Infos und Anregungen zu "Im Ruhestand die Welt bereisen"

Schlagwort: Alter

1. Anlage-Instrumente zur Finanzgestaltung

Hier meine Notizen zu Anlageinstrumenten zur Finanzgestaltung für den Ruhestand.

[Meine Aussagen zum Investieren sind generell pro passives Investieren mit ETFs nach der Investmentphilosophie von Gerd Kommer gefärbt, weil das für meine persönliche Situation eine gute Lösung ist.  Bitte behaltet diesen Bias beim Lesen im Hinterkopf.)

Im Kontext dieses Blogs „… im Ruhestand“ ist bei der Bewertung von Anlageinstrumenten vorsorglich das wahrscheinliche Nachlassen geistiger Fähigkeiten mit dem Alter zu bedenken. Die eigenen Fähigkeiten können plötzlich oder schleichend (unbemerkt) nachlassen, oder auch gar nicht. Siehe auch Vorsorge für Notfälle.

Im Kontext „Weltweit …“ ist die Konstellation einer Beziehung mit einem ausländischen Partner zu bedenken, siehe 5. Finanzgestaltung – Internationale Aspekte.

Geeignete Anlageinstrumente

Folgende Anlageinstrumente kommen bei der Finanzgestaltung für den Ruhestand in Frage. Erwartbare inflationsbereinigte Renditen (in 2021 auf absehbare Zeit) stehen in Klammern [%]

Wer unbedingt mit etwas Spielgeld spekulieren will sollte das mit max. 10% seines Vermögens tun. Dabei ist es wichtig, seine Grenzen einzuhalten – Spekulieren birgt ein nicht zu unterschätzendes Suchtpotential!

Renten (DRV, bAV, pAV)

Renten können wesentlicher Baustein eines Finanzplanes sein weil sie das Langlebigkeitsrisiko absichern, siehe Finanztip Gesetzliche Rentenversicherung: Der wichtigste Baustein für die Altersvorsorge.

Die staatliche deutsche Rentenversicherung (DRV) hat die beste Bonität, die man sich vorstellen kann. Sie wird vermutlich auch zukünftig einen zumindest teilweisen Inflationsausgleich erbringen. Mit ihr lassen sich die Grundbedürfnisse (Essen, Wohnen inkl. Nebenkosten, Krankenversicherung [auch auf Reisen], Kleidung, Kommunikation (Tel, Internet), Transport, Freizeit, Bildung) lebenslang sichern. Dazu sind aber entsprechende Anwartschaften nötig. Diese lassen sich erhöhen durch Freiwillige Einzahlungen in die DRV welche gerade im Alter kurz vor Rentenbeginn besonders attraktiv sind. Mit der Flexirente kann man seine DRV-Rente freier gestalten.

Die Rendite der DRV lässt sich schlecht mit anderen Finanzprodukten vergleichen. Sie zahlt einen Teil der KV-Beiträge, beinhaltet eine rudimentäre Erwerbsminderungsrente und zahlt lebenslang – im Unterschied z.B. zu einem Auszahlplan mit begrenzter Laufzeit. Die Untersuchung Hat die gesetzliche Rente eine Rendite? kommt auf eine Brutto-Rendite von ca. 3,5% (das sind 1,5% bei 2% Inflation). Aktien-ETF mit Entnahmestrategie oder gesetzliche Rente – was ist vorteilhafter?

Zum Thema DRV-Renten wird, angereizt durch reißerische Überschriften, vieles durcheinander geworfen und falsch negativ dargestellt, siehe Mythen und Fakten zur gesetzlichen Rentenversicherung (DRV) und Die Steuer auf Renten ist in D gar nicht sooo hoch!

Die meisten Produkte der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) sind leider Mogelpackungen mit illusorischen Steuervorteilen, bei denen ein Großteil der Förderung in den Taschen der Versicherer verschwindet. Auf unsere Politik lässt sich manchmal Übles einfallen: Besonders schäbig war die nachträgliche Einführung von GKV-Beiträgen (fast 20%) auf Kapitalauszahlungen und Renten aus Direktversicherungen – unglaublicher Weise sogar rückwirkend für Altverträge. Das wurde zwar im Jahr 2020 durch Einführung eines Freibetrags etwas gemildert, aber nur für pflichtversicherte der GKV, nicht für freiwillig in der GKV Versicherte.

Hat man keine für die Grundbedürfnisse ausreichenden Renten aus der DRV oder bAV kann man private Rentenversicherungen (pAV) zur Absicherung des Langlebigkeitsrisikos erwägen, siehe Finanztip Private Rentenversicherung: Monatliche Zahlungen bis ans Lebensende. Dabei gibt es aufgeschobene Rentenversicherungen oder Sofortrenten. Mit der Auszahlungsoption „dynamische Renten“ wird die Rente vielleicht etwas inflationsangepasst.

Allerdings ist die Rendite dieser Versicherungen generell schlecht. In ihnen sind erhebliche Kosten für Verwaltung, Vertrieb und Risiko (für den rudimentären Garantiezins und Langlebigkeit) versteckt. Die Fondgebundenen Varianten verstecken hohe Gebühren in ihren Fondmänteln. Außerdem besteht ein Insolvenzrisiko des Versicherers – die bestehenden Auffanggesellschaften würden die Pleite eines großen Versicherers wohl kaum überleben. Dass Kapital-Lebensversicherungen ein generell ausgesprochen schlechtes Produkt sind, hat sich ja wohl überall herumgesprochen. Ich traue privaten (Renten)Versicherern generell nicht und finde es generell hilfreich im Umgang mit privaten Versicherern und Finanzinstituten davon auszugehen es mit organisierter Kriminalität zu tun zu haben, sonst wird man über den Tisch gezogen. Aber Risiken aus Langlebigkeit oder Krankheit poolt man halt am besten mit Anderen in einer Versicherung – außer man ist richtig reich (das fängt für mich so bei 3 Mio Euro Gesamtvermögen an).

Zum Umgang mit bestehenden (Kapital)Lebensversicherungen berät die Verbraucherzentrale Hamburg per E-Mail: Vertragsprüfung Kapitallebens- und Rentenversicherung – Schriftlich – Lebens- und Rentenversicherung / Sparen und Geldanlage / Probleme mit der Versicherung / Versicherungen. In meinem Fall war die Bearbeitungszeit recht lang, worauf die VZHH aber auch von vornherein hinwies. Häufig ist Kündigen keine so gute Idee. Alte Verträge bieten meist im Vergleich zu heutigen günstigen Zinsen. Alternativ kann man die Versicherung beitragsfrei stellen oder verkaufen. Auch Versicherungsberater beraten unabhängig (diese arbeiten auf Honorarbasis und dürfen keine Provisionen kassieren). Von einer Beratung durch Bankmitarbeiter, Versicherungsmakler oder gar Versicherungsvertreter ist generell abzuraten.

Alternativ zu Rentenversicherungen kann man sich einen eigenen Auszahlplan gestalten. Dazu gibt es folgende Faustregel: Bei 2,5 Prozent Zins im Alter und einer Rentenlaufzeit von 30 Jahren braucht man 25.500 Euro , um sich davon eine Rente von 100 Euro zahlen zu können. Für 500 Euro Zusatzrente braucht man einen Kapitalstock von 127.500 Euro. Bei Auswahlplänen besteht allerdings das Problem die Laufzeit festzulegen. Ist diese zu kurz bleibt Leben am Ende des Geldes übrig, ist sie zu lang bleibt Geld am Ende des Lebens übrig. Als Kompromiss bietet sich eine hybride Lösung aus Sofortrente und Auszahlplan an: Statt z.B. 100T€ vollständig in einen Auszahlplan oder eine Sofortrente zu investieren den Betrag aufteilen: Im Alter von 60J z.B. 30T€ in eine lebenslange Rente ab dem 85. Lebensjahr einzahlen und die restlichen 70T€ in einen Auszahlplan mit 30J Laufzeit. Am einfachsten legt man die 70T€ in einem Multi-Asset-ETF wie dem Arero (60% Aktien, 25% Anleihen, 15% Rohstoffe) an oder mit einer konservativen Allokation von 30% Aktien und 70% Anleihen. Damit kann man je nach Marktentwicklung eine Rente von 200€ bis 330€/Mon erwarten. Die Höhe der einzelnen Entnahmen lässt sich an die Marktentwicklung anpassen.

