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Schlagwort: Steuer

Mythen und Fakten zur gesetzlichen Rentenversicherung (DRV)

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Zum Thema DRV-Renten wird, angereizt durch reißerische Überschriften, vieles durcheinander geworfen oder falsch negativ dargestellt.

Mythen und berechtigte Kritik

In Wikipedia gibt es eine gute Übersicht Gesetzliche Rentenversicherung (Deutschland) .

Aussagen wie „wer weiss ob man überhaupt noch eine Rente kriegtsind irreführend. Die generelle Sicherheit der DRV-Rente und deren Höhe sind unterschiedliche Themen.

Die staatliche deutsche Rentenversicherung (DRV) hat die beste Bonität, die man sich vorstellen kann. Sie wird vermutlich auch zukünftig einen zumindest teilweisen Inflationsausgleich erbringen.

Die Höhe der zu erwartenden Rente beruht auf politischen Entscheidungen mit denen man einverstanden sein mag, oder auch nicht. Die Gestaltung des Umlageverfahrens muss permanent an wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen angepasst werden.

Viele Bestandsrentner verwirren zukünftige Entwicklungen die evtl. auf Neurentner zukommen mit ihrer eigenen Situation.

Niemand wird von einem ggf. geringen DRV-Rentenanspruch überrascht: Ab einem Alter von 27J erhält man jährlich automatisch eine persönliche Renteninformation mit dem aktuellen Stand seiner erworbenen Rentenansprüche. Man kann sich jederzeit bei der DRV zu seinem Rentenanspruch informieren, siehe Gute Elektronik – Ausweis App.

Verqueres zu Corona-Krise und Altersbezügen: Rentnerinnen und Rentner – Gewinner der Pandemie?

Die Rentenbeiträge sind nicht permanent gestiegen, sie lagen 1997 bei 20,3% und liegen 2021 bei 18.6%.

Häufig wird die Gefährdung umlagefinanzierter Renten durch die älter werdende Gesellschaft angeführt. Zum Funktionieren von umlagefinanzierten Renten ist nicht nur der demografische Wandel (als negativer Einflussfaktor) wichtig sondern auch der Produktivitätsfortschritt scheint ein wesentlicher stützender Faktor zu sein (habe nicht tiefer dazu recherchiert). Eine Polemik dazu: Produktivität schlägt Demografie, sachlicher hier: Demografischer Wandel und Renten: Beschäftigungspotenziale erfolgreich nutzen .

Im Juni 2021 legte der wissenschaftliche Beirat des Bundeswirtschafts-
ministeriums einen Reformvorschlag zur Vermeidung absehbarer zukünftiger Finanzierungsprobleme vor welcher in vielen Pressemitteilungen verzerrt dargestellt und von Parteivertretern unnötig populistisch und konfrontativ diskutiert wird, siehe Presseerklärung Vorschläge für eine Reform der gesetzlichen Rentenversicherung und vollständiger Wortlaut.

Ohne zügige neue Maßnahmen werde der Beitragssatz für die jüngeren steigen oder das Rentenniveau deutlich fallen oder die Bundeszuschüsse stark steigen.
Die Experten schlagen deshalb vor:

  • Dynamische Kopplung des Renteneintrittsalters an die Entwicklung der Lebenserwartung.
    Laut Prognose 68J im Jahr 2042 (also in 20J).
    Mit Ausnahmeregelungen bei gesundheitlichen Einschränkungen
  • Bestandsrenten weniger stark dynamisieren (Degressiv-Modell).
  • Rente pro Entgeltpunkt mit Anzahl der Rentenpunkte reduzieren.

Eine Ausweitung des Versichertenkreises der umlagefinanzierten Rente auf Beamte, Abgeordnete, Selbständige, … würde die Situation zwar verbessern und etwas Umverteilung mittels höherer Beitragsbemessungrenze bei gedeckeltem Rentenanspruch ermöglichen, als alleinige Maßnahme werde das aber nicht ausreichen.

