[Artikel in Arbeit. Ist noch ein etwas chaotischer Brain-Dump.]

Hier meine Notizen zur Vorsorge für Notfälle im Ausland – also wenn man plötzlich durch Unfall, Schlaganfall oder so nicht mehr entscheidungs- oder handlungsfähig ist. Eine vollständig befriedigende Lösung habe ich nicht gefunden – insbesondere für die Konstellation als Single ohne irgendwelche Verwandte, auf die man zurückgreifen will. Über ergänzende Ideen würde ich mich freuen.

Siehe auch Sicherheit Unterwegs.

Inhalt
In Deutschland
Im Reiseland
Auf’s Handy
Im Geldbeutel
Sperr-Notruf für Kreditkarten
Rückwanderung

Ich habe weder besondere Ängste noch möchte ich solche verbreiten. Mir geht es einfach besser, nachdem ich mich auch mit Worstcase-Szenarien beschäftigt habe und weiß was ich vermutlich beeinflussen kann und was halt nicht. Wer solche Themen lieber ignoriert – was ja völlig OK ist – sollte sich wenigsten um Wesentliches kümmern wie Auslands(Reise)KV, Patientenverfügung und Privathaftpflicht.

Siehe auch
Welt-System-Crash – Welcher kommt wann? Was tun?
WeltRisikoBericht

In Deutschland

In Deutschland lässt sich folgendes organisieren:

Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht erstellen. Ältere Versionen sind glaube ich so 2018 teilweise ungültig geworden. Vorlagen, Beispiele und Textbausteine gibt beim BMJV Vorsorge und Patientenrechte.
Eine Patientenverfügung formuliert man nicht nur für sich sondern auch aus Respekt für seine Mitmenschen (Ärzte, Angehörige, Freunde) indem man ihnen seine medizinischen Entscheidungen nicht aufbürdet.

Bloß weil man einige Horrorgeschichten zu gesetzlich bestimmten Betreuern gehört hat, heißt das noch lange nicht, dass Familienangehörige immer die bessere Wahl sind. Ich selbst habe Familienangehörige benannt, andere aber explizit ausgeschlossen.

Im Vorsorgeregister der Bundesnotariatskammer kann man einen Verweis auf die Existenz von Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung und Patientenverfügung hinterlegen (nicht die Dokumente selbst), kostet 13€.

Die Scheidungsrate in Deutschland ist zwar von 52% im Jahr 2005 auf 34% gesunken, aber für jeden einzelnen Fall ließe sich viel Stress, Streit, Schmerz und finanzielles Durcheinander durch einen Ehevertrag vermeiden.

Die Bevollmächtigung eines Dritten kann angezeigt sein, wenn weiterhin Vermögenswerte oder Verpflichtungen in Deutschland bestehen, die eventuell einer Regelung oder Verwaltung bedürfen. Bei Immobilienbesitz sollte dem Grundbuchamt ein Zustellungsbevollmächtigter benannt werden.

Zugangsdaten zu Accounts auf PCs, Handys und online Accounts (E-Mail, ….) und wichtige Dokumente kann man in einem Passwordmanager wie 1Password(*) speichern. Ein Subset ausgewählter Daten kann man über solche Manager-Apps mit einer Vertrauenswürdigen Person teilen.

Man sollte in der Heimatwohnung (so vorhanden, siehe Lange Auslandsaufenthalte 2. Staatsbürgerschaft, Melderecht, Adressen) einen physischen Notfallordner pflegen mit:

  • Wesentliche Befundberichte.
  • Testament.
  • Digitales Testament.
    Worin steht welchen Accounts oder Daten es wo im Internet gibt und was damit geschehen soll.
  • Vorsorgevollmacht.
  • Patientenverfügung.
  • Übersicht zu Bankkonten, Versicherungen und Online-Accounts.

Passwörter und anderen Zugangsdaten gehören auch Sicherheitsgründen nicht in diesen Ordner!

Bei manchen deutschen Banken kann man auch ohne Konto ein Schließfach mieten – es gibt solche z.B. bei einigen Sparkassen für ca. 80€/J.

Von Befundberichten bei Ärzten solle man sich immer eine Kopie geben lassen. Die gehört in den physischen Notfallordner in der Heimatwohnung und eingescannt in die Cloud, siehe Datenschutz (Ende-zu-Ende Verschlüsselung).