Bein Renten ist der Zeitpunkt des Rentenbeginns zu beachten. Bei vorzeitigem Ruhestand ist der Zeitraum bis zum Renteneintritt zu finanzieren. Dabei gilt es u.a. folgende Aspekte zu beachten: Rentenansprüche, Abfindungen, ALG I, vollständig Selbstzahler für KV Beiträge. Gute Informationen dazu finden sich im Forum Der Privatier und seinem Buch Per Abfindung in den Ruhestand(*)

Bankeinlagen (Tagesgeld, Festgeld)

Bankeinlagen wie Tagesgelder, Festgelder oder Gelder auf Girokonten werden von den meisten fälschlicherweise als besonders risikoarm angesehen. Sie sind jedoch nur bis 100T€ pro Bank über die Einlagensicherung abgesichert und bergen trotz der Einlagensicherung ein Ausfallrisiko, vgl. Das unterschätzte Risiko von Bankguthaben und Der Finanzwesir – Was Sie über Vermögensaufbau wirklich wissen müssen(*). Festgeldleitern bieten auf absehbare Zeit keine den zusätzlichen Aufwand rechtfertigende Vorteile gegenüber Tagesgeld

Spätestens bei Beträgen über 200T€ sind Anleihen statt Bankeinlagen zu erwägen. Sie bieten höhere Sicherheit und ersparen die Verteilerei auf viele Tagesgeld-Banken, siehe Kontenmodell. Für langfristige Sicherheit sind Bankguthaben oberhalb der staatlichen Einlagensicherung nicht tolerierbar risikoreich. Auch die sich immer mehr verbreitenden Negativzinsen deuten in Richtung Anleihen – wobei der Markt das sicher auch schon längst in den Konditionen von Anleihen berücksichtigt hat.

Die Zinsen auf Bankeinlagen waren auch in der Vergangenheit nicht wirklich attraktiv wenn man die Nettozinsen betrachtet, also Bruttozinsen abzüglich Inflation und Kosten, vgl. Nullzinsen und Anlagenotstand – real oder nur konstruiert?

Finanztip Realzinsen

Niedrige Zinsen allein sind kein Grund an die Börse zu gehen. Zum Kaufen von Aktien oder Anleihen sollte man schon den Wunsch haben am Produktivkapital beteiligt zu sein, Mitbesitzer zu sein und langfristig von der Wertschöpfung profitieren, entweder über Dividenden oder über Kurssteigerungen.

Fonds (Aktien, Anleihen, Immobilien)

Was ist ein Depot? – Aktiendepot, Broker & Co. einfach erklärt

Investmentfonds- und Einzelwertpapier-Anlagen auf einem Bankdepot sind im Gegensatz zu Bankeinlagen nicht vom Einlagenrisiko betroffen, denn im Konkursfall der Bank fallen diese Investments, im Unterschied zu den Kontoguthaben, nicht zur Konkursmasse der Bank.

Investmentfonds bieten im Vergleich zu Einzelwertanlagen eine einfachere Möglichkeit mit hoher Diversifikation in den weltweiten Aktien- und Anleihemarkt zu investieren.

Exchange-Traded Funds (ETF)

ETF sind börsennotierte Investmentfonds meistens Indexfonds, die in etwa die gleiche Rendite erwirtschaften wie ihr Vergleichsindex (Dax, S&P 500, MSCI World, FTSE All-World). Da dies ohne Fondsmanagement geschieht, sind ETF passiv und damit gegenüber aktiv gemanagten Fonds besonders kostengünstig.

Zur Anlage für den Ruhestand geeignet sind ETF die breite Indices abbilden. Weniger geeignet sind Trend- und Nischen-ETF.

Finanzwesir: Wir lichten das Index-Dickicht.

Es gibt einiges an Kritik zur Anlage in ETF, das meiste scheint mir nicht stichhaltig und von interessierter Seite zu kommen. Hier ein paar Links zur Klärung:
Kommer: Die absurde Dämonisierung von ETFs
Dagoberts Nichte: Gibt es eine ETF-Blase? (Teil 1) // Marktdominanz der ETFs, Gibt es eine ETF-Blase? (Teil 2) // ETF-Mechanik verstehen

Aktien-ETF

Aktien-ETFs bieten eine einfache Möglichkeit mit hoher Diversifikation kostengünstig in den weltweiten Aktienmarkt zu investieren.

Prinzipiell ist ein einziger ETF völlig ausreichend: schön einfach, kostengünstig und diversifiziert genug. Für eine 1-ETF Strategie sind die kostengünstigen Vanguard All-Word UCITS ETF auf den Index FTSE All-World interessant:

Für die ersten ca. 50T€ Anlagesumme bietet sich der ausschüttenden A1JX52 an um die 801€ Steuerfreibetrag mitzunehmen. Ansonsten ist der thesaurierende A2PKXG vorzuziehen, weil man sich damit das manuelle Reinvestieren von Ausschüttungen (etwa 4mal/Jahr) erspart – manche Broker bieten eine automatische Reinvestition von Erträgen an.

Der Finanzwesir(*) beschreibt vier Musterportfolios:

  • Die Ein-ETF-Lösung.
  • Zwei ETFs: Industrieländer plus Schwellenländer.
  • Drei ETFs, gewichtet nach Bruttoinlandsprodukt (BIP): Industrieländer, Europa, Schwellenländer.
  • Vier ETFs: Die Regio-Lösung mit den vier Wirtschaftsräumen Nordamerika, Europa, Pazifikraum

Mir ist der den Vanguard ETF unterliegende Index FTSE sympathischer als der MSCI weil er eine etwas breitere Marktabdeckung hat, vgl. Finanzwesir Der Index-Aldi jetzt auch in Deutschland. Am Ende ist dieser Unterschied aber eher irrelevant.

Finanztip: Diese Alle-Länder-ETFs überzeugen.

Bei Multi-Asset Fonds sollte man auf die Aktienquote achten – liegt diese wie beim Arero bei mindestens 51% dann fällt signifikant geringere Abgeltungssteuer an.

Liefert Arero gute Performance bei aktueller Rohstoffknappheit?

Ob nachhaltige ETF aus finanzieller- oder Umwelt-Sicht sinnvoll sind ist ein komplexes Thema, siehe:

Mittlerweile gibt es gibt auch nachhaltige ETF von Vanguard.
Nachhaltig anlegen in die grüne Welt-AG mit „Vanguard ESG Global All Cap ETF“
und einen nachhaltigen Arero.

Anleihen-ETF

Anleihen-ETF sind laut Finanzwesir im Gegensatz zu einfach verstehbaren Aktien-ETF „hinterhältige Biester“. Sie sind komplexer als man so denkt – z.B. fällt ihr Kurswert kontraintuitiv wenn die Zinsen steigen. Von Anleihen verstehe ich noch weniger als von Aktien, was keine gute Voraussetzung fürs Anlegen ist. Für den risikoarmen Anteil werden kurz laufende deutsche oder europäische Staatsanleihen bester Bonität empfohlen. Prinzipiell wären auch Staatsanleihen der USA geeignet, diese bergen aber ein Fremdwährungsrisiko.

Kurz laufenden Staatsanleihen bester Bonität bergen ein geringeres Risiko als Bankeinlagen. Spätestens bei Beträgen über 200T€ sind Anleihen, statt Bankeinlagen zu erwägen um unkompliziert unter der 100T€-Grenze der Einlagensicherung zu bleiben. Damit ist auch verständlich, warum z.B. Großinvestoren negativ verzinste Bundesanleihen kaufen.

Überblick zu Anleihen:

Nikolaus Braun empfiehlt(*): Einen geeigneten ETF für Ihren Stabilitätsbaustein finden Sie etwa auf der Seite von extra ETF:

  • Bloomberg Barclays 1–3 Year Euro Government Bond
  • Euro Government Bond 1–3
  • Eurozone Government Bond 1–3

Der Finanzwesir empfiehlt(*)

  • Deutsche Boerse EUROGOV Germany
  • eb.rexx Government Germany
  • iBoxx EUR Liquid Sovereign (europäisch)

Es gibt auch Inflationsindexierte Staatsanleihen welche das Inflationsrisiko mindern. Der Schutz kostet natürlich etwas. Der höhere Kaufpreis kann die Rendite im Vergleich zu nicht inflationsindexierten Varianten erheblich senken – aber im risikoarmen Teil liegt der Schwerpunkt ja auf der Sicherheit. Weil sie risikoärmer sind, kann man bei ihnen längere Laufzeiten tolerieren. Ihr Anteil am risikoarmen Teil des Anlageportfolios sollte ca. 30% aber nicht überschreiten, siehe

Immobilien-ETF und REITs

Immobilien-ETF und REITs haben gegenüber selbst- oder fremdgenutzten Immobilien einen Liquiditätsvorteil und man vermeidet den teils erheblichen Aufwand für Selbstverwaltung. Diese Vorteile sind gegen die Kosten abzuwägen.

Immobilien sind in einem breiten Weltindex bereits mit ca. 5% enthalten. Da sie jedoch eine relativ niedrige Korrelation zum restlichen Aktienmarkt aufweisen ist es erwägenswert sie im risikobehafteten Teil des Portfolios etwas überzugewichten.