Weitere mögliche Reformmaßnahmen sind:

  • Erhöhung des Mindestlohns.
    Für höhere Rentenansprüche von Geringverdienern.
  • Gesteuerte Einwanderung.
    Für mehr junge Beitragszahler.
  • Zusätzliche kapitalgedeckte Vorsorge.
    Durch verpflichtendes(!) Investieren aus unversteuertem Einkommen in Aktien und Anleihen. Dazu könnte die DRV zwei oder drei alternative Asset-Allokationen anbieten und günstig (unter Umgehung der Finanzindustrie) verwalten. Siehe Bürgerfond der Grünen.
  • Produktivitätsfortschritt ermöglichen.
    Durch Gestalten eines wirtschaftlichen Umfelds in welchem großer Produktivitätsfortschritt möglich ist.
  • Rentensteigerung nur entsprechend der Inflationsrate.
    Nicht wie bisher an Lohnentwicklung gekoppelt.
  • Bundeszuschüsse erhöhen.
    Derzeit fließen ca. 25% des Bundeshaushaltes in die DRV,
    Dabei ist zu beachten, dass das Rentensystem in der Vergangenheit durch politische Entscheidungen belastet wurde (Wiedervereinigung, Mütterrente, …). Auch sind Ausgaben für die DRV nicht vertan sondern sichern den Lebensstandard der Rentner-Familien und fließen in de Wirtschaft. Siehe „Höheres Rentenniveau allein durch Beiträge finanzierbar“.
  • Rentenbeiträge erhöhen.
    Sind in 2021 18.6%, waren 1997 20,3%.
  • Rentenniveau generell senken.

Laut Portal Sozialpolitik Jedenfalls nicht bei diesem gesetzlichen Mindestlohn
bräuchte es wenn alle anderen Parameter unverändert blieben bei einer Beitragszeit von 45J einen Mindestlohn von 16,15€ um über die Grundsicherung zu kommen.

Der vorgenannten kapitalgedeckten Vorsorge entgegen steht neben der Lobbyarbeit der Versicherungswirtschaft die Angst der Deutschen vor Aktien und verbreitete Sicherheitsillusionen zu Immobilien und Bankeinlagen welche wesentlich auf fehlender Finanzbildung (auch mir fehlte diese) beruhen, siehe 1. Anlage-Instrumente zur Finanzgestaltung.

Befürworter rein kapitalgedeckter Vorsorge übersehen leicht das Langlebigkeitsrisiko, siehe 0. Grundlagen zur Finanzgestaltung für den Ruhestand.

In einem Sozialstaat wie D, in welchem zur Not die Allgemeinheit für Notlagen des Einzelnen einspringt finde ich es richtig dass auch eine kapitalgedeckte Vorsorge Pflicht wäre. Viele sind nicht der Lage oder willens für ihre eigene Vorsorge zu sorgen, siehe Verhaltens-Mechanismen von Anlegern (Behavorial Finance). Wer z.B. bei knappem Einkommen 250€ / Monat verraucht hat offensichtlich die Kontrolle über sein Leben verloren. Deshalb scheint es mir nicht weise zu sein alles der persönlichen Initiative zu überlassen. Natürlich sollte in der Not jedem geholfen werden – die Schwierigkeiten für z.B. Obdachlose, Süchtige oder psychisch Kranke aus ihren Dilemmas herauszukommen kann man sich als Außenstehender wohl kaum vorstellen.

Es ist anzunehmen, dass wenn die Politik nicht für faire Entlastungen der jüngeren sorgt das BVerfG ein ähnliches Urteil wie zum Klimawandel zu deren Gunsten fällen wird, siehe BVerfG fordert zur Freiheitssicherung schärfere Maßnahmen gegen Klimawandel.