Als Vorsorge für andere ist ein Organspendeausweis zu erwägen. Natürlich kann sich jeder dagegen entscheiden, ohne das irgendwie begründen zu müssen. Dass schon mal gegen die Prioritäten der Verteilung von Spenderorganen verstoßen wurde (vielleicht sogar aus finanziellen Interessen) spricht in keinster Weise dagegen sich als Spender registrieren zu lassen. Ich halte das für ein Scheinargument, um sich nicht wirklich mit der Sache auseinanderzusetzen. Es wird wohl keinem ein Spenderorgan eingesetzt der nicht so krank genug ist, dass er eines braucht.

Für ungeplante Krankenhausaufenthalte sollte man eine vorgepackte Krankenhaustasche haben, mit ein paar Klamotten, Toilettenartikeln, Hausschuhen und Mülltüten für Schmutzwäsche. Das habe ich von meiner Mutter gelernt und finde es beruhigend und super praktisch. Obenauf liegt bei mir ein Zettel auf den steht was ich zusätzlich mitnehmen möchte (im Stress vergisst man das sonst leicht):

  • Handy mit Ladegerät.
  • Notebook mit Ladegerät.
  • Kindle mit Ladegerät.
  • Kopfkissen (mit dem eigenen schläft es sich im KH viel besser und meines ist gut fürs Schlafen mit meiner Schlafapnoe-Maske).
  • Hausschuhe.
  • (leichter Bademantel).

Zur Vorsorge für mögliche Pflegebedürftigkeit helfen vielleicht folgende Websites. Habe mich damit aber nicht näher beschäftigt.
Seniorenportal
Bitte pflege mich richtig!

Die Warn-App NINA des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe warnt vor Gefahrenlagen wie Gefahrstoffausbreitung, Feuer und Hochwasser in Deutschland. Warnstufen und Standorte sind konfigurierbar.

Im Reiseland

Man sollte immer eine sofort verfügbare Notreserve haben von etwa 6 Monatsausgaben oder mindestens 10T€, siehe Lange Auslandsaufenthalte 4. Krankenversicherung – Rückkehr und 2. Anlage-Strategien für den Ruhestand – Fundament. Auf einer deutschen Bank – wenn steuerlich nichts dagegen spricht, siehe Kontenmodell (für lange Auslandsaufenthalte) – Auswanderer.

In Deutschland lassen sich die Dinge so organisieren, dass im Notfall Informationen und eigene Willensbekundungen gefunden und beachtet werden. Eine weltweite, robuste Lösung dafür kenne ich nicht. Als Alleinreisender oder jemand der nicht auf Verwandte oder gute Freunde in Deutschland zurückgreifen kann oder will ist das besonders unbefriedigend. Man kann halt nur je nach Reiseland und sozialem Umfeld prüfen was möglich ist.

Zum Beispiel sind deutsche Vorsorgevollmachten und Patientenverfügungen in TH nicht gültig, auch wenn sie in Thai übersetzt, vorliegen, siehe Thailändische Patientenverfügung – Vorsorgevollmacht.

Einige wesentliche Medikamente sollte man immer auf Reisen mitnehmen – wer weiß was man wie schnell und ich welcher Qualität (Fakes, schlechte Lagerung) im Reiseland bekommt. Siehe Medikamente, Reiseapotheke.

Mit der Web-App Elefand lässt sich der aktuelle Aufenthaltsort in die Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amtes eintragen. Damit wird man jedoch nur bei Krisen wie kriegerischen Auseinandersetzungen, Terroranschlägen oder Naturkatastrophen informiert. Der Eintrag hilft nicht(!) für persönliche Notfälle. Man bekommt auch Wahlbenachrichtigungen per E-Mail (mal sehen, ob das wirklich funktioniert), siehe Lange Auslandsaufenthalte 2. Staatsbürgerschaft, Melderecht, Adressen. Man muss sich leider für jeden Aufenthaltsort neu registrieren, kann also nicht einfach nur seinen Aufenthaltsort ändern.

Die App Sicher Reisen und der Twitter-Kanal @AA_SicherReisen des Auswärtigen Amts liefern aktuelle Reise- und Sicherheitshinweise. In der App kann sich eine Pinnwand seiner Reiseländer zusammenstellen und die App schickt Push-Nachrichten wenn sich bei den Reise- und Sicherheitshinweisen zu diesen Ländern etwas ändert.

In Ländern in denen die deutsche KV nicht gilt ist eine Auslands(Reise)KV unverzichtbar, siehe Lange Auslandsaufenthalte 4. Krankenversicherung.