Einzelwertinvestments (Aktien, Anleihen)

Einzelwertinvestments in Aktien oder Anleihen bergen im Vergleich zu Fonds ein deutlich höheres Risiko mit fraglich höheren Renditeaussichten bei deutlich höherem Aufwand und höheren Anforderungen an das eigene Know-How.
Für die meisten Privatanleger werden ihre Renditen durch die Diversifikation von Indexfonds geschlagen. Alle Infos und Ideen die ein schlauer Privatinvestor vor allen anderen zu haben glaubt sind m.E. längst von institutionellen Investoren und dem Markt berücksichtigt. Einzelwertinvestments brauchen viel mehr Sachverstand, können schädliche Transaktionskosten erzeugen und fordern beträchtlichen Arbeitsaufwand und Geisteskraft. Letzteres bedeutet besonders in höherem Alter generell ein zusätzliches operatives Risiko zum Marktrisiko (natürlich gibt es auch Ausnahmen wie Buffett).
Für Investoren mit dem nötigen Know-How und vor allem Spaß am Investieren ist überlegtes Investieren in Einzelwerte ist natürlich eine gangbare Strategie.

Dividendenstrategien

Dividendenstrategien sind recht beliebt – man spricht von Dividendenadel und Dividenden als dem neuen Zins – aber m.E. meist aus den falschen Gründen. Ein prominenter Vertreter der Dividendenstrategie ist der Finanzrocker.

Bezüglich der Entnahme bieten Dividenden entgegen weit verbreiteter Annahmen objektiv betrachtet keinerlei Vorteil gegenüber Depotentnahmen, siehe Kommer, Depotentnahmen: Mythen und Missver­ständnisse. Mancher mag sich damit aber psychologisch besser fühlen. Diese Erkenntnis ist wichtig, weil viele Entscheidungen pro Dividendenstrategie auf der objektiv falschen Annahme beruhen es sei vorteilhafter Depotentnahmen über Ausschüttungen zu finanzieren statt über Anteilsverkäufe. Regelmäßige Depotentnahmen entsprechend dem Ausgabenbudget sind generell die bessere Lösung. Beim Entnehmen von Vermögen oder Cash ignoriert man Fokussierung auf hohe „automatische“ Ausschüttungen oder hohe Ausschüttungsrenditen. Man entnimmt den gewünschten Zielbetrag pro Periode, entweder über Ausschüttungen und/oder Anteilsverkäufe. Einige Broker wie Consors bieten automatische Auszahlpläne aus Wertpapierdepots an, andere wie die DKB haben solche in Planung.

Über Dividendenstrategien, die davon ausgehen, dass Dividendenaktien eine höhere Rendite liefern und/oder ein niedrigeres Risiko haben lässt sich streiten. Manche meinen z.B. dass Dividendenaktion interessant sind weil der Investor statt dem Unternehmen über die Verwendung der Überschüsse entscheiden kann. Kommer sieht Dividendenstrategien kritisch Dividenden­strategien: Fakten und Fantasien.

Factor Investing

[Puh! so langsam wird das Schreiben anstrengend -Geht dir beim Lesen wahrscheinlich auch so 🙂 ]

Das Factor Investing ist eine komplexe Verfeinerung des passiven Investierens die auf statistisch identifizierbare Merkmale von Wertpapieren setzt um mit höherer Rendite und/oder niedrigerem Risiko zu investieren.

Eine Trilogie zum Factor Investing:
Factor Investing – die Basics
Integriertes Multifactor Investing
The Pains of Factor Investing

Alpha-/Trendfolge-Strategien

Sogar der Finanzwesir empfiehlt jetzt Alpha-Strategien zum Bremsen der Portfolio-Volatilität und Verbessern der Wertentwicklung: Alpha-Strategie und Alpha-Fonds: Warum die Alpha-Strategie Ihrem Depot guttut
Vom Alpha-Leugner zum Trendfolger
Alpha-Strategie und Alpha-Fonds
Trendfolgestrategie, was ist das?

Seine Empfehlung und dass er selbst einen Fond dazu auflegt wird kontrovers diskutiert.

Immobilien

Selbst- oder fremdgenutzte Immobilen (Häuser oder ETW) habe ich einbezogen weil manche diese bereits besitzen. Ihre Renditen werden überschätzt, ihre Risiken unterschätzt. Ihr Wert als Anteil am Gesamtvermögen (häufig 50 bis 90%) stellt für die meisten Haushalte ein gefährliches Klumpenrisiko dar, siehe Buch Über Geld nachdenken(*), „Immobilien Zwischen Verstand und Emotion“

Der für die Vermögensbildung wichtige Zwangsspareffekt durch für die Kreditfinanzierung festgeschriebene monatliche Sparraten spielt im Ruhestand keine Rolle mehr.

Immobilien als Kapitalmarktprodukt machen eher keinen Sinn. Über Eigenkapital gekaufte oder ererbte Immobilien zu vermieten ist eine gangbare Strategie. Dabei sind jedoch eigene Arbeitszeit und Nerven oder renditemindernde Hausverwaltung nicht zu unterschätzen.

Selbstgenutzte Immobilien machen nur aus Lifestylegründen Sinn und sich ein Nest unter eigener Kontrolle zu wünschen ist selbst entgegen finanzieller Überlegungen ein völlig ausreichender Grund. Gleichzeitig an mythische Vorteile zu glauben kann jedoch zu Fehleinschätzungen der finanziellen Situation führen. Die häufig genannten ökonomische Motive Altersvorsorge, Wertzuwachs, Schutz vor Mieterhöhungen und mietfreies Wohnen im Alter halten genauerer Betrachtung nicht stand – selbst wenn wir in unserer Betrachtung „für den Ruhestand“ annehmen, dass alle Darlehen getilgt sind, siehe Kommer, Souverän investieren vor und im Ruhestand(*) insbesondere zum Mythos „Mietfrei Wohnen im Alter“. Immobilien lassen sich im Alter schlecht verzehren, weil nicht in häppchenweise verkaufbar und in D gibt es kaum gute Möglichkeiten für Umkehr-Hypotheken (Immobilien als Rente), siehe Zustifterrente der Stiftung Liebenau. Für diesen Fall ist es wohl besser die Immobilie verkaufen und sich einen Auszahlplan zu machen. Mit dieser Möglichkeit sollte man sich früh auseinandersetzen statt sie bis zum letzten Moment zu verdrängen denn die häufig mit dem Alter einsetzende Starrheit macht eine solche Entscheidung nicht leichter.

Fremdgenutzte Wohn-Immobilien (Gewerbe-Immobilen sind ein eigenes Thema) bergen ein den Aktien vergleichbares Risiko (Wertverlust, Mietausfälle). Ein Direktinvestment in das Eigenkapital einer einzelnen oder weniger einzelner Wohnimmobilien ist genauso risikoreich wie ein diversifiziertes Aktieninvestment – bei hohem Kreditanteil an der Immobilie vermutlich risikoreicher. Die Nettorendite nach Steuern liegt für Kleinvermieter bis 3 Wohneinheiten zwischen 1,5% und 2%, inflationsbereinigt real bei ca. -0,2% bis +0,3%. Für größere Vermieter real bei ca. 2,5% bis 3%, siehe Kommer, Souverän investieren vor und im Ruhestand(*). Der beträchtliche Arbeitskaufwand zum Verwalten sollte nicht unterschätzt werden – von wegen „passives“ Einkommen. Obwohl mancher das vielleicht als ein schönes Hobby betrachtet oder diese Arbeit zur eigenen Wertschätzung braucht. Immobilien sind nicht häppchenweise verkaufbar, die kleinste verkaufbare Einheit ist eine Wohnung. Wer nicht überdurchschnittlich vermögend ist sollte nicht in eine vermietete Immobilie investieren wenn er schon ein Eigenheim besitzt. Für Vermögende jedoch eignen sich fremdgenutzte Immobilien gut zur Vermögenssicherung.

Viele Immobilien-Investments sind unrentabel weil Menschen naiv glauben, sie könnten erfolgreich Immobilienprojekte auswählen, entwickeln, finanzieren und bewirtschaften. Oft scheitert das schon ganz zu Beginn mit zu hohen Kaufkosten. Es ist verblüffend wie oft von gefühlt erzielten Wertsteigerungen berichtet wird ohne z.B. Berücksichtigung der Inflation. Von der tatsächlichen Wertsteigerung in den letzten Jahren lässt sich nicht auf eine generelle positive Tendenz schließen.

