einem Konto im Heimatland.

Siehe Lange Auslandsaufenthalte 4. Krankenversicherung -Rückkehr in die KV.

Links

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