Es gibt keine generelle Doppelbesteuerung nach dem Motto „ich muss meine gesamten schon versteuerten Einzahlungen als Rentner nochmal versteuern“. Bei den Renten in Deutschland wird seit 2005 schrittweise die sog. „Nachgelagerte Besteuerung“ eingeführt. „Nachgelagert“ bedeutet hier, dass die Beiträge, die man während der aktiven Beschäftigungsphase in die Rentenversicherung einzahlt, erst einmal von der Steuer befreit sind, dann aber später (eben „nachgelagert“) beim Bezug der Rente versteuert werden. Da die Besteuerung der Renten aber vor 2005 anders geregelt war gibt es eine langfristige Übergangsregelung, in der sowohl die Absetzbarkeit der Rentenbeiträge als auch die Besteuerung der Rentenbezüge langsam angepasst werden.

Mit dem Grundsatzurteil zur Doppelbesteuerung des Bundesfinanzhofs vom 31.5.21 können Selbständige, Singles und Bezieher hoher Renten und künftige Rentnergenerationen mit einer Reduzierung der Steuern auf ihre Renten rechnen. Detaillierte Infos zu den beiden Urteilen: BFH urteilt zur Doppelbesteuerung der Renten I + II.

  • Auch bisher galt schon: Um Doppelbesteuerungen zu vermeiden muss die Summe der steuerfreien Rente (hochgerechnet auf die voraussichtliche Rentenbezugsdauer entsprechend der statistischen Restlebenserwartung) höher sein als die Summe der Beitragszahlungen aus versteuertem Einkommen.
  • Das Gericht verlangt nun folgende Änderung vom Gesetzgeber: Bei de Berechnung dürfen nicht mehr wie bisher einbezogen werden: Grundfreibetrag, die Werbungskostenpauschale, AN-Anteile der steuerfreien Sozialversicherungsbeiträge.
  • Der Gesetzgeber will das in der nächsten Legislaturperiode entsprechend regeln.
  • Tagesschau: Bundesfinanzhof zur Doppelbesteuerung von Renten, @00:25.

Die gesetzliche Rente sinkt nicht – es gibt eine staatliche Rentengarantie, welche ein Absinken gesetzlich ausschließt.

Auch Selbständige können sich gesetzlich rentenversichern.

Die Steuer auf Renten ist in D gar nicht sooo hoch!
Die Steuer auf Renten wird nicht wie beim Gehalt bei der monatlichen Auszahlung einbehalten, sondern wird nach Vorliegen des Steuerbescheids fällig. Ab 400€ Steuer setzt das FA vierteljährliche Vorauszahlungen fest.

Die Rendite der DRV lässt sich schlecht mit anderen Finanzprodukten vergleichen. Sie beinhaltet eine rudimentäre Erwerbsminderungsrente und zahlt lebenslang (im Unterschied z.B. zu einem Auszahlplan mit begrenzter Laufzeit), siehe: Hat die gesetzliche Rente eine Rendite?, Aktien-ETF mit Entnahmestrategie oder gesetzliche Rente – was ist vorteilhafter?

Gerd Kommer sieht die umlagefinanzierte Renten kritisch, beurteilt sie aber für Jahrgänge bis 1958 als noch gut, siehe „Ist die deutsche Rentenversicherung ein Schneeballsystem?“ in Souverän investieren(*).

Falsch positive Annahmen

Es gibt aber auch falsch positive Annahmen. Die Abschläge von der Rente für Frührentner bleiben nach Erreichen des regulären Eintrittsalters weiter bestehen.

Beratungsmöglichkeiten

In persönlichen Beratungsgesprächen mit der DRV wird man nach meiner Erfahrung ausgesprochen gut beraten (nur steuerliche Themen sind laut deren Vorgaben ausgeschlossen). Für eine breitere Sicht als nur die gesetzlichen Renten ist eine Beratung durch einen Rentenberater auf Honorarbasis erwägenswert, siehe Bundesverband der Rentenberater. Mir hat ein solcher Rentenberater einen Streit mit meiner GKV um das Dispositionsrecht mit einem einzigen Schreiben zu meinen Gunsten gedreht (sogar ohne unseren Widerspruch überhaupt zu begründen).