Zu Auslandsimmobilien siehe 5. Finanzgestaltung – Internationale Aspekte – Auslandsimmobilien,

Weiterführende Links zu Immobilien:

Finanztip: Lohnen sich die eigenen vier Wände?
Immographs: Immobilienkauf Online-Rechner
Finanzwesir: Der Excel-Vergleich: Mieter mit Aktiendepot versus Eigenheimkäufer mit (kleinem) Aktiendepot. Was ist besser?
Zendepot: Kaufen oder Mieten – Ist die Miete rausgeworfenes Geld?
Kommer: Foliensatz mit Daten und Fakten Kaufen vs. Mieten –Wunsch und Wirklichkeit
Kommer: Buch Kaufen oder mieten?: Wie Sie für sich die richtige Entscheidung treffen, Neue Auflage Aug 2021(*)

Gold

Gold ist eine hoch spekulative Anlage. Es hat aber für viele eine „mythische“ Qualität. Deshalb ist es wohl akzeptabel einen kleinen Teil, vielleicht bis zu 3%, seines Vermögens in Gold zu halten. Gold taugt nur bedingt als Inflationsschutz.

Kommer: Gold als Investment – braucht man das?
Gold als Investment – Fakten und Fantasie
Teil 1: Wie hoch war die historische Goldrendite wirklich?
Teil 2: Faktencheck – Was ist dran an gängigen Ideen zu Gold?
Finanzwesir rockt Duell: Gold kaufen: Sinnvoll oder nicht?
Finanzwesir Podcast: Gold kaufen

Hier praktische Infos zur Anlage in Edelmetallen aus der Freiheitsmaschine (insbes. Teil 2)

Spielgeld

Wer unbedingt mit etwas Spielgeld spekulieren will sollte das mit max. 10% seines Vermögens tun. Dabei ist es wichtig, seine Grenzen einzuhalten – Spekulieren birgt eine nicht zu unterschätzendes Suchtpotential.

Weniger geeignete Anlageinstrumente

Es gibt noch viele weitere Anlagemöglichkeiten (Fremdwährungen, Rohstoffe, Optionen (Derivate), Kryptowährungen, (Acker)Land, Wald und Sammlerobjekte wie Whisky oder Oldtimer) und Anlagestrategien wie der Versuch den angeblichen Cost Averaging Effekt zu nutzen. Diese scheinen mir für die Gestaltung der Finanzen im Ruhestand für weniger geeignet.

Wer sie nutzen möchte sollte sich gut damit auskennen und braucht dann meine Anmerkungen dazu sicher nicht.

Rohstoffe sind zwar endlich, aber auch ersetzbar. Investitionen in Rohstoffe halte ich für reine Preisspekulation. Siekommen in meinen Überlegungen nur im Zusammenhang mit dem Dachfonds Areo vor, siehe 3. Szenarien zur Anlagestrategie für den Ruhestand und für das Edelmetall Gold. Die Wissenschaftler hinter dem interessanten Fond Arero sehen in ihrem 15% Rohstoff-Anteil ein Diversifikationspotential.
Siehe Kommer Video: Sollte man in Rohstoffe investieren? G. Kommer über Rohstoffe & Gold im Portfolio.

Die eigenen Fähigkeiten (Humankapital) sind wesentlicher Aspekt bei der Vermögensbildung. Zusätzliche Einkünfte aus Arbeit bei Bedarf auch im Ruhestand, berücksichtige ich bei meiner Planung nicht. Sich im Alter darauf zu verlassen, halte ich für zu risikoreich (Krankheit, Alter, Unlust). Hieraus kann sich aber natürlich ein schönes Zubrot ergeben und die Beschäftigung kann einfach nur Spaß machen oder fit halten.

Nicht börsennotierte Unternehmensbeteiligungen und P2P, Crowdfunding gehören in die Phase des Vermögensaufbaus nicht in die Finanzplanung für den Ruhestand – außer für wirklich Vermögende.

Bankguthaben in Fremdwährungen, sei es im Inland oder Ausland, als vermeintlich risikosenkendes Investment in „Hartwährungen“ sind laut Kommer „Souverän Vermögen schützen“(*) keine gute Idee zur Vermögenssicherung.  Das Wechselkursrisiko aller Währungen zum Euro ist außerordentlich hoch. Der Währungsmarkt in volatil und wird u.a. durch die Zentralbanken „manipuliert“. Wer eine so schwankungsintensive Anlage wie „Hartwährungen“ erwägt sollte besser gleich in Aktien investieren. Trotzdem liebäugle ich persönlich damit.

Eine einfache Möglichkeit Geld in Fremdwährungen zu halten sie die Multi-Währungskonten von Wise(*) (ex TransferWise).

Wise sichert die Einlagen nicht über eine deutsche oder europäische Einlagensicherung ab sondern über sogenanntes Safeguarding: Ist es sicher, Geld in meinem Multi-Währungs-Konto zu halten? Wie sicher das ist, kann ich nicht beurteilen. Im Zweifel sollte man Wise wohl besser nur für Auslandsüberweisungen nutzen und Geld dort nicht länger als nötig liegen lassen. [Oder kann jemand dieses Safeguarding besser beurteilen?]

Die Tagesgeld- und Festgeldkonten in USB der IKB werden aktuell nicht mehr angeboten.

In Kryptowährungen zu investieren ist reine Spekulation und gehört für mich in den Bereich Spielgeld.  Eine einfache Möglichkeit in Kryptowährungen zu investieren ist die Bison(*) App.

Bison wird von der Börse Stuttgart in Zusammenarbeit mit der solarisBank angeboten und unterliegt der deutschen Einlagensicherung (Einlagen bis 100T€ abgesichert). Mit Coins in Bison kann man keine Waren einkaufen sondern kann nur Coins kaufen, halten und verkaufen. Bison funktioniert wie ein „normales“ Multi-Währungskonto. Man braucht kein Kryptowallet und ist als gelegentlicher Nutzer nicht in der Gefahr den Zugriff auf seine Coins leicht zu verlieren. Bison hat einen schönen Demo-Modus in welchem man den Kauf und Verkauf von Kryptowährungen ganz ohne Risiko ausprobieren.

Ich selbst habe mein Bison-Konto nur weil ich ein Gefühl für den Umgang mit Kryptos und deren Volatilität bekommen wollte und werden es wohl bei den 300€ in Bitcoin und Ether belassen.

Politisch gibt es sehr kritische Sichten zu Kryptos , sogar von Insidern: Dogecoin-Erfinder: In Kryptogeld steckt das “Schlechteste des Kapitalismus.

Vermögende kaufen weltweit (Acker)Land auf der Suche nach Anlagen zur Vermögenssicherung. Die Chinesen sind schon überall investiert – vielleicht sind sie wirklich auch an den Flächen interessiert aber sie kaufen sicher für politische Einflussnahme. Bill Gates ist der größte Landbesitzer in den USA. Ob sich das für Privatinvestoren lohnt, wage ich zu bezweifeln. Rentiert sich der Kauf von Feld, Wald und Wiese?

Es gibt keinen Cost averaging Effect

Die Begründung von Anlagestrategien mit dem Cost averaging Effect (Durchschnittskosteneffekt) ist Unsinn, weil es einen Cost averaging Effect schlicht nicht gibt, siehe Die Legende vom Cost Averaging Effect. Das spricht jedoch nicht generell gegen Fondssparpläne – im Gegenteil: dauerhaftes Sparen in kostengünstige ETFs ist unbestritten eine der besten Möglichkeiten zum Vermögensaufbau – dazu braucht es keine sinnlose Begründung.

Gewarnt sei vor Megatrends und Nischen

Man könnte sogar in Anteile teurer Sneaker investieren.

Folgt man aufgehypten Trends dann nutzt man gerade keinen Informationsvorsprung sondern springt auf längst fahrende Wagen auf oder lässt sich auf undurchschaubarer Risiken oder Kosten ein.

[ *) Dieser Post enthält Affiliate Links. Das kostet dich nichts, bringt mir aber etwas Einkünfte.]

0. Grundlagen zur Finanzgestaltung für den Ruhestand

[Artikel in Arbeit]

The Position of Fuck-You 😊
You get up two-and-half million dollars, any asshole in the world knows what to do. You get a house with a 25-year roof, an indestructible economy shitbox car and you put the rest into the system at 3 to 5 percent and you pay your taxes. That’s your base. Get me? That’s your fortress of fucking solitude. That puts you, for the rest of your life, at a level of ‘Fuck You.’”

Vermögensaufbau-Phase

Generell kommt der größte Teil des Vermögenszuwachses eines Privatanlegers in der Vermögensaufbauphase aus der erfolgreichen Bildung und Nutzung der eigenen Fähigkeiten (Humankapital) zur Generierung von Arbeitseinkommen und/oder aus unternehmerischer Tätigkeit – nicht aus nebenberuflichem Investieren. Reich wird man durch Konzentration (vieles auf eine Karte setzen, hohes Risiko eingehen). Vermögend wird/bleibt man durch Diversifikation.

