Kontomodell für lange Auslandsaufenthalte

Zur Finanzgestaltung für den Ruhestand braucht man mindestens 2 Bankkonten. Meine Kontenstruktur weicht von der in Bild dargestellten ab. Ich habe mein Girokonto, mein allgemeines Tagesgeld, Notreserve-Tagesgeld und Depot schon seit 14+J bei der DKB(*) und bin damit sehr zufrieden. Bei der DKB stehen Mitte 2021 einige Änderungen an: Kostenlose Debit Visa Card, normale Visa Card und Giroard und eine Neue DKB-Banking-App.

Bei der ING habe ich ein „Extra-Konto“ (Tagesgeld). Früher hatte ich weitere Konten, aber seit es wegen der Einführung der Zwei-Faktor-Authentisierung (2FA) zum Anmelden kein Multi-Banking mehr gibt und Zinsen auf Tagesgeld und Festgeld uninteressant wurden habe ich das reduziert.

Zum Reisen braucht man mindestens 2 Kreditkarten von unterschiedlichen Banken und Anbietern (z.B.: Visa, Mastercard). Ich reise mit Kreditkarten von DKB (Visa), Amazon/LBB (Visa), Wise(*)(Mastercard) und Santander (1-Plus Visa). Zusätzlich habe ich noch die Girocard der DKB dabei, falls ich mal von der 2FA-App oder TAN2Go auch Chip-TAN zurückfallen muss. Mit der Girocard kann man aber auch im Ausland am ATM günstig Bargeld abheben.

Zum Eröffnen eines deutschen Bankkontos braucht man bei den meisten Banken eine deutschen Wohnsitz. Bei einigen kann man sein Konto weiter behalten auch wenn man sich aus D abmeldet. Manche Banken schicken neue Kreditkarten nach Ablauf der alten auch ins Ausland. Die DKB schickt keine neuen Karten ins Ausland. Sie bietet aber ein Notfallpaket. Dabei stellt sie innerhalb von Stunden über lokale Visa-Agenten eine Notfallkreditkarte aus (mit der man aber nicht am ATM abheben kann) und stellt lokal Notfallbargeld zur Verfügung.

Vorsicht ist geboten wenn man auch nur der kleinsten Bezug zur USA hat: Mir hat die ING das Depot gekündigt nur weil ich eine US-Telefonnummer (Google FI) in den Kontaktdaten eingetragen hatte, ohne irgendeine vorherige Ankündigung oder Rücksprachen. Vermutlich handeln die Banken hier so strikt um aufwändige Kommunikation mit der US Steuerbehörde zu vermeiden.
Ich würde selbst bei einer Auswanderung (Abmeldung aus D) möglichst immer ein deutsches Konto behalten und sei es nur für den Notfall einer Rückwanderung.

Ist man länger in einem Reiseland, dann kann es sinnvoll sein dort ein lokales Bankkonto zu eröffnen. Damit kann man z.B. Fremdkundengebühren (non-customer fee) vermeiden – z.B. 220THB pro Abhebung an Geldautomaten in Thailand, 250PHP in den Philippinen und 3USD in den USA. Fremdkundengebühren kann man minimieren, indem man immer den maximal erlaubten Betrag abhebt, der ist in TH häufig nur 10.000THB, aber es gibt wenige Banken deren ATM 30.000THB erlauben.
Bis letztes Jahr haben DKB und Santander die Fremdkundengebühren auf Antrag erstattet, das hat sich bei langen Reisen ganz schön zusammengeläppert. Aktuell gibt es keine Bank mit diesem Service mehr. Damit und durch weitere schlechte Konditionen hat die 1plus für mich ihre Attraktivität als Reisekreditkarte verloren.

Mit dem lokalen Konto erhält man problemlos eine lokale ATM-Card. Etwas aufwändiger ist es eine Kreditkarte einer lokalen Bank zu bekommen. Das Banking macht man online und hofft, dass nichts Wichtiges nur an der lokalen Postanschrift zum Konto ankommt.

Man kommt aber auch bei langen Auslandsaufenthalten prima ohne lokales Bankkonto aus indem man seine deutschen Kreditkarten in Geschäften und Restaurants und zu Bargeld am ATM abheben verwendet- Einfachheit ist ja immer gut.

Zum Überweisen von deutschen Konten auf Auslandskonten ist Wise(*) (ex TransferWise) günstig und komfortabel. Man kann eine kostenlose Wise Debit Mastercard beantragen. Auch Fremdwährungskonten lassen sich dort leicht führen, diese sind jedoch zur Vermögenssicherung in „Hartwährungen“ eher keine gute Idee, siehe Finanzgestaltung für den Ruhestand.

Mit Bargeld in lokaler Währung versorge ich mich praktisch nur an Geldautomaten (ATM) mit meinen Visa-Karten von DKB oder Santander. Bargeld wechsele in nur in Ausnahmefällen. Ich möchte möglichst wenig Bargeld zu beaufsichtigen haben und die Kurse in Wechselstuben und Banken sind nicht generell besser als die offiziellen Kurse der Kreditkarten:
Mastercard® Currency Converter Calculator
Visa Exchange rate calculator
First Data Kurse (wird von der DKB genutzt)
Viele schauen nur auf die Kurstafeln der Wechselstuben und übersehen Servicegebühren. Wechselstuben in Flughäfen vor der Immigration haben meist besonders schlechte Kurse – man geht besser an ein ATM nachdem man ein Gepäck vom Band geholt hat und durch den Zoll ist. In manchen Ländern wird in Wechselstuben generell betrogen.

Aber Vorsicht mit Bargeldabhebungen mittels Kreditkarten!

  • Es kommt am ATM auf die Art der Karte an: Die DKB und Santander 1plus Visa-Karten und deutsche Giro-Karten kosten am ATM außer den unvermeidlichen Fremdkundengebühren keine Gebühren. Mit „normalen“ Kreditkarten fallen beim Abheben am ATM aber sehr hohe Cash Advance Fees an.
  • Niemals sollte man am ATM oder im Hotel die Möglichkeit wählen, das Heimatkonto in der Heimatwährung Euro zu belasten „dynamic currency conversion“. Dabei erhält man extrem schlechte Wechselkurse. Also immer in der Landeswährung belasten lassen, dann wird der faire offizielle Wechselkurs von Visa bzw. Mastercard verwendet, Links s.O..

Will man Bargeld wechseln sollte das gut geplant sein: Möglichst kurz am Mann haben und eine gute Wechselstube/Bank wählen: Wenn ich z.B. am Anfang einer Thailand-Reise eine Vorauszahlung für ein Condo leisten muss, für die ich mehrere ATM-Abhebungen benötigen würde, dann nehme ich den Betrag in Euro mit und wechsele im Untergeschoss des Suvarnabhumi Flughafens in der Wechselstube Superrich.

Bei Oanda kann man sich ein praktisches Traveler’s Cheatsheet erzeugen lassen, welches sich schön für den Geldbeutel falten lässt. Damit kommt man auch mal ohne Handy aus.

Für Rentner in TH ist folgender Sonderfall zu beachten: Mit gewöhnlichem Aufenthalt in TH kann man die Besteuerung seiner DRV-Rente vollständig vermeiden. Bedingung hierfür scheint aber zu sein, dass die Rente im Jahr der Entstehung nicht nach TH transferiert wurde, also unterjährig auf einem deutschen Konto zwischengeparkt wurde. Man sollte seine Rente also nicht von der DRV direkt auf ein Konto in TH überweisen lassen. Im Kontenmodell lasse ich sie über ein deutsches Tagegeld-Konto und Wise nach TH laufen.

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