Übersicht Rentensysteme in Europa

Das Max-Planck-Institut für Sozialrecht hat online eine Übersicht über die Rentensysteme in zehn europäischen Staaten erstellt, die interessante Zahlen und Fakten verbindet: Pension Maps.

Mythos Spitzensteuersatz

Oft wird fälschlicherweise angenommen, dass Normalverdiener (z.B. Facharbeiter) bereits den Spitzensteuersatz von 45% (ab 274T€ zu versteuerndem Jahreseinkommen) oder den Grenzsteuersatz von 42% (ab 58T€) zahlen. Auch gelten beide Werte nicht als Steuersatz für das gesamte Einkommen sondern nur für den die betreffenden Einkommensgrenzen überschreitenden Anteil. Besser wäre meist eine Betrachtung des Durchschnittssteuersatzes (26% bei einem zu versteuernden Einkommen von 58T€). Siehe Steuermythen.de „Auch Facharbeiter*innen zahlen schon den Spitzensteuersatz“.

Mythos Deutschland ist ein Hochsteuerland

Deutschland liegt beim Vergleich der Steuer- und Abgabenquoten innerhalb der OECD im Mittelfeld, siehe Steuermythen.de: Deutschland ist ein Hochsteuerland.

Links

Weitere aktuelle Infos hier:
Portal Sozialpolitik
Ihre Vorsorge – Unabhängiges Vorsorge-Portal mit interessanten Forum mit Experten von der DRV

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Die Steuer auf Renten ist in D gar nicht sooo hoch!

Die Steuer in Deutschland auf Renten ist gar nicht sooo hoch.

Beispiel: Ein alleinstehender Rentner zahlt bei Renteneintritt in 2020 ca. 63€ ESt pro Mon auf 1.700€ Bruttorente (das ist übrigens die Mindestrente für das thailändische Rentnervisum), siehe Heydorn Steuerrechner (Rente und Einkommen).
Das sind ca. 5,5% vom zu versteuernden Einkommen (um es mit dem Steuersatz im Erwerbsleben zu vergleichen) oder 3% vom Brutto (um es mit den gelobten 7% Pauschalsteuer auf ausländische Einkommen in Griechenland zu vergleichen).

Für die faktisch erreichbare höchste DRV-Rente von 2.500€ zahlt man ca. 2500€ (11,7%) ESt, bei zusätzlichen bAV-Renten und weiteren Einnahmen wie Mieteinahmen oder Kapitalerträgen kann natürlich entsprechend höhere ESt anfallen. Heydorn. Rechner für weitere Einnahmen (Mieteinnahmen, Nebenjob)

Die Steuer auf Renten wird übrigens nicht wie beim Gehalt bei der monatlichen Auszahlung einbehalten, sondern wird nach Vorliegen des Steuerbescheids fällig. Ab 400€ Steuer setzt das FA vierteljährliche Vorauszahlungen fest.

Liegen die steuerpflichtigen Jahreseinnahmen (Rente, Mieteinnahmen, Kapitalerträge, …) unter ca. 10T€ ist man in D steuerfrei und braucht man keine Steuererklärung abzugeben. Der steuerpflichtige Teil der DRV-Rente hängt vom Jahr des Renteneintritts ab, z.B. 80% bei Renteneintritt in 2020. Wer eine Steuererklärung einreichen muss

Die Rendite von Rentenbeiträgen in die DRV beträgt etwa 3%.

Freiberufler-Renten doppelt so hoch wie gesetzliche Renten. „Berufsständische Versorgungswerke zahlten Ende 2019 im Schnitt 2.135 Euro monatlich aus, die Rentenversicherung 954 Euro.“

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