Die eigenen Fähigkeiten (Humankapital) sind wesentlicher Aspekt bei der Vermögensbildung.
Humankapital: Investiere in dich selbst!
Für eine Überrendite im Leben
Die eigene Arbeitskraft schützen und verteidigen
Lohnarbeit: Klumpenrisiko und versiegende Quelle

Ruhestands-Phase

In dieser Artikelserie geht es um die Lebensphase Ruhestand. Es geht nicht um den Vermögensaufbau. Der Schwerpunkt der Finanzgestaltung für den Ruhestand liegt auf Vermögenssicherung und Vermögensnutzung, in einem Spektrum zwischen (dynastischem) Weitergeben von Vermögen bis zum möglichst vollständigen Verzehr – damit am Ende des Lebens nicht zu viel Vermögen ungenutzt übrigbleibt (mit Null Euro sterben). Letzteres hat den nicht zu verkennenden psychologischen Aspekt einer Haltungsumstellung von langen Jahren des Sparens auf Entnehmen oder Verzehren.

Wer in der Vermögensaufbauphase noch nicht an der Börse war wird vor/im Ruhestand kein Vermögen mehr mit Aktien aufbauen können – es fehlt an Zeit und ganz wesentlich an Erfahrung mit der Volatilität des Marktes. Zur Diversifikation mit Aktien für mehr Sicherheit ist es aber nie zu spät. Der Finanzwesir beschreibt das schön in Kann Leser P. die Rentenlücke schließen? Alles hat seine Zeit im Leben und wer zwei Jahre vor der Rente die Börse für sich entdeckt, sieht nur noch die Rücklichter des Renditezugs.

Sich im Alter bei Bedarf auf zusätzliche Einkünfte aus Arbeit zu verlassen, halte ich für risikoreich (Krankheit, nachlassende Fähigkeiten, nachlassendes Interesse). Solche Einkünfte können aber natürlich ein schönes Zubrot sein und die Beschäftigung kann einfach nur Spaß machen oder fit halten.

Zeit spielt beim Vermögensaufbau eine immense Rolle. Aber auch im Ruhestand kann man noch viel Jahre vor sich haben und unter Beachtung des Sequence-of-Return-Risk (s.u.) kann es sinnvoll sein, den Aktienanteil sogar zu erhöhen. Also Vorsicht mit der generellen „100 minus Alter“ Regel – es kommt vielmehr ganz auf individuelle Aspekte an wie Ausgabenbuget, zu vererbender Anteil, Anlagehorizont, Steuern, Risikotoleranz, vorhandenes finanzielles Potential, verbleibendes Spar- und Investitionspotential, siehe 2. Anlagestrategien für den Ruhestand.

Erfolgreich Investieren an der Börse für Rendite funktioniert nur langfristig mit einem Anlagehorizont von 15+J. Das setzt der Finanzgestaltung für den Ruhestand Grenzen: Der gesamte Anlagehorizont kann zwar durchaus 30+J betragen, aber je nach Ausgabenbudget und Renten muss man Entnehmen, z.B. alle 5J die Ausgaben für 5J, siehe 3. (Entnahme) Szenarien den Ruhestand.

Das Lebenszyklus-Modell kann zur Veranschaulichung von Vermögen, Einkommen und Konsum über die unterschiedlichen Lebensphasen hilfreich sein.

Lebenszyklus-Modell nach Prof. Weber Die genial einfache Vermögensstrategie(*).

Finanzgestaltung, Gesamtportfolio

Ziel einer guten Finanzgestaltung sollte es nicht sein so viel Geld wie möglich für unbekannte und unvorhersehbare Ausgaben zu einem späteren Zeitpunkt zu horten, sondern sein Geld während des gesamten Lebens klug zu verwenden, siehe Was macht uns glücklich? Für mich reicht es ein gutes deutsches Durchschnittseinkommen zu erzielen. In vielen Reiseländern ist dieses wegen in vielen (nicht allen) Bereichen geringerer Kosten noch viel wertvoller, siehe Länder-Vergleiche.

Häufig wird bei der Ruhestandsplanung von der Vorsorgelücke (aus sicherheitsorientierter Renten-Sicht) gesprochen oder von „… dann sind da noch die Renten“ (aus risikoorientierter Sicht) statt beides gleichberechtigt nebeneinander zu betrachten. Ich betrachte Renten und Investments ganzheitlich in einem Gesamtportfolio:

  • % Lebenslange Renten
    DRV, bAV, paV
  • % Investment-Portfolio
    • % Risikoarmer Teil
      Tagesgeld (Festgeld), Anleihen
    • % Risikobehafteter Teil
      Aktien, Immobilien, Rohstoffe
    • % Mythischer Teil
      Gold

Aspekte zur Gestaltung des Gesamtportfolios

Wesentliche Aspekte zur Gestaltung des Gesamtportfolios sind:

Siehe Finanzwesir Was Anleger wissen sollten. Geldanlage-Basiswissen für Do-it-yourself-Anleger. Es geht, man muss nur wissen wie. Und es ist gar nicht so kompliziert, wie alle immer sagen.

Ausgaben-Budget

Ein Überblick über seine persönlichen (geplanten) Ausgaben ist für jede Finanzplanung essenziell. Siehe Ausgaben budgetieren – Heimat (Excel). Die Ausgaben lassen sich klassifizieren in:

  • Ausgaben für Grundbedürfnisse
    (Essen, Wohnen inkl. Nebenkosten, Krankenversicherung [auch auf Reisen], Kleidung, Kommunikation (Tel, Internet), Transport, Freizeit, Bildung)
    Siehe auch Harz 4 Regelsatz.
  • gewünschte Ausgaben
    Für das schöne Leben.
  • erhoffte Ausgaben
    z.B. zum Weitergeben an andere (Nachkommen, Organisationen).

Dieses Budget kann sich mit zunehmendem Alter oder sich ändernden Lebensumständen verändern. Manche gehen davon aus im hohen Alter geringere Ausgaben zu haben. Das kann so sein, muss aber nicht für jeden so sein.

Renditeerwartung oder Vermögenssicherung?

Was ist das wesentliche persönliche Anlageziel im Ruhestand? Wird eine Rendite aus dem Investmentportfolio gewünscht, oder hat man bereits ausreichend sicheres Einkommen aus lebenslangen, risikoarmen Anlagen oder sonstigem Vermögen „Genug ist genug“ und es geht nur mehr darum sein Vermögen risikoarm durch Diversifikation zu sichern und zu nutzen? Siehe Vermögen sichern.

Anlagehorizont

Die Basis für den Anlagehorizont ist die Restlebenserwartung im aktuellen Alter. Die eigene Restlebenserwartung hängt von vielen Faktoren ab, u.a. Gene, Geschlecht, Schicksal (in welches Land und soziales Umfeld man hineingeboren wurde), Gesundheitszustand, Lebensumstände, Zufall (schon morgen kann durch einen Unfall alles ganz anders sein). Hier ein Rechner zur Restlebenserwartung Wie alt werde ich? Zur Sicherheit sollte man nicht von der mittleren statistischen Restlebenserwartung ausgehen, diese erreicht man mit 50% Wahrscheinlichkeit, sondern wenigstens von der mit 10% Wahrscheinlichkeit. Beispiel:  Mittlere statistische Restlebensdauer eines 60-jährigen Mannes: 22J (Lebensalter 82), mit 10% Wahrscheinlichkeit: 32J (Lebensalter 92).

Wie werde ich 100?„Täglich eine Handvoll Nüsse“.

Vermögen weitergeben oder verzehren?

Vielen sind im Alter folgende Aspekte besonders wichtig:

  • Kontrolle behalten.
  • Das eigene Vermächtnis finden.
    In Erinnerung bleiben.
    Etwas weitergeben.

Diese Punkte sind Alten oft (bewusst oder unbewusst) extrem wichtig. Was Jüngeren (Nachkommen) offensichtlich sinnvoll und dringend erscheint ist für Alte häufig völlig unwichtig und es kommt zu typischen Kommunikationsproblemen und Konflikten wie z.B. trotz objektiv großer Einschränkungen weiter Auto fahren zu wollen oder nicht aus dem zu großen Haus in komfortables, praktisches, betreutes Wohnen zu ziehen. Siehe How to Say It to Seniors: Closing the Communication Gap with Our Elders (*). Dieses Buch beschreibt die Probmeaktik unterschiedlicher Sichten sehr schön (wenn auch etwas episch) und gibt praktische Tipps für das Kommunikationsverhalten Jüngerer. Wer etwas vererben möchte sollte ausrechnen wie viel er sich leisten kann und erwägen es mit warmen Händen zu tun, nicht zuletzt aus steuerlichen Gründen.