Bei manchen Auslands(Reise)KV gibt es eine Versicherungs-Debitkarte für den Geldbeutel. Eine solche im Notfall dabei zu haben kann hilfreich sein. Ich habe z.B. eine Real-Time Notfallkarte der Allianz zur AuslandsReiseKV von STA.

Man sollte auch im Reiseland niemals ohne eine gültige und umfassende KFZ-Versicherung unterwegs sein. Lieber etwas teurer mieten als auf riesen Kosten sitzen zu bleiben, in den Knast zu wandern oder Unfallopfer nicht ausreichend kompensieren zu können.

Ich habe darauf geachtet, dass meine Privathaftpflichtversicherung (PHV) auch Schäden im Ausland abdeckt z.B. im Hotel oder Apartment . Ein PHV muss man m.E. in D sowieso haben, sie ist billig und vielleicht nutzt sie auch ja im Ausland mal was, siehe Wichtige Versicherungen.

Es empfiehlt sich sämtliche wichtigen Dokumente als digitale Kopie gespeichert zu haben (Cloud, Handy, Kindle), siehe Datenschutz (Ende-zu-Ende Verschlüsselung, …): Reisepass, Impfausweis, Tickets, Policen von Krankenversicherungen, Rentenbescheid, Führerschein, Internationaler Führerschein, Geburtsurkunde.
Von den wichtigsten Dokumenten solle man zusätzlich je eine Papierkopie im Handgepäck und im aufgegebenen Gepäck haben.

Auf’s Handy

Auf dem Handy kann man Notfallinfos ausfüllen welche ohne Anmelden angesehen werden können, z.B. von Nothelfern. Den Umfang dieser Infos muss man gegen den Datenschutz abwägen. Bei Android lässt sich angeben:

  • Emergency Infos die permanent auf dem Lock-Screen angezeigt werden.
    Speicherbar unter “About Phone”.
  • Ausgwählte Notfall-Kontakte die ohne Entsperren des Handys angerufen werden können. Abrufbar via “Emergency Call“.
  • Medizinische Infos, wie (Vor)Erkrankungen, Blutgruppe, Allergien, Medikamentierung, Implantate, Herzschrittmacher, Schwangerschaft.
    Hier lassen sich auch Infos über zu versorgende Personen oder Haustiere hinterlegen. Abrufbar via “Emergency Call | View Emergency Information”.
  • Und man kann den Emergency Location Service aktivieren.
    Damit werden bei Notrufen automatisch die genauesten GPS Daten übermittelt – das wird aber nicht in allen Ländern unterstützt.

Für Android gibt es darüber hinaus eine Google App Personal Safety. Damit lässt sich u.a. eine Zeitspanne festlegen nach deren Ablauf automatisch die Notfallkontakte informiert werden wenn man nicht vorher bestätigt sicher zu sein (Totmanneinrichtung). In manchen Ländern wird kann auch die ein automatischer Notruf ausgelöst werden wenn die Sensoren des Handy einen Unfall vermuten.

Auf Windows kann man sich ein Hintergrund-Bild mit Notfall-Infos für den Lock-Screen erstellen.

Um ein verlegtes Handy oder ein Notebook aufzuspüren kann man die Funktion Find my Device aktivieren. Damit kann man den aktuellen Ort des Gerätes anzeigen, das Gerät klingeln lassen und sogar seine Daten auf dem Gerät aus der Ferne löschen.
Android find my Device
Apple find it all
Windows find my Device

Im Geldbeutel

In den Geldbeutel gehört:

  • Wenig Bargeld
  • 1 Kreditkarte.
    Möglichst eine welche man nicht zu Abheben am ATM braucht.
    Vielleicht noch 2 abgelaufene – damit Diebe schnell zufrieden abziehen (die werden vielleicht nicht erst das Ablaufdatum prüfen).
    Mancher hat sogar einen Raub-Geldbeutel dabei, das hielt ich an meinen bisherigen Reiseorten für übertrieben.
  • Deutscher Personalausweis.
    Wird oft anstelle vom Reisepass akzeptiert (den man ja nicht so gerne mit schleppt oder hergeben will)
  • Kopie Reisepass 1. Seite und Seite mit Visum(!).
  • Visitenkarte des Hotels.
    Möglichst mit Adresse in Landessprache.
    Ich habe immer auch zusätzliche in der Hose und im Tagesrucksack.
  • Eigene Visitenkarten.
    Zum Erweitern des Kontaktnetzwerks.
  • KV-Versicherungskärtchen.
    Gibt’s auch bei manchen AuslandsKV – Ich hatte z.B. eine Real-Time Notfallkarte der Allianz zurAuslandsReiseKV von STA.
  • Führerschein.
  • Organspenderausweis.
  • Kontakt Tel-Nummern von Vertrauenspersonen für Notfall.
    Zusätzlich zu auf dem Handy gespeicherten Infos.
  • Kontakt Tel-Nummern für Hilfe im Reiseland.
    Zusätzlich zu auf dem Handy gespeicherten Infos.
  • Ggf. Medizinische Infos.
    Wie (Vor)Erkrankungen, Blutgruppe, Allergien, Medikamentierung, Implantate, Herzschrittmacher, Schwangerschaft.
  • Ggf. Infos über zu versorgende Personen oder Haustiere.
  • Ich habe auch immer einen Mini-Kugelschreiber im Geldbeutel.

Meist gibt es im Internet eine übersichtliche Liste wichtiger Telefonnummern des Reiselandes, hier z.B. für Thailand.

Zur Absicherung gegen Ausfall oder Verlust habe ich immer 2 Handys dabei (mein aktuelles und ein altes) und halte diese aktuell konfiguriert.

Zu Absicherung gegen Account-Sperren und Ausfälle bei Providern, siehe Datenschutz (Ende-zu-Ende Verschlüsselung), habe ich immer mindestens zwei Internet-Provider für von mir genutzte Services konfiguriert, damit ich bei Problemen leicht umschalten kann. Aktuell arbeite ich mit E-Mail Accounts bei Microsoft 365, Google und GMX und nutze als Hoster IONOS und Host-Europe.

Für den Fall, dass die Authentifizierung oder Autorisierung für das Online-Banking via Handy-App mal nicht funktioniert habe ich einen Chip-Tan Leser und eine Girokarte dabei.

Manchmal will einem die PIN einer Kreditkarten partout nicht einfallen (Stress, Müdigkeit, Krankheit). Zum Merken der ganzen unterschiedlichen PINs hilft folgender Spickzettel:

Spickzettel u.a. mit der PIN 4221 verschlüsselt mit dem Codewort „mogelfurz“

Siehe auch Sicherheit Unterwegs.

Sperr Notruf für Kreditkarten

Alle Karten: +49 116 116

DKB:
Tel: +49 30 120 300 00
Fax: +49 30 120 300 01

Mastercard: +1 636 722 7111
Visa: + 1 410 581 9994

Ungeplante Rückwanderung

Erfahrene Expats berichten, dass die meisten Langzeitreisenden und Auswanderer in ihr Heimatland zurückwandern, sobald sie sehr gebrechlich oder alt werden – wenn das ihnen denn möglich ist. Es gibt natürlich auch Fälle, in denen jemand gerade wegen einer Pflegebedürftigkeit nach Südostasien oder Osteuropa zieht. Siehe auch Rückkehr in die KV.

Für eine Rückkehr aus dem Ausland nach D kann es viele Gründe geben: finanzielle, wirtschaftliche, emotionale, sprachliche, Erkrankungen, … siehe Rückwanderung: Warum jeder Auswanderer eine Exit-Strategie benötigt. Für diesen Fall sollte man ausreichend Rücklagen haben um im Heimatland wieder auf die Beine zu kommen – so für die Lebenshaltungskosten von 6 Mon, siehe Anlage-Strategien für den Ruhestand. Dazu könnte hilfreich sein, ein Konto im Heimatland zu behalten, siehe Kontenmodell für lange Auslandsaufenthalte.

Geldbeutel weg! Was tun?

Bei Verlust des Geldbeutels:

  • Ruhe bewahren!
  • Alle Karten und Ausweise sperren lassen.
    Wenn Karten vermutlich nur verlegt, diese erst mal nur temporär in der Banking-App sperren.
  • Kontoumsätze im Blick behalten.
  • Aufenthaltsorte absuchen.
  • An Aufenthaltsorten im Fundbüro und bei der Polizei nachfragen ob was gefunden wurde.
  • Der Polizei den Verlust melden.
  • Behörden den Verlust von Dokumenten melden.
  • Neue Karten und Dokumente beantragen.

Personalausweis im Ausland weg und Reisepass abgelaufen: Wie man richtig reagiert

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