Risiken

Die wesentlichen Risiken bei der Finanzplanung sind:

  • Langlebigkeits-Risiko
  • Mortalitäts-Risiko
  • Krankheit, Pflegebedürftigkeit
  • Marktvolatilität
  • Inflation
  • Renditereihenfolgerisiko (Sequence-of-Return-Risk)
  • Zinsänderungs-Risiko, Wechselkurs-Risiko, Ausfall-Risiko
  • Fiskalische und rechtliche Änderungen
  • Notfälle
  • Trennung, Ehe-Scheidung
  • (Welt-System-Crash)

Die menschliche Risikowahrnehmung ist sehr subjektiv (empfundene Bedrohlichkeit, Nutzenabwägungen etc.) und leicht durch Neuigkeit eines Risikos, Medien-Hype etc. beeinflussbar, siehe Wahrnehmung und Bewertung von Risiken.

Langlebigkeits-Risiko

Man überlebt den geplanten Anlagehorizont des Investmentportfolios und dessen Ertrag fehlt nun.
Will man sein Langlebigkeitsrisiko ohne Renten absichern sollte man auch die Konsequenzen einer längeren Restlebensdauer als der geplanten (z.B. 30J bei einem 65-jährigen Mann) bedenken. Das erfordert entweder ein höheres Vermögen oder geringere Ausgaben. Sonst kalkuliert man wohl ein (bewusst oder unbewusst) zur Not dem persönlichen Umfeld oder der Allgemeinheit auf der Tasche zu liegen oder in nicht so sozialstaatlichen Ländern wie Deutschland in der Goss zu landen. Siehe 3. (Entnahme) Szenarien zur Anlagestrategie für den Ruhestand.

Mortalitäts-Risiko

Man stirbt vor dem Ende des geplante Anlagehorizonts und es bleibt ungeplant Vermögen zurück. Hierzu sollte man sich die mögliche Vererbbarkeit seiner Anlagetypen (insbes. Renten vs. Auszahlpläne) ansehen und generell testamentarisch festlegen was mit dem Restvermögen geschehen soll, damit es den eigenen Vorstellungen entsprechen eingesetzt wird. Siehe Vorsorge für Notfälle.

Krankheits-Risiko (Krankheit, Demenz, Unfall)

Das Krankheitskosten-Risiko gehört zu den existenzgefährdenden Risiken. Die Kosten für Krankheiten sollten in einer Krankenversicherung mit anderen Beitragszahlern gepoolt werden – außer vielleicht bei wirklich Reichen. In Deutschland besteht Krankenversicherungspflicht und wo die deutsche KV nicht gilt ist eine Auslands(Reise)KV unverzichtbar, siehe Wer glaubt mit monatlichen Rücklagen in Höhe typischer KV-Beiträge selbst vorsorgen zu können verkennt die Leistungen von KVs durch Verteilen hoher Risiken auf viele. Meines Erachtens bräuchte man für rein eigene Vorsorge mehr als ein paar Millionen € Gesamtvermögen. Siehe Lange Auslandsaufenthalte 4. Krankenversicherung.
Kostenmäßig kann es einen großen Unterschied machen, wie man in Deutschland krankenversichert ist: Privat krankenversichert (PKV), pflichtversichert in der GKV oder freiwillig versichert in der GKV, siehe PKV, GKV, KVdR, freiwillig in GKV

Eigenanteile (Selbstbehalt, Zuzahlungen, Kosten von extra Leistungen) sollte man bedenken, mit der Erwartung weiterer unerwarteter Kosten sollte man sich aber auch nicht verrückt machen – in solchen Fällen kommt sowieso die ganze Planung durcheinander, siehe Vorsorge für Notfälle.

Man sollte eine Patientenverfügung und eine Vorsorgevollmacht verfasst haben, siehe Vorsorge für Notfälle.

Das Risiko pflegebedürftig zu werden ist höher als ich dachte. Statistisches Bundesamt: Bei 70- bis 74-Jährigen ca. 8%, bei ab 90-Jährigen76 %. Aber man sollte auch nicht davon ausgesehen sicher pflegebedürftig zu werden. Die gesetzliche Pflegeversicherung zahlt nur einen Teil der tatsächlichen Pflegekosten, die eigene Zuzahlung kann leicht 2.000€/Mon betragen, dabei beträgt das Schonvermögen nur 5.000€. Ab 100T€ Bruttoeinkommen haben Kinder eine Zuschusspflicht zu den Pflegekosten der Eltern. Zuletzt zahlt das Sozialamt – dieses kann übrigens Schenkungen innerhalb der letzten 10J zurückfordern.

Marktvolatilität

Zur Marktvolatilität kennen wir nur die Vergangenheit und keiner kann die Zukunft sicher vorhersagen. Hierzu muss man ein der eigenen Risikotoleranz entsprechendes Verhältnis zwischen risikoarmen und risikobehafteten Anteilen im Gesamtportfolio finden. Z.B.: muss man bei einer 50/50-Aufteilung imn Falle eines Einbruchs des Aktienanteils um 50% einen Verlust von 25% des Gesamtportfolios hinnehmen. Hat man seine Grundbedürfnisse über lebenslang sichere (inflationsindexierte) Einkünfte wie Renten abgedeckt kann man im Investmentportfolio ein höheres Risiko eingehen, als wenn man auch seine Grundbedürfnisse über Investitionen abdecken muss, siehe 3. (Entnahme) Szenarien zur Anlagestrategie für den Ruhestand.

In der Entnahmephase ist etwas Markttiming nicht völlig vermeidbar. Mindestens bei der Entscheidung zum Start der Entnahmephase und im Falle von Entnahmestrategien mit einem n-Jahre Intervall evtl. bei den Entnahmeterminen, siehe 4. Finanzierungs-Szenarien für den Ruhestand.

Inflation

Die langfristige Auswirkung auch moderater Inflation sollte man nicht unterschätzen. Das aktuelle Inflationsziel der EZB als Puffer gegen Deflation ist 2% symmetrisch und nicht mehr nur „close but below 2%“. Die normale (geplante) Inflation sollte man nicht mit einer unkontrollierten Hyperinflation mit extrem hoher Inflationsrate verwirren.

Video Playlist von Kommer: Inflation aus der Sicht eines Privatanlegers.

Um ein Gefühl für das Inflationsrisiko zu bekommen: Bei 3% Inflationsrate halbiert sich die Kaufkraft in 24J. Bei Planungen kann man die Inflation zur Vereinfachung weglassen wenn man ausnahmslos mit inflationsbereinigten Zahlen rechnet, vgl. Kommer, Souverän investieren vor und im Ruhestand(*) “4.2. Berechnen ohne Berücksichtigung von Unsicherheiten”. Weil es um das Erhalten der individuellen Kaufkraft geht, hier der Rechner für die persönliche Inflationsrate des statistischen Bundesamtes. Siehe auch:
Deutsche Fondsanlage-Kunden suchen vor allem sichere Anlagen und Inflationsschutz

Preis-Kaleidoskop des statistischen Bundesamtes

Die gesetzliche Deutsche Rentenversicherung (DRV) funktioniert nach dem Umlageverfahren. Sie bietet einen gewissen Inflationsschutz, indem sie an die Wirtschaftsleistung gekoppelt ist – die Rente wächst mit den Bruttolöhnen/Gehältern der Einzahler. Diese Koppelung wird aber begrenzt durch den Nachhaltigkeitsfaktor (ist aktuell ausgesetzt) – verschiebt sich das Verhältnis zwischen Rentnern und Beitragszahlern in Richtung der Rentner (Vergleich Vorjahr mit dem Vorvorjahr) führt dies dazu, dass die Rentenanpassung geringer als das Lohnwachstum ausfällt. Direkte Rentenminderungen sind ausgeschlossen. Bei groben Planungen mit DRV-Renten kann man die Inflation ignorieren wenn man gleichzeitig Rentenerhöhungen ignoriert, weil sich beides in etwa ausgleicht.
Für eine Rente mit Niveau
Rente in der Krise? Keine Spur!
Rechengrößen der Sozialversicherung und sonstige Werte

Bei bAV und pAV kann man sogenannte dynamische Renten wählen – wie weit das wirklich etwas gegen Inflation schützt kann ich beurteilen [kann dazu jemand was erläutern?].

Immobilien, Aktien, Gold und anderer Edelmetalle, Rohstoffe und Sammlerobjekte bieten einen( gewissen) Inflationsschutz. Bankeinlagen, Anleihen und kapitalbildende Lebensversicherungen bieten keinen Inflationsschutz. Es gibt inflationsindexierte Anleihen-ETFs (TIPS). Deren Inflationsschutz bekommt man aber natürlich nicht kostenlos. Siehe Das Konzept der „Sachwertanlage“: Fakten und Fantasien.

Will man wenigstens die Kaufkraft seiner Anlagen erhalten dann sollte der Aktienanteil mind. 30% sein, bei z.B. 2% individueller Inflationsrate und -0,5% Negativzinsen auf Tagesgeld (0,3 x 7% Aktienrendite bei 0% Anleihenrendite = 2,1%).

Übrigens sind die Entnahmen der 4% Regel inflationsangepasst. Bei manchen Rechnern kann man das konfigurieren, Rechner FourPercentRule.com.

Renditereihenfolgerisiko (Sequence-of-Return-Risk)

Sehr wichtig für (Bald)-Ruheständler ist das Sequence-of-Return-Risk (Renditereihenfolgerisiko) weil bei einem Depot aus dem laufend nur entnommen wird die Reihenfolge von periodischen Renditen eine große Auswirkung auf Wertentwicklung hat. Hier muss man statt der Durchschnittsrendite beachten zu welchem Zeitpunkt schlechtere Renditen als der Durchschnitt auftreten. Treten diese früh in der Entnahmephase auf, dann kann das die möglichen Entnahmen stark reduzieren. So hatte ein Depot auf den MSCI World ab 1995 bei 8% Entnahmerate beim historischen Verlauf nach 15J noch einen Wert von 234T€. Bbei günstigerer Verteilung der selben Jahresrenditen (also bessere Renditen früher) hätte es einen Wert von sogar 270T€ (trotz der relativ hohen Entnahmerate). Aber bei ungünstiger Verteilung (also schlechtere Renditen früher) wäre es nach 9J bereits völlig aufgebraucht. Wenn das jetzt etwas schwer verständlich ist, siehe Das Sequence-of-Returns-Risiko – Entnahmestrategien, Sequence of Return Risk – die ersten 5 Jahre sind entscheidend, Das Sequence-of-Returns-Risiko – Entnahmestrategien.

Übrigens hat sich das Sequence-of-Return-Risk nicht erledigt wenn man die ersten ca. 10J seiner Entnahmephase rum hat. Früh in einem Entnahmezeitraum schlechte Renditen wirken sich weiterhin negativer aus als spätere. Durch den sich verkürzenden Entnahmezeitraum werden aber die Folgen immer kleiner. Damit bleibt das SRR auch 10J nach dem Ruhestandseintritt beim vorzeitigen Ruhestand (FIRE) mit einem Entnahmezeitraum von vielleicht 60J kritischer als bei einem “normalen” Ruhestand mit vielleicht 30J. Siehe When Can We Stop Worrying about Sequence Risk?

Aus einem vom Sequence-of-Return-Risk gerissenen Loch wieder herauszukommen ist übrigens komplexer als ich zuerst dachte, weil man u.a. nicht bloß die fehlende Rendite durch Rücklagen oder Verzicht ausgleichen muss, sondern auch die entgangene Entwicklung des Portfolios (evtl. durch Nachschießen), siehe ungefähr hier Myth #2: Flexibility has to last only as long as the downturn bei Early Retirement Now: The Safe Withdrawal Rate Series – A Guide for First-Time Readers.

Zinsänderungs-Risiko, Wechselkurs-Risiko, Ausfall-Risiko

Die wesentlichen Risikoquellen von Anleihen sind Fremdwährungsrisiko, Ausfallrisiko und Zinsänderungsrisiko (Laufzeitenrisiko). Das Zinsänderungsrisiko von Anleihen ist das Risiko, welches sich aus dem inversen Zusammenhang von Zinsänderungen und dem Kurs von Anleihen ergibt: Steigen die Marktzinsen, fallen die Kurse von Anleihen, vgl. Kommer: Das Zinsänderungsrisiko bei Anleihen,  Finanzwesir: Welchen Anleihen-ETF soll ich wählen?.

Das Ausfallrisiko kann man minimieren, indem man sich auf Anleihen höchster Bonität beschränkt.

Mit Anleihen in der Heimatwährung hat man kein Wechselkursrisiko (Währungsrisiko).

Für Privatanleger besteht einem global diversifizierten Aktienportfolio kein relevantes Wechselkursrisiko (Währungsrisiko) für welches sich eine Absicherung (Hedging) lohnen würde: Mit Anleihen in der Heimatwährung hat man kein Wechselkursrisiko. In einem global diversifizierten Aktienportfolio besteht für die meisten Privatanleger kein relevantes Wechselkursrisiko für welches sich eine Absicherung (Hedging) lohnen würde. Ein Welt-ETF hat ein gewisses Wechselkurs-risiko aber auch eine Wechselkurs-chance. Die Fondswährung eines ETF ist rein kosmetisch und stellt weder Risiko noch Chance dar.
Kommer: Währungs­absicherung: Wann sinnvoll, wann nicht?
Finanzfluss: Währungsrisiken bei ETFs
Finanzwesir: Wie wichtig ist die Währungsabsicherung bei einem weltweit anlegenden Indexfonds?

Als ich zuerst von Anleihen mit negativen Zinsen hörte wunderte ich mich, warum jemand sowas kaufen würde. Gute Anleihen habe ein geringeres Risiko als Bankguthaben. Bei Bankguthaben muss man zur Sicherheit Anlagesummen >100T€ auf mehrere Banken verteilen, um unter der Grenze der Einlagensicherung zu bleiben. Auch Bankguthaben haben ein Ausfallrisiko, selbst wenn sie unterhalb der Einlagensicherungsgrenze liegen: Das unterschätzte Risiko von Bankguthaben.

Wo wir gerade von Zinsen reden. Die Zinsen auf Bankeinlagen waren auch in der Vergangenheit nicht wirklich attraktiv wenn man die Nettozinsen betrachtet, also Bruttozinsen abzüglich Inflation und Kosten, vgl. Nullzinsen und Anlagenotstand – real oder nur konstruiert?

Finanztip Realzinsen

Fiskalische und rechtliche Änderungen

Jede Finanzplanung ist dem Risiko unerwarteter fiskalischer oder rechtlicher Änderungen ausgesetzt – man denke nur an die Einführung von KV-Beiträgen auf Auszahlungen aus Direktversicherungen. Sogar rückwirkend für Altverträge!. Gegen negative Auswirkungen solcher Änderungen kann man wohl nicht viel tun, außer sich nicht zu sehr auf bestehende Regelungen zu verlassen. Aber was sich vorhersehen lässt sollte man zumindest bedenken z.B. bei den Steuern auf das Investitionsportfolio den evtl. höheren persönlichen Steuersatz ansetzen statt der 25% Abgeltungssteuer weil diese vielleicht abgelöst wird – sie wurde ja nur eingeführt um, unter den damals gültigen internationalen Bedingungen, möglichst einfach Steuerflucht zu begrenzen.

Siehe:
Steuern auf Renten, Kapitalerträge, Mieteinnahmen
Die Steuer auf Renten ist in D gar nicht sooo hoch!
Null Steuer auf Rente in Thailand
Lange Auslandsaufenthalte 3. Steuerliche Aspekte
Frugalisten: Steuern auf Kapitalerträge und wie man sie minimiert – Entnahmestrategien

Notfälle

Notfälle bergen das Risiko einen aus der Bahn zu werfen. Hierfür gibt es natürlich keine 100%ige Absicherung. Die Kosten für existenzbedrohende Risiken sollte man wo möglich mit andere in einer Versicherung poolen. Man kann seine Finanzplanung konservativ auslegen, Szenarien durchspielen und sollte sich Rückfallpläne überlegen, z.B. bei Auswanderung auch an eine mögliche Rückwanderung planen.
Vorsicht! der Mensch neigt generell zur Unterschätzung niedriger Wahrscheinlichkeiten.

Trennung, Ehe-Scheidung

Die Scheidungsrate in Deutschland ist zwar von 52% im Jahr 2005 auf 34% gesunken, aber für jeden einzelnen Fall ließe sich durch einen Ehevertrag viel Stress, Streit, Schmerz und finanzielles Durcheinander vermeiden.

Welt-System-Crash

Man kann sich viele mehr oder weniger weitreichende, teils objektiv begründbare, Katastrophen vorstellen. Stichworte: Klimawandel, weltweite Pandemien (eine haben wir ja gerade und weitere sind sicher), Finanzkrise, Systemkrise, Staatsbankrott, Hyperinflation (oft mit „normalen“ erwarteten, gewollten Inflationssteigerungen verworren), TARGET2-Salden, Schuldenberg, Euro-Skeptizismus, Machtkampf USA und China, umlagefinanzierte Renten seien Schneeballsystem, Steuererhöhungen die alles auffressen, Zusammenbruch des Fiat-Geldsystms, der Sozialismus wird alles zerstören, die Aliens kommen / sind schon da – die Russen waren ja schon da und die Chinesen sind am Kommen :-). Nur was machen wir bzgl. unserer Finanzplanung aus all diesen Katastrophenszenarien? Die Ansichten von Crash-Propheten helfen uns nicht weiter – denen geht es hauptsächlich um eigenen Gewinn und Aufmerksamkeit. Siehe Welt-System-Crash – Welcher kommt wann? Was tun? Siehe Welt-System-Crash – Welcher kommt wann? Was tun?.

Crash-Prognosen blind zu folgen ist ein Verlustgeschäft. Schon das Warten auf einen Crash, um dann günstig einzusteigen, führt statistisch gesehen zu hohen entgangenen Gewinnen.

Risikotoleranz und Risikotragfähigkeit

Risikotoleranz bedeutet salopp gesagt wie gut man mit seinem durch die gewählte Asset-Allokation bestimmten Ausgesetztsein in die Marktvolatilität schlafen kann .

Hier ein Szenario um ein Gefühl für das Risiko zu bekommen: Asset-Allokation 60% risikobehaftete Aktien mit Renditeerwartung 5,2% und 40 % risikoarme Anleihen mit Renditeerwartung 0%. Daraus ergibt sich bei einer langfristigen Anlage eine erwartete Rendite von 3,12 % nach Inflation, vor Kosten und Steuern (0,6 x 5,2 % + 0,4 x 0,0 % = 3,12 %). Entsprechend der Faustregel, wonach der sich der Wert des Aktienanteils in einer Krise halbieren kann, müsste man temporäre Rückschläge von 30 % verkraften (60 / 2 + 40 = 70).

Riskotragfähigkeit beschreibt das eigene finanzielle Potential um die Auswirkungen von möglichen Verlusten auszugleichen: Humankapital, vorhandene Geldmittel, Renten, Immobilien, (Acker)-Land) sowie das verbleibende Sparpotential und Investitionspotential. So kann z.B. der finanzielle Spielraum durch die Finanzierung eines Eigenheimes reduziert sein.

Siehe Tool zur Beurteilung der eigenen Risikotoleranz

Grundhaltungen/Glaubenssätze

Wohl jeder hat tief verwurzelte Grundhaltungen (Glaubenssätze) zum Leben und so auch zu Finanzen. Viele davon sind nachvollziehbar, auch wenn andere sie nicht teilen und die Welt ganz anders sehen. Einige beruhen jedoch Mythen oder Missinformation und können zu Entscheidungen entgegen der eigenen Interessen führen. Manche Grundhaltungen verführen zu einer dramatisierenden Weltsicht, die mitnichten der Realität entspricht. Zu einer offeneren, neugierigeren und entspannteren Einstellung, in der das eigene Teilen von Ansichten, Urteilen und Entscheiden möglichst auf soliden Fakten basiert können die Publikationen von Hans Rosling beitragen. Er räumt per Statistiken mit unseren Vorurteilen auf siehe sein Buch Factfulness(*), beispielhafter Vortrag.

Aus der Forschung zur Behavorial Finance sind die für die Finanzgestaltung u.a. die problematischen Eigenschaften Selbstüberschätzung und Zeitinkonsistenz gut belegt. Siehe auch 13 Denkfehler im Umgang mit Geld – und wie Du sie vermeidest.

Selbstüberschätzung (Overconfidence Bias): Wir überschätzen unsere Fähigkeiten generell und speziell im Vergleich zu anderen. Wir unterschätzen die Wahrscheinlichkeit, dass unser vermeintliches Wissen falsch sein könnte. Selbstüberschätzung kann zu übermäßig häufigem Ändern der Anlagestrategie führen – “Hin und her macht die Taschen leer”.

Zeitinkonsistenzen: Viele bevorzugen kurzfristige Erfolge auch wenn rein rational längerfristige Strategien besser wären. Solchen Personen kann z.B. der Zwangsspareffekt bei der Finanzierung von Immobilien helfen oder die Selbstverpflichtung eines Sparplans gegenüber aktiven Einzelanlagen.

Für weitereMechanismen siehe Verhaltens-Mechanismen von Anlegern (Behavorial Finance).

Hier interessante lange Listen Kognitiver Verzerrungen in Wikipedia (DE) und Wikipedia (EN) – die englische Liste ist umfangreicher.

Quelle: The Cognitive Bias Codex – 180+ biases, designed by John Manoogian III

Ein prima Buch: Hörensagen: Die Kunst der Wahrheitsfindung in einer faktenfeindlichen Welt.

Hier exemplarisch ein paar Glaubenssätze:

Auffällig und gegen die eigenen Interessen ist die prinzipiell kritische Grundhaltung der Deutschen zu Aktien „Aktien sind zu risikoreich, siehe 1. Anlageinstrumente zur Finanzgestaltung für den Ruhestand – Aktien.

Die Rente ist unsicher und ich bekomme sowieso nicht das was mir eigentlich zusteht”, siehe Mythen und Fakten zur gesetzlichen Rentenversicherung (DRV)

Ich verdiene zu wenig zum Investieren. Aktien sind nur was für Reiche”. Mit einem Aktien-ETF-Sparplan von 50€/Mon kann in 40J bei 5% inflationsangepasster Rendite ein Vermögen von 70T€ erwarten. Bei 200€/Mon in diesen Sparplan, statt sie mit Tabak zu verrauchen, kommt man schon auf 280T€. Wenn ein Finanzprodukt nur was für Reiche ist, dann sind das eher Immobilien oder (Acker)-Land, siehe 1. Anlageinstrumente zur Finanzgestaltung für den Ruhestand – Immobilien.

Vorsicht! mit Meinungen, insbesondere “alternativen Fakten”. Es ist eben nicht so, dass jede Meinung mit wissenschaftlichen Erkenntnissen gleichwertig ist. Siehe ieles kann man eben nicht einfach so oder so sehen – False Balance.

Arbeitsplatzsicherheit

Die Sicherheit Sicherheit des Arbeitseinkommens ist ein Aspekt der Risikotragfähigkeit. Sie ist eher in der Vermögensaufbauphase wichtig. In jungen Jahren oder wenn man eine Familie zu versorgen hat ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung erwägenswert, siehe Wichtige Versicherungen.

Arbeitsplatzsicherheit lässt sich nicht durch Auswahl eines „guten“ Unternehmens erreichen (außer der Entscheidung für eine Beamtenlaufbahn). Egal ob ein Unternehmen groß oder klein ist und wie gut auch immer es aktuell geführt ist: Dinge können sich ändern. Die einzige Sicherheit ist das eigene Humankapital, also eine gute Ausbildung, vielfältige Erfahrungen sammeln, permanent lernen und lernfähig bleiben und meiner Meinung nach sollte man auch nicht allzu lange im selben Unternehmen bleiben, sondern immer so nach spätestens 5J wechseln. Je unsicherer die Einkommenssituation desto flexibler muss der Finanzplan sein, das ist z.B. bei der Entscheidung für die Finanzierung einer Immobilie wesentlich.

Absehbare hohe Ausgaben

Absehbare hohe Ausgaben wie für eine neues Auto lassen sich mit einem eigenen Tagesgeld-Konto planen und darin ansparen. Das erscheint mir übersichtlicher als sie mit irgendeinem Anteil im Ausgabenbudget anzunehmen.

Know-How, eigene Fähigkeiten, Interesse für Finanzielles

Das eigene Interesse für Finanzielles hat große Auswirkungen auf jede Finanzplanung. Abhängig davon wählt man zwischen komplexen, interessanten, aufwendigen Lösungen und einfachen die sich leicht automatisieren lassen.

Interesse vorausgesetzt kann jeder ausreichendes oder auch tiefes und breites finanzielles Know-How aufbauen. Auch bei wenig Interesse kommt man um solides Grundwissen nicht herum. Dieses sollte m.E. auch in den Schulen vermittelt werden. Dieser Blog versucht etwas dazu beizutragen. Jeder sollte wenigstens so viel Know-How haben um seine eigenen Finanzen zu verstehen. Bei wenig Interesse oder Know-How entscheidet man sich halt für einfache Lösungen wie den Arero-ETF, siehe 3. (Entnahme) Szenarien zur Anlagestrategie für den Ruhestand-Arero.

Einfachheit der Umsetzung

Einfachheit der Umsetzung in wesentlich, wenn es an Know-How oder Interesse an Finanziellem mangelt oder man mit einem Nachlassen der eigenen Fähigkeiten rechnet.

Mit zunehmendem Alter können sich Möglichkeiten und Perspektiven verschieben: Fähigkeit oder Lust zum Arbeiten können nachlassen. Die geistige Fähigkeit zum Managen der eigenen Finanzen kann nachlassen. Vielleicht lässt generell die Flexibilität nach oder die Bereitschaft seine Lebensumstände sich ändernden finanziellen Möglichkeiten anzupassen sinkt und man möchte ein verlässlicheres Einkommen als in jüngeren Jahren. Andererseits kann manchem das Finanzmanagement aber auch gerade im Alter einfach Spaß machen – ein schönes Hobby sein welches den Geist wach hält.

[ *) Dieser Post enthält Affiliate Links. Das kostet dich nichts, bringt mir aber etwas Einkünfte